• 24.06.2013, 10:22:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Spekulation ist en vogue - von Andreas Wolf

Abgestimmte Aktionen der Finanzmarktbehörden beugen der nächste Krise vor

Utl.: Abgestimmte Aktionen der Finanzmarktbehörden beugen der
nächste Krise vor =

Wien (OTS) - Spekulation ist gleich Zockerei - eine These, die
inbesondere in Bezug auf die Finanzmärkte heutzutage kaum Widerspruch
im öffentlichen Raum erfährt. Umso interessanter ist der aktuelle
Hinweis einer bekannten deutschen Bank auf einen eben solchen Vorgang
im Währungsbereich. Demnach nutzen vor allem institutionelle, also
finanzkräftige, Investoren das noch immer relativ attraktive
Zinsniveau in China, um dort Geld anzulegen. Dies ist für sich
genommen noch nicht besorgniserregend, wäre da nicht die Art der
Finanzierung dieser Anlage. Denn zumeist handelt es sich bei dem
angelegten Kapital um Kreditgelder aus dem Niedrigzinsland USA. Da
insbesondere großkapitalisierte Investoren Kredite besonders günstig
erhalten, rechnet sich dieses Geschäft für sie allemal.

Doch diese Art von lukrativen Geschäften, genannt "Carry Trades", hat
natürlich auch einen Haken. Beginnt sich die Spanne des
Leitzinsniveaus beider Währungen zueinander zu verringern, dann
bekommen die Investoren schnell kalte Füße. Denn wenn sich das Risiko
erhöht, verringert sich automatisch die Attraktivität für die
Anleger, diese Geschäfte zu tätigen. Es folgt eine rasche Umkehr des
langfristig intakten Trends, sehr häufig auch verbunden mit negativen
Verwerfungen an den Aktienmärkten. Als Vorlage dient dabei
klassischerweise der japanische Yen. Hier führte eine rasche
Auflösung ähnlicher Spekulationen zwischen US-$ und Yen 1998 zu einem
Kursrutsch. Auch im Vorfeld der Lehman-Pleite 2008 gab es eine
Umkehrbewegung zwischen australischem Dollar und Yen.

Nicht nur Amerikaner und Chinesen, sondern auch alle anderen großen
Industrieländer und deren Finanzmarktverantwortlichen, sollten
deshalb in den kommenden Monaten ein Auge auf die Veränderungen des
Zinsniveaus in den USA und China haben. In beiden Ländern kündigen
sich nämlich langsam Veränderungen diesbezüglich an. Mit der dezenten
Analyse einer deutschen Bank vor Augen sollte deshalb niemand am Ende
behaupten, gewisse Gefahren für die weltweiten Finanzmärkte wären
nicht absehbar gewesen. Nimmt man Finanzaufsicht global ernst, dann
müsste nun eine abgestimmte Aktion zwischen allen Aufsichtsbehörden
anlaufen.

Das ist Krisenvorbeugung im besten Sinne.

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