• 20.06.2013, 10:52:15
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Haus- und Gartenpestizide: Einkaufstest von GLOBAL 2000 brachte erschreckende Ergebnisse

Keine Informationen über krebserregende, bienengiftige oder Grundwasser gefährdende Eigenschaften

Utl.: Keine Informationen über krebserregende, bienengiftige oder
Grundwasser gefährdende Eigenschaften =

Wien/Linz (OTS) - Testeinkäufe von Haus- und Gartenpestiziden in
Baumärkten, Gartencentern, Lagerhäusern und im Internet, die die
österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 im Rahmen eines
gemeinsamen Projekts mit dem oberösterreichischen Umwelt-Landesrat
Rudi Anschober durchgeführt hat, stellen den Verkaufsmärkten und dem
Verkaufspersonal ein verheerendes Zeugnis aus: In 41 von 54 Fällen -
das entspricht rund drei Viertel der Testkäufe - musste die
Beratungsleistung mit einem klaren "Nicht Genügend" bewertet werden,
da Informationen, die für eine Eingrenzung von Risiken für Mensch
oder Umwelt essentiell sind, selbst auf Nachfrage nicht erteilt
wurden.

Dies ist nicht nur riskant für Mensch und Umwelt, sondern eine
Missachtung der geltenden Gesetze: Die Pflanzenschutzmittelverordnung
sieht für Händler, die Pestizide für den Haus- und Kleingartenbereich
verkaufen, eindeutige Informationspflichten vor: Es muss jederzeit
über

- die Risiken für Gesundheit und Umwelt,

- über die sachgemäße Verwendung und

- über verfügbare Alternativen mit geringem Risiko

informiert werden.

Landesrat Anschober meint hierzu: "Hier werden geltende Gesetze auf
das Gröbste missachtet. Die Gefahr, die von diesen Produkten ausgeht,
ist nicht zu vernachlässigen. Die Verantwortung darf hier nicht nur
an die KundInnen abgegeben werden."

Die TesteinkäuferInnen von GLOBAL 2000 absolvierten insgesamt 54
Einkäufe, 15 davon in OÖ, 20 in NÖ und 19 in Wien, alle nach einem
standardisierten Schema. Die Erfahrungen wurden umgehend
protokolliert und die Beratung durch das Fachpersonal anhand einer
Checkliste bewertet. "Bei keinem einzigen unserer 54 Testeinkäufe
wurden wir auch nur annähernd in dem gesetzlich vorgeschriebenen
Umfang informiert. Im Gegenteil, Informationen kamen - wenn überhaupt
- fast immer erst auf Nachfrage und waren überdies größtenteils
falsch bzw. irreführend", berichtet GLOBAL 2000 - Umweltchemiker
Helmut Burtscher und veranschaulicht dies anhand eines Beispiels:
"Einer unserer TesteinkäuferInnen wurde etwa ein Insektizid verkauft,
dessen Anwendung ab Dezember EU-weit aufgrund seiner Bienengiftigkeit
verboten ist. Über dessen Gefährlichkeit für Bienen oder den
bevorstehenden Zulassungsstopp wurde unsere Einäuferin aber erst auf
Nachfrage informiert. Als sie sagte, dass sie sich in Anbetracht des
EU-Verbots gerne noch mit einem Vorrat eindecken möchte, und sich
nach der Haltbarkeit des Pestizids erkundigte, wurde ihr mitgeteilt,
dass der Pestizidwirkstoff Imidacloprid gute chemische Beständigeit
aufweist und daher auch nach Jahren kaum an Wirksamkeit einbüßt. Kein
Wort darüber, dass die Anwendung im Hausgarten ab 1. Dezember unter
Strafe steht und mit Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro bedroht ist."

Weitere Erkenntnisse aus dem Einkaufstest

Der Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht,
fruchtschädigende und krebserregende Wirkung zu haben, und nicht nur
im Körper jedes/r zweiten Europäers/in nachweisbar ist (GLOBAL 2000
berichtete), sondern auch in Bächen, Flüssen und im Grundwasser,
wurde in nahezu allen Testeinkäufen als sowohl gesundheitlich als
auch ökologisch unbedenklich beschrieben.

Ein weiteres Problemfeld, das der Einkaufstest aufgezeigt hat, ist,
dass viele dieser Haus- und Gartenpestizide auch über
Internetplattformen wie Amazon und Ebay bezogen werden können.

Besonders erschreckend: Produkte mit dem Wirkstoff Thiacloprid, ein
Pestizidwirkstoff, der sogar laut Sicherheitsdatenblatt "vermutlich
beim Menschen Krebs erzeugt", wurden in allen Testeinkäufen auch auf
Nachfrage durch die Bank als für die Gesundheit unbedenklich
dargestellt.

"Überraschend für uns war, dass in den spezialisierten
Raiffeisen-Lagerhäusern die Beratungsqualität in keiner Weise besser
oder umfangreicher war als in den Baumärkten", berichtet Burtscher.
Umfangreicher war nur das Angebot: So war beispielsweise dort ein
Produkt für den privaten Gebrauch erhältlich, das den krebserregenden
Wirkstoff Thiacloprid in 49-prozentiger Konzentration enthält. Zum
Vergleich: Thiaclopridhältige Produkte in den Baumärkten wiesen
Konzentrationen zwischen 0,15 und 0,9 Prozent auf.

Gesetzesverstöße und Konsequenzen

Burtscher erklärt: "Laut Pflanzenschutzmittelverordnung 2011 dürfen
Produkte, die als krebserregend einzustufen sind, im Haus- und
Kleingartenbereich nicht eingesetzt werden. Dass diese in den
Lagerhäusern dennoch an Private verkauft werden, wird GLOBAL 2000
juristisch prüfen und gegebenenfalls zur Anzeige bringen."

Durch die Missachtung der gesetzlichen Beratungspflicht wird ein
nicht akzeptables Risiko für Tiere, Gewässer und vor allem auch für
die menschliche Gesundheit in Kauf genommen. Die Vollzugs- und
Kontrollpflichten in Bezug auf die Einhaltung der Bestimmungen der
Pflanzenschutzmittelverordnung 2011 liegen beim Bundesamt für
Ernährungssicherheit. "Die politische Letztverantwortung hierfür
trägt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. Der
Minister muss die durch den Einkaufstest von GLOBAL 2000 aufgedeckten
Missstände, die zu einer Gefährdung von Mensch und Umwelt führen,
beenden", fordert Burtscher.

Den Testbericht "Haus- und Gartenpestizide im GLOBAL 2000
Einkaufstest" finden Sie unter: www.global2000.at

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