• 18.06.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Jammern ist jetzt begründet - von Eva Komarek

Die Durststrecke scheint auch für große Unternehmen zu lang

Utl.: Die Durststrecke scheint auch für große Unternehmen zu lang =

Wien (OTS) - Lange Zeit hat die Realwirtschaft in Österreich der
Krise gut standgehalten. Jetzt häufen sich die Großinsolvenzen. Es
scheint, das Jammern ist erstmals begründet. Das Problem ist, dass
die Krise nun schon zu lange dauert. Nach einer zwischenzeitlichen
Erholung ist der Euroraum wieder in eine Rezession gerutscht,
konstatierte zuletzt auch OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. Dagegen
schlage sich Österreich vergleichsweise gut. Dennoch, die Prognosen
wurden erneut nach unten revidiert, und da auch Deutschlands
Wirtschaft kaum wächst, stottert der Exportmotor. Nachdem es zuerst
viele Klein- und Mittelbetriebe erwischt hat, scheint nun die
Durststrecke auch für große Unternehmen zu lange zu sein. Bezeichnend
für das Konjunkturproblem ist, dass zu den nach Dienstnehmern größten
Insolvenzen des heurigen Jahres Personalvermittlungsfirmen gehören.
Die MPS Personal Service GmbH, die gestern Konkurs angemeldet hat,
ist die bisher größte Pleite des Jahres, noch vor Niedermeyer.
Bislang haben die Banken die Großbetriebe noch durchgetragen, die
Kleinen wurden schon früher fallen gelassen. Doch die strengen
Eigenmittelvorschriften der Banken haben zu verschärften
Kreditvergaben geführt. Das erschwert die Finanzierung von
angeschlagenen Unternehmen zusätzlich. Kritik ist aber auch an der
Regierung angebracht: Im Jahr 2010 wurde im Zuge der ersten Krise zur
Unterstützung von Unternehmen das
Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz (ULSG) geschaffen. Dabei
übernahm der Staat für einen Teil der Unternehmenskredite die
Haftung. Diese ULSG-Kredite laufen auf drei Jahre, heuer reifen also
die ersten ab. Die Firmen sind somit gezwungen, mit der Rückzahlung
zu beginnen und müssen größere Summen refinanzieren. Weil das ULSG
abgelaufen ist, müssen sie das ohne Haftung schaffen. Ein
Nachfolgeprodukt gibt es nämlich nicht. Davon sind viele große Firmen
betroffen. Ein bekanntes Beispiel wäre Bene. Hier gäbe es dringenden
Handlungsbedarf seitens der Regierung. Doch insgesamt scheint die
Wirtschaft demoralisiert. So steht steter Jobabbau an der
Tagesordnung. Viele Unternehmen haben die Hoffnung aufgegeben, dass
die Auslastung wieder auf Vorkrisenniveau steigen könnte. Während sie
2009 noch Kurzarbeit genutzt haben, kündigen sie jetzt die
Mitarbeiter. Das wird zum Teufelskreis.

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