• 17.06.2013, 12:38:47
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Mitterlehner: Junge Biotech-Unternehmen stärker fördern, seltene Krankheiten besser erforschen

Verdoppelung der jährlichen Fördermittel stärkt Biotech- Standort, forciert Gründungen und hilft bei Diagnose und Therapie seltener Erkrankungen wie der Schmetterlingskrankheit

Utl.: Verdoppelung der jährlichen Fördermittel stärkt Biotech-
Standort, forciert Gründungen und hilft bei Diagnose und
Therapie seltener Erkrankungen wie der Schmetterlingskrankheit =

Wien (OTS/BMWFJ) - Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat am
Montag den neuen Aktionsplan Biotech des Wirtschaftsministeriums
präsentiert, mit dem insbesondere die finanziellen Mittel zur
Erforschung seltener Erkrankungen deutlich aufgestockt werden. "Mit
unserer Initiative wollen wir das große Potenzial von innovativen
Biotech-Unternehmen stärker nützen und gleichzeitig die Erforschung
seltener Krankheiten vorantreiben. Das hilft langfristig sowohl dem
Wirtschaftsstandort als auch den rund 400.000 Österreichern, die von
einer seltenen Erkrankung betroffen sind, rund die Hälfte der
Patienten sind Kinder", sagte Mitterlehner nach einem Gipfel mit
Förderagenturen und führenden Vertretern der Biotech-Branche wie dem
Spitzenforscher Josef Penninger und Apeptico-Geschäftsführer Bernhard
Fischer. Beide unterstützen die Initiative.

Ganz im Sinne der FTI-Strategie will das Wirtschaftsministerium seine
Fördermittel für die Biotechnologie-Branche bis zum Jahr 2015 um bis
zu 50 Millionen Euro aufstocken. "Wir verdoppeln unsere jährliche
Unterstützung, weil der Biotech-Sektor zu einem immer wichtigeren
Faktor für einen zukunftsorientierten Wirtschaftsstandort wird.
Biotech-Unternehmen sind besonders wachstumsstark und innovativ, was
durch eine europaweite F&E-Quote von 15,9 Prozent unterstrichen
wird", betont Mitterlehner. "Indem wir Forschung und
Unternehmensgründung erleichtern, entsteht ein Mehrwert für den
Innovations-Standort Österreich, der damit auch für die Ansiedlung
international renommierter Unternehmen noch attraktiver wird", betont
Mitterlehner. Ziel sei es, die Zahl der im heimischen Biotech-Sektor
tätigen Unternehmen in den nächsten fünf Jahren auf über 200 zu
verdoppeln.

"Es freut mich, dass Forschung und Entwicklung gerade jetzt eine
Priorität der Regierung sind. Denn jene Länder, die in dieser Krise
Innovationen finanzieren, sind auch die Länder, die gut aus der Krise
herauskommen", sagte der Molekularbiologe Penninger. "Eines ist klar:
Wir werden alle älter, wir wollen alle gesund bleiben, und deswegen
ist eine Investition und eine Vision für ein Land Österreich, in
Biotechnologie zu investieren, absolut essentiell", so Penninger.

Neue Forschungsprogramme für seltene Krankheiten

Die Umsetzung des Aktionsplans erfolgt insbesondere über zwei neue
FFG-Förderschienen, für die ab sofort eingereicht werden kann. Über
die Programmlinie "Seltene Erkrankungen" werden F&E-Projekte zur
Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten wie zum Beispiel
der "Schmetterlingskrankheit", Mukoviszidose oder Morbus Crohn
gefördert. Aufgrund der geringen Fallzahlen und der kosten- und
zeitintensiven Entwicklung von Therapien sind bisher noch zu wenige
Unternehmen in diesem Bereich tätig. Mit den zusätzlichen Mitteln von
10 Millionen Euro 2013 und 20 Millionen Euro für 2014 und 2015 soll
dieses Nischensegment besser ausgefüllt werden. Parallel dazu setzt
das Wirtschaftsministerium in der aktuellen Ausschreibung des
FFG-Programms "Research Studios Austria" einen von zwei Schwerpunkten
auf "Life Sciences & Medizintechnologie". Research Studios sind
kleine, flexible Forschungseinheiten, die sich speziell der Anwendung
und Umsetzung von Forschungsergebnissen in Unternehmen widmen. Dafür
stehen bis zu 16,8 Millionen Euro zur Verfügung, die bei einer
Verlängerung um weitere fünf Millionen Euro aufgestockt werden
können.

Finanzierung von Biotech-Startups unterstützen

Weitere Schwerpunkte des Aktionsplans Biotech liegen auf der besseren
Finanzierung von Start-Ups. Im Rahmen der heuer gestarteten
Jungunternehmeroffensive sind über zwei bei der Austria
Wirtschaftsservice (aws) angedockte Fonds langfristig 110 Millionen
Euro an Investitionskraft verfügbar. "Damit beseitigen wir eine
langjährige Schwäche unseres Innovationssystems, weil mehr
Risikokapital für junge Wachstumsunternehmen zur Verfügung steht.
Bisher haben wir 124 Einreichungen", so Mitterlehner. Fortgeführt
wird auch das neu aufgestellte Seedfinancing-Programm, in dem seit
Kurzem 50 Prozent der jährlich verfügbaren Mittel für Start-Ups aus
der Life-Science-Branche reserviert sind. Das Besondere daran ist,
dass der Zuschuss von einer Million Euro pro Unternehmen bei einem
späteren Geschäftserfolg wieder zurückgezahlt werden muss, wie es zum
Beispiel früher auch Intercell getan hat.

Apeptico-Geschäftsführer Fischer verwies auf die bestehenden guten
Strukturen in Österreich, die mit den neuen Programmen weiter
verbessert werden. "Eine Gesellschaft bleibt nicht stehen, die
Herausforderungen werden komplexer. Daher liegt die Zukunft
Österreichs in einer wissensbasierten Gesellschaft. Eine Möglichkeit,
die Systeme wachsen zu lassen, ist zum Beispiel, dass man
Firmengründungen forciert und in Nischenmärkte geht, die die großen
Pharmakonzerne nicht besetzen."

Zahlen, Daten, Fakten zur Biotech-Branche in Österreich

Insgesamt gibt es in Österreich 113 biotechnologische Unternehmen mit
rund 23.000 Beschäftigten. Deren Umsatz lag laut einer WIFO-Erhebung
bei rund drei Milliarden Euro, insgesamt liegen die direkten und
indirekten Wertschöpfungseffekte bei 5,5 Milliarden Euro. Zuletzt
meldete jedes Biotechnologie-Unternehmen in Österreich im
Durchschnitt 1,9 Erfindungen pro Jahr zum Patent an. Der
Biotech-Bereich zeichnet sich durch eine besonders hohe
F&E-Intensität aus und deckt mit 0,5 Prozent der Beschäftigten 12,5
Prozent der F&E-Aktivitäten der gesamten Industrie ab.

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