• 17.06.2013, 12:13:51
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Wlodkowski: Nur zeitgemäße Landwirtschaft sichert genügend Nahrungsmittel

Wetterkapriolen nehmen zu: 80% des Ertrages vom Wetter abhängig

Utl.: Wetterkapriolen nehmen zu: 80% des Ertrages vom Wetter
abhängig =

Wien (OTS) - "Die Unwetter und Überschwemmungen der letzten Wochen
erinnern ein weiteres Mal an die Tatsache, dass der Ernteertrag zu
80% vom Wetter abhängig ist. So wird auch die hohe Verantwortung
deutlich, die die Landwirtschaft bei der Sicherung unserer Ernährung
hat. Dieser Aufgabe können aber die Bäuerinnen und Bauern sowohl in
qualitativer als auch quantitativer Hinsicht nur dann zur vollsten
Zufriedenheit der Bevölkerung nachkommen, wenn sie, egal ob sie
biologisch oder konventionell wirtschaften, die modernsten
Produktionsmethoden anwenden können, die ihnen jeweils zur Verfügung
stehen. Denn so wie beim Menschen kann man auch bei Tieren und
Pflanzen Krankheiten oder Schädlinge nur mit Tierarznei- oder
Pflanzenschutzmitteln bekämpfen. Daher verurteilen wir jede Form von
unsachlicher und politisch motivierter Panikmache, die meist in einer
Anlassgesetzgebung mündet und der heimischen Landwirtschaft im
Endeffekt schwere Wettbewerbsnachteile beschert. Wir plädieren statt
dessen dafür, gemeinsam mit Experten Lösungen zu erarbeiten, die
breite Akzeptanz finden", erklärte Gerhard Wlodkowski, Präsident der
Landwirtschaftskammer Österreich, im Rahmen der Erntepressefahrt der
LK und der RWA.

"Die Aufgabe der Landwirtschaft ist und bleibt es, die Ernährung
der Gesellschaft zu sichern. Das ist umso bedeutender, als die
Bevölkerung weltweit um jährlich 80 Mio. Menschen zunimmt, die
verfügbare Ackerfläche jedoch sinkt. Nur mit einer nachhaltigen
Intensivierung und dem Einsatz moderner Agrartechnik werden wir diese
Herausforderung meistern können", unterstrich Wlodkowski.

Politische Rahmenbedingungen müssen stimmen

"Wir brauchen auch entsprechende Rahmenbedingungen, um unsere
Aufgaben im Dienste der Gesellschaft erfüllen zu können. Wir erwarten
uns von der künftigen EU-Agrarpolitik, dass sie eine nachhaltig
orientierte Markt-Landwirtschaft möglich macht. Dazu müssen im
Verhandlungs-Endspurt noch ein paar offene Fragen geklärt werden. So
geht es um die Anerkennung der Umweltleistungen der heimischen
Landwirtschaft für die Greening-Auflagen, die noch immer offen ist.
Außerdem wollen wir keine weiteren sogenannten Flexibilitäten beim
Budget, weil diese zusätzlich zu den ohnehin vorgesehenen Kürzungen
noch weitere Budget-Reduktionen bedeuten würden. Ein Mehr an Auflagen
und ein Minus an Ausgleichszahlungen ist jedoch ein Widerspruch. Die
Bauern haben das Recht auf planbare Bedingungen und einen
kalkulierbaren Finanzrahmen. Ich appelliere an die Politik, hier
rasch zu vertretbaren Lösungen zu kommen", so Wlodkowski.

Schäden in der Landwirtschaft: Hagel

Im langjährigen Schnitt tratt der erste schwere Hagel nie vor Ende
Mai auf. Heuer war dies vergleichsweise früh, nämlich schon am 04.05.
Betroffen waren im südlichen Niederösterreich die Bucklige Welt mit
bis zu 2 cm großen Hagelkörnern, das "Blaufränkischland" im
Mittelburgenland mit teilweise enormen Triebabschlägen bei Wein und
der östliche Teil der Steiermark mit Schäden im Grünland. Die
betroffene landwirtschaftliche Fläche betrug rund 1.500 ha, mit einem
Gesamtschaden in Höhe von EUR 700.000,-.

Am Pfingstwochenende verursachten Hagelunwetter erhebliche Schäden
in den Bundesländern Steiermark (Erdbeeren, Wintergetreide, Wein,
Kern- und Steinobst), Burgenland (Wein, Obst, Gemüse und Getreide)
und Salzburg (Gemüse, Erdbeeren und Grünland). Der Gesamtschaden
betrug auf 2.500 ha landwirtschaftlicher Fläche insgesamt EUR 3 Mio.

Zudem wurde die Landwirtschaft in Niederösterreich von
Hagelunwettern am 09. und 10.06. zum Teil erheblich getroffen. Im
Raum Langenlois und Schönberg/Kamp entstanden am 09.06. Schäden an
rund 600 ha Weinkulturen. Tags darauf verursachte ein erneuter
Hagelschlag in den Bezirken Gänserndorf und Korneuburg
Beeinträchtigungen an Acker-, Wein- und Gemüsekulturen. Das
Schadensausmaß an diesen beiden Tagen beträgt knapp EUR 2 Mio. auf
insgesamt 3.000 ha Agrarfläche.

Hochwasser: Verluste für die Landwirtschaft

Auch das jüngste Jahrhunderthochwasser hat großflächig
Verwüstungen im Grünland, bei Acker- und Gemüsekulturen sowie
Glashäusern verursacht. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft
beträgt nach Erhebungen durch die Sachverständigen der
Österreichischen Hagelversicherung rund EUR 20 Mio., auf etwa 22.000
ha landwirtschaftlicher Fläche. Nicht inkludiert in dieser
Schadenssumme sind die Kosten für Folge- und Gebäudeschäden sowie
Aufräumarbeiten an Bauernhöfen.

"Das Ausmaß dieser Zerstörung durch die Schadensereignisse zeigt,
wie wichtig betriebliches Risikomanagement ist, das von der
Österreichischen Hagelversicherung angeboten wird", ergänzte
Wlodkowski.

Schultes: Risikoversicherung in EU weiterentwickeln

"Ob die Ernte einen Wert hat, hängt vom Preis und Ertrag ab.
Beides ist riskant. Mit der neuen Agrarpolitik der EU wird die
Betriebsprämie als Risikopuffer abgebaut. Neue Instrumente müssen
eingeführt werden. Ernten und Preisschwankungen mit europaweiten
Auswirkungen können uns wieder in eine schwierige Lage bringen. Wir
brauchen daher eine weiterentwickelte Risikoversicherung nach
amerikanischem Ernte-Modell, mit Deckung des Rückversicherungsrisikos
durch die europäische Solidarität. Das kann den Bauern auch unter
Bedingungen des Klimawandels kalkulierbarere Verhältnisse schaffen
und eine nachhaltige Landwirtschaft dauerhaft absichern", erklärte
Hermann Schultes, Präsident der LK Niederösterreich.

Hautzinger: Produzierende Landwirtschaft mit ökologischer
Verantwortung

"Das Burgenland blieb bisher von größeren Hochwasserschäden
verschont und es ist zu hoffen, dass es auch so bleibt. Obwohl wir
einen extrem langen Winter hatten, zeichnet sich heuer, nach dem
regional schlechten Jahr 2012, eine bessere Getreideernte ab, die bei
einem optimalen Wetterverlauf bis zur Einbringung auch gute
Qualitäten erbringen sollte. Natürlich blicken wir jetzt mit Spannung
auf die Getreidemärkte. Wir kennen ja das Spiel auf den
internationalen Märkten, da wird jedes Signal sofort aufgenommen. So
hört man mittlerweile, dass sich die Aussaat von Mais in Amerika
verzögert hat und auf der anderen Seite gibt es schon Berichte,
wonach sich die Märkte bereits auf die Folgen der Flutkatastrophe in
Mitteleuropa und in Deutschland einstellen", so der Präsident der LK
Burgenland, Franz Stefan Hautzinger.

"Die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln in China, Indien und
anderen Schwellenländern wird die Preise am Weltmarkt weiter in die
Höhe treiben. Zudem hat sich der weltweite Fleischkonsum in den
vergangenen 60 Jahren verdoppelt und wird sich laut Schätzungen bis
zum Jahr 2050 nochmals verzweifachen. Die Politik muss daher, im
Interesse der Menschen in unserem Land, unterstützend mitwirken,
damit die heimische Landwirtschaft definitiv eine 'produzierende
Landwirtschaft' bleibt, weil nur eine solche in der Lage ist, die
Gesellschaft sicher mit hochqualitativen und leistbaren Lebensmitteln
zu versorgen," so Hautzinger und weiter, "Wetterkapriolen, tierische
und pflanzliche Schädlinge sowie Pflanzenkrankheiten sind während des
ganzen Jahres die ständigen Wegbeleiter der Bauern und machen ihnen
häufig die Arbeit schwer. Eine auf Produktion ausgerichtete
Landwirtschaft hat selbstverständlich auch eine große ökologische
Verantwortung wahrzunehmen. Wir müssen aber die Kirche im Dorf
lassen. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen wird die Landwirtschaft in
Österreich sicher nicht in der Lage sein, ihrer Verantwortung als
Produzent ausreichender Lebensmitteln gerecht zu werden."

"Die Politiker auf EU-Ebene und in Österreich sind daher
aufgerufen, den Budgetrahmen für die Gemeinsame Agrarpolitik 2014 bis
2020 so aufzustellen, dass der Bauernschaft eine nachhaltige
wirtschaftliche Planbarkeit geebnet wird. Zur Bauernschaft zähle ich
alle, Klein- und Mittelbetriebe, aber auch Betriebe, die größere
Flächen in Bewirtschaftung haben. Gerade im Burgenland sind viele
Klein- und Mittelbetriebe durch Zupachtungen zu 'größeren Einheiten'
geworden. Eine optimal tätige, flächendeckende Landwirtschaft bedarf
aller Betriebsformen und -größen", so Hautzinger abschließend.

Windisch: Lebensmittel-Autarkie ist keine
Selbstverständlichkeit

Für die Wiener Ackerbauern, die auf über 2.100 ha Getreide und auf
weiteren knapp 800 ha andere Feldfrüchte anbauen, ist das
Wirtschaftsjahr bislang ohne gröbere Zwischenfälle verlaufen. Von
Hochwasser und Hagel verschont, sei heuer eine "recht gute Ernte" zu
erwarten, so der Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, Franz
Windisch, nicht ohne einzuschränken, "aber nur, wenn wir sie sicher
nach Hause bekommen". Die Prognosen seien bis dato "viel besser" als
im statistisch schlechten Erntejahr 2012, die Witterung bleibe bis
zum letzten Tag jedoch ein großer Unsicherheitsfaktor. Aufgrund der
häufigen Niederschläge sei auch ein erhöhter Pilzdruck beim Getreide
nicht auszuschließen.

Bezüglich der Qualität will sich Windisch nicht festlegen. Er
verweist auf das "Gesetz des Minimums". Geringe Niederschläge wie
2012 haben die Erntemenge deutlich gesenkt; der dieses Jahr mögliche
Stickstoffmangel aufgrund der üppigen Bestände könnte demnach
Auswirkungen auf die Getreidequalitäten haben. "Es ist nicht
auszuschließen, dass im Qualitätsanbaugebiet Ostösterreich heuer mehr
Mahlweizenqualität geerntet wird", so der LK-Präsident.

Gauhs: Gute Ernteaussichten, aber hoher Krankheitsdruck

"Die Ernte wird nach derzeitigen Prognosen in den größten Teilen
Österreichs positiv ausfallen. Dennoch muss man darauf hinweisen,
dass die Bauern in den Hochwasser-Regionen mit zerstörten Feldern und
Ernteausfällen sowie im übrigen Produktionsgebiet mit hohem
Krankheitsdruck - aufgrund der überdurchschnittlichen Feuchtigkeit -
konfrontiert sind", so Ernst Gauhs, Bereichsleiter
Landwirtschaftliche Erzeugnisse der Raiffeisen Ware Austria. "Die
Ertragsausfälle in den Hochwasser-Regionen können aus heutiger Sicht
durch die gute Ernte in den anderen Regionen überkompensiert werden.
Wenn die weiteren Witterungsbedingungen stimmen, ist es möglich, dass
die österreichweite Erntemenge heuer jene des Rekordjahres 2011
erreicht."

"Die globale Ernte wird aktuell ebenfalls gut bewertet und liegt
den Schätzungen zufolge deutlich über dem weltweiten Verbrauch. Der
Markt hat auf die guten Ernteprognosen mit sinkenden Preisen
reagiert. Die Vermarktungsmöglichkeiten für österreichisches Getreide
haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Bei Weizen,
dem Hauptprodukt der Sommer-Ernte, führen hohe Erträge zu tendenziell
niedrigeren Eiweißwerten. Diese Qualitäten bieten Absatzchancen
sowohl für die Brotverarbeitung, die Mischfutter- und
Ethanol-Industrie als auch für den Export. Dem hohen Krankheitsdruck
begegnen die - auch im internationalen Vergleich - hoch
professionellen österreichischen Landwirte durch umfassende Maßnahmen
zur Gesunderhaltung der Pflanzen. Eine wichtige Rolle wird aber
sicher wieder der genauen Qualitätstrennung bei der Getreideübernahme
in den Lagerhäusern zukommen. Die Kombination aus diesen beiden
Faktoren, professionelle Landwirtschaft und Getreide-Erfassung, wird
auch in diesem schwierigen Jahr den Qualitätsvorsprung des heimischen
Getreides sicherstellen. Die Fachexperten der Lagerhäuser sind
hierfür bestens geschult und bringen optimale Voraussetzungen mit",
so Gauhs.
(Schluss)

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