- 14.06.2013, 10:00:33
- /
- OTS0055 OTW0055
Das Wesen des Weins ist Vielfalt

Vösendorf (TP/OTS) - Wein, Wein, nur du allein? Oder Bio, Orange,
schwefelfrei, histaminarm und resveratrolreich? Bei der letzten
WineExperts-Runde diskutierten Experten im WEIN & CO Flagshipstore,
was Wein zum Mehrkönner macht und welcher Zusatznutzen das Potenzial
zum Dauerbrenner hat. Ein Blick über den "Flaschenrand".
Wenn der Seminarkabarettist Professor Bernhard Ludwig an einer
Weindiskussion teilnimmt - Thema: Wie viel Zusatznutzen braucht der
Wein? - ist der Blick über den Flaschenrand garantiert. Schon in
seinem Buch "Anleitung zum lustvoll Leben" berichtete er über
sprichwörtlich potenten Rotwein. Und in seinem Kabarettprogramm in
Kooperation mit WEIN & CO hat er Rotwein gar als
Anti-Aging-Wunderwaffe schlechthin angepriesen. Das Geheimnis
dahinter: ein hoher Gehalt des Botenstoffs Resveratrol: "Bei Rotwein
kann sich die kleine Traube, die Hitze und Kälte ausgesetzt ist, dank
Resveratrol besser wehren, als dies bei Weißwein der Fall ist. Und
dieser Botenstoff, der einzige, der wirklich erforscht ist, ist gut
für das Herz." Rotwein ist für ihn auch ein Mittel, lustvolle
Übergewichtige mit einer Diät ohne Verbote ins Boot zu holen. Denn
selbst an den Nicht-Essenstagen, die sich bei seiner Diäterfindung
"10 in 2" mit Essentagen abwechseln, ist ein Glas Rotwein aufgrund
des verjüngenden Effektes nicht nur erlaubt, sondern sogar
ausdrücklich empfohlen.
Weitere Teilnehmer der Diskussion am 11. Juni in der WEIN & CO Bar
in der Mariahilfer Straße waren drei Vorzeigewinzer in Sachen
biodynamischer Weinbau - Stefan Hajszan vom Wiener Weingut Hajszan
Neumann, der Langenloiser Fred Loimer sowie Franz Strohmeier aus der
Weststeiermark - die Journalistin und Weinakademikerin Luzia Schrampf
sowie Gastgeber Oliver Sartena, Mitglied der Geschäftsleitung von
WEIN & CO. Moderiert wurde die fünfte Runde des vierteljährlichen
Forums WineExperts von Monika Kriwan, Leiterin der
Unternehmenskommunikation bei WEIN & CO.
Rotwein als Anti-Aging-Mittel, was sagt die Grande Dame des
heimischen Weinjournalismus, Luzia Schrampf, dazu? "Es gibt genügend
Untersuchungen, die belegen, dass Wein einen gesundheitlichen Effekt
hat, aber wenn das in den Bereich Wellness oder Geschäftemacherei
abgleitet, wird es suspekt. Wein ist kein Wellnessprodukt, sondern
bleibt Alkohol." Sie will lieber von Bekömmlichkeit reden und auch
Bernhard Ludwig konkretisiert: "Es geht mir hier nicht um Wellness,
sondern um das Weiterleben wie bisher."
Megatrend Bio
Welche Trends sind neben der Gesundheit beim Wein noch zu
beobachten? Und ist es vielleicht sogar ein Trend für sich, dass Wein
mehr können muss, als einfach nur gut zu schmecken?
"Der Konsument ist sicher kritischer und bewusster geworden",
spricht Oliver Sartena für den Weinhandel: "Kunden suchen Weine, die
ihnen guttun. Sie kaufen vielleicht weniger ein, dafür aber Weine
besserer Qualität. Es werden vermehrt Fragen nach dem Schwefelgehalt,
nach Histamin oder natürlich auch nach biologisch hergestellten
Weinen gestellt."
Der Biotrend ist für Schrampf schon mehr "eine Generalströmung,
die sich auch dank bekannter Vertreter festgesetzt hat." Außerdem
weiß sie um den Effekt auf die Qualität: "Der Biowein ist oft der
bessere und bekömmlichere Wein und eine gute Möglichkeit, sich in
Österreich hochklassig positionieren zu können."
Warum Winzer auf biologischen bzw. biodynamischen Weinbau
umsteigen, hat durchaus unterschiedliche Beweggründe. Für Stefan
Hajszan war ein persönliches Schlüsselerlebnis ausschlaggebend: "Ich
hatte ein Spritzmittel, das mir als natürlich angepriesen wurde und
dann war es plötzlich verboten. Da habe ich zu lesen begonnen und
nach einem Spritzmittel-Vortrag von einem BOKU-Professor wurde mir
klar, wie giftig das Zeug ist. Da gibt es Pestizide, wenn du die
kombinierst, hinterlässt du schwarze Erde."
Auch der Wunsch nach Qualitätssteigerung - "wir haben ja keinen
Heiligenschein und reich wird dabei auch niemand" - war für ihn ein
Impuls.
Franz Strohmeier hat als einer der ersten radikal umgestellt: "In
den 90er Jahren haben wir aufgrund der Feuchtigkeit extrem mit
chemischen Mitteln gekämpft. Ich hatte drei Tage Kopfschmerzen,
nachdem gespritzt wurde. Irgendwann wollte ich dem Ganzen dann nur
noch seinen Lauf lassen." Von einem Tag zum anderen wurden Rebstöcke
nicht mehr geschnitten und nicht mehr gespritzt - mit Erfolg: "Wir
sind ein Weinbaugebiet, in dem Rebstöcke tausende von Jahren ohne
Mittel überlebt haben, warum sollte das heute nicht mehr möglich
sein?"
Bauer sein statt Traktorfahrer mit Spritzplan
Für Fred Loimer stand weniger die Gesundheitsproblematik m
Vordergrund als der Wunsch nach Qualitätsmaximierung. Außerdem hätten
viele Spritzmittel gar nicht die gewünschte Wirkung gezeigt: "Der
Wendepunkt kam für mich mit dem Peronospora-Jahr 2005 (Anmerkung:
Pilzbefall von Rebe und Blatt), wo wir alles gespritzt haben, aber
das Zeug nichts geholfen hat. Ich hatte irgendwann auch keine Lust
mehr, Traktorfahrer mit Spritzplan zu sein. Das war vom Bauer weit
entfernt."
Er bedauert allerdings, dass man hierzulande mit biodynamischem
Weinen noch international hinterherhinkt: "Wohl auch, weil sich in
Restaurants Bio zwar in der Küche, aber noch nicht beim Wein
durchgesetzt hat."
Dabei würden auch volkswirtschaftliche Aspekte dafür sprechen. Für
Hajszan sind beispielsweise viele durch Hochwasser verursachte
Schäden auf Überdüngung zurückzuführen, "weil kein Humus mehr da ist"
und Loimer verweist gar auf höhere Lohnnebenkosten: "Wenn ich heute
doppelt so viele Arbeitskräfte einstelle, damit die
Laubwandgestaltung lockerer wird, hat auch die Gesellschaft etwas
davon. Für Herbizide zahlst du 20 % Mehrwertsteuer, für Mitarbeiter
110 % Lohnnebenkosten."
Hype um Orange-Wines
Als erfreulichen Subtrend von Bio etablieren sich die
"Orange-Wines", wie Rotweine hergestellte Weißweine, die meist
absolut naturbelassen länger auf der Maische vergoren werden und
daher eine dunkelgelbe bis orange Färbung aufweisen. Luzia Schrampf
dazu: "Ich hab mich immer gefragt, ob die wohl wieder verschwinden,
aber dann hat mir ein Kollege erzählt, dass sie sich in London
bereits in Toplokalen etabliert haben." Sie selbst habe die besten
Erfahrungen mit Orange Wines als Speisenbegleiter gemacht.
Fasziniert von Orange-Wines zeigt sich vor allem Franz Strohmeier,
der mit seinem Orange-Vertreter "Wein der Stille" schon viele
überzeugen konnte: "Es ist die Vielfalt, das Aha-Erlebnis, das mich
fasziniert. Die Frage ist auch, wie man den Wein konsumiert, man muss
ihm Zeit lassen, oft verändert er sich schon nach einer Stunde. Es
ist eine völlig neue Sichtweise, spannend ist nicht nur der
Geschmack, sondern auch die Entwicklung."
Vielfalt war überhaupt das Wort, das sich durch die ganze
Diskussion zog - in Bezug auf den Wein, wie auch Orange-Winzerkollege
Loimer formuliert: "Naturwein ist Vielfältigkeit, Ausdruck von
Regionalität und Lebensfreude" oder in Bezug auf Kundenwünsche - so
Oliver Sartena: "Genau darum schenkt WEIN & CO Nischenprodukten wie
Orange-Wines so große Beachtung. 60% unserer Kunden probieren gerne
etwas Neues aus, bei durchschnittlichen Weinkäufern sind das nur
20%."
Luzia Schrampf bringt es schließlich auf den Punkt: "Für alle
diese Trends gilt: Egal wie man als Weintrinker dazu steht, sie
zeugen vom Wunsch, Wein weiterzuentwickeln und nicht
stehenzubleiben."
WineExperts - die WEIN & CO Diskussionsreihe rund um Wein - findet
4 x jährlich in den Eventräumlichkeiten des WEIN & CO Flagshipstores
in der Mariahilfer Straße statt. Weinexperten, Journalisten und
Wissenschaftler diskutieren dabei Weinthemen über rein fachliche
Grenzen hinweg - mit dem Ziel, eine breite Öffentlichkeit für das
Thema Wein in Österreich zu interessieren.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | TPK








