- 12.06.2013, 12:38:19
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ORF-JournalistInnen solidarisch mit griechischen KollegInnen
"Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist notwendige Infrastruktur für Demokratie"
Utl.: "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist notwendige Infrastruktur
für Demokratie" =
Wien (OTS) - Die Journalistinnen und Journalisten des ORF sind
bestürzt über die undemokratische Aktion der griechischen Regierung
und drücken den Kolleginnen und Kollegen bei ERT ihre Solidarität
aus.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und eine freie Presse sind die
Infrastruktur der Demokratie. Ohne funktionierenden Journalismus
fehlen der Bevölkerung die Grundlagen für ihre Wahlentscheidungen und
es fehlt die Kontrolle der Regierenden. Nach 75 Jahren hat eine
Regierungspartei in Griechenland die Schließung des
öffentlich-rechtlichen Senders ERT per Ministerialerlass angeordnet.
Ohne darüber eine öffentliche Debatte zu führen und die griechische
Bevölkerung einzubinden.
Das Beispiel Griechenland zeigt ganz deutlich, wie wichtig
wirtschaftliche und partei-politische Unabhängigkeit, sowie
Staatsferne für ein öffentlich-rechtliches Medium sind: "Zuerst
versuchen politische Parteien, ihre Vertrauensleute auf wichtigen
Positionen unterzubringen, um anschließend darüber zu lamentieren,
wie überbesetzt und teuer der Rundfunk ist. Und um ihn dann gänzlich
abzuschaffen - ohne darüber öffentlich diskutieren zu wollen",
kritisiert Dieter Bornemann, Vorsitzender des ORF-Redakteursrates.
Für alle, die seit gestern Abend in diversen Internetforen das
Ende des öffentlich-rechtlichen Senders in Griechenland beklatschen
und sich ähnliches für den ORF wünschen, ein kleiner Denkanstoß: Wer
will in einem Land leben, in dem einige wenige, reiche
Verlegerfamilien mit ihren Boulevard-Medien die Meinung im Land
bestimmen können? Und es nicht um unabhängigen Journalismus geht,
sondern in erster Linie um kommerzielle Interessen? Schließung oder
(Teil-)Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Senders führt nie zu
einer besseren demokratischen Verfasstheit eines Landes.
Privatisierung von öffentlich-rechtlichen Medien spielt kommerziellen
Interessen in die Hände und führt ganz sicher nicht zu einem besseren
Journalismus, der eine Kontrollfunktion gegenüber den Mächtigen eines
Landes haben muss. Denn Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt sind
die wesentlichen Grundpfeiler einer pluralistischen Gesellschaft.
Bei aller - auch berechtigten - Kritik am öffentlich-rechtlichen
System: Es sollte in jedem demokratischen Land klar sein, dass der
öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht Spielball der Politiker sein
darf, sondern ausschließlich für die Bürger da ist. In Griechenland,
in Österreich und allen anderen Ländern.
Darum schließen sich die ORF-Journalistinnen und Journalisten den
Protesten der EBU, des "Europäischen Journalistenverbandes" und
"Reporter ohne Grenzen" an und fordern die griechische Regierung auf,
ihre Entscheidung umgehend zurückzunehmen und unabhängigen,
öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuzulassen.
Der Redakteursrat des ORF:
Dieter Bornemann Peter Daser Eva Ziegler
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