- 12.06.2013, 10:02:40
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ÖAMTC-Unfallforschung: 43 Prozent aller Senioren-Unfälle geschehen an Kreuzungen
Verletzbarkeit und Komplexität als größte Risiken für Pkw-Lenker ab 65
Utl.: Verletzbarkeit und Komplexität als größte Risiken für
Pkw-Lenker ab 65 =
Wien (OTS) - Von 2007 bis 2011 verunglückten jedes Jahr
durchschnittlich rund 4.800 Personen ab 65 Jahren auf Österreichs
Straßen, Tendenz steigend (Quelle: Statistik Austria, Auswertung
ÖAMTC). Die ÖAMTC-Unfallforschung hat das Thema Unfallbeteiligung von
Senioren einer Analyse unterzogen: "Dabei zeigte sich, dass der
Anteil der unfallbeteiligten Pkw-Lenker aus der Altersgruppe 65+
nicht auffällig ist", erklärt ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte Markus
Schneider. Besonderheiten ergab die Detailanalyse: "Während ältere
Personen verglichen mit der Gesamtzahl an Pkw-Unfällen deutlich
seltener in Alleinunfälle verwickelt sind, treten Kreuzungsunfälle
wesentlich häufiger auf", fasst der ÖAMTC-Experte zusammen. Die
ÖAMTC-Unfallforschung hat drei Komponenten herausgearbeitet, die bei
einer Unfallbeteiligung von Senioren relevant sind und durch deren
Verbesserung die Verkehrssicherheit weiter gesteigert werden kann:
* Komplexität außerhalb des Fahrzeugs: Wie die ÖAMTC-Analyse zeigt,
treten Pkw-Unfälle mit älteren Lenkern überproportional häufig an
Kreuzungen auf (43 Prozent), wohingegen Senioren anteilig (8,4
Prozent) nur halb so oft Alleinunfälle verursachen, wie es bei der
Gesamtzahl an Pkw-Unfällen der Fall ist. "Die Entschärfung und
Vereinfachung von Kreuzungen wäre demnach eine Möglichkeit zur
Erhöhung der Verkehrssicherheit ", erläutert Schneider.
Die Verringerung der Komplexität im Straßenraum käme allen
Verkehrsteilnehmern zu Gute. "Der optischen Überforderung durch
'Schilderwald' und Werbung am Straßenrand setzt der ÖAMTC seit Jahren
Verkehrssicherheitsaktionen entgegen. Ebenso spielt die Qualität von
verkehrsrelevanten Informationen wie Größe, Helligkeit und Dauer der
Darbietung eine wichtige Rolle."
* Komplexität im Fahrzeuginneren: "Komplexe Bedienungselemente im
Fahrzeuginneren lenken ab, deshalb sollte deren Steuerung einfach
sein", sagt Schneider. Fahrassistenzsysteme tragen zur
Unfallvermeidung bzw. zur Minderung von Unfallfolgen bei. "Der Fokus
sollte jedoch auf (bei Fahrfehlern) aktiv eingreifenden Systemen -
also ESP, ABS und Notbremsassistenten - liegen", so der
ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte. "Der Lenker soll aktiv nichts tun
müssen, dann kann er seine Konzentration ganz dem Verkehrsgeschehen
zuwenden."
* Verletzbarkeit: Crashtests belegen, dass moderne, crashsicher
konstruierte Fahrzeuge die Verletzungsschwere mindern.
Sicherheitseinrichtungen, wie z.B. Gurtsysteme mit Strafferfunktion
oder Kraftbegrenzer, sind notwendig um hohe Belastungen bei einem
Aufprall zu reduzieren. Hier gibt es einen Haken, das macht die
ÖAMTC-Analyse deutlich: "Weil die Sicherheitseinrichtungen häufig nur
auf den Vordersitzen vorhanden sind, ist eine Fahrt auf der Rückbank
insbesondere für ältere Insassen und kleine/leichte Insassen
risikobehaftet", erklärt der ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte. Ältere
Verkehrsteilnehmer weisen naturgemäß eine erhöhte körperliche
Verletzbarkeit auf. Die Belastungsfähigkeit von Gewebe und Knochen
nimmt mit steigendem Alter ab, d.h. Unfälle wirken heftiger und
verursachen stärkere Beeinträchtigungen. Laut
Unfallforschungs-Datenbank des ÖAMTC weisen ältere Männer einen
höheren Anteil an Thorax- sowie Schädel-Hirn-Verletzungen auf, bei
älteren Frauen kommen noch Verletzungen an der Halswirbelsäule hinzu.
"Die Automobilindustrie muss bei der Herstellung ihrer Fahrzeuge
den demografischen Wandel mit bedenken, besonders in Bezug auf die
Geometrie und das Kraftniveau von Gurtsystemen sowie die Interaktion
von Gurt und Airbag", so der ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte und
schlägt vor: "Für eine bessere Abschätzung des Verletzungsrisikos von
Senioren ist auch deren physische Beschaffenheit und ihre geringere
Belastbarkeit zu berücksichtigen."
Die Mobilität älterer Menschen zu sichern, muss in einer alternden
Gesellschaft ein Anliegen sein. "Das ist nur möglich, wenn sich der
demografische Sprung auch in Verkehrsplanung und
Verkehrsmittelgestaltung wiederfindet", sagt der
ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte abschließend.
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