• 11.06.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Drei Optionen beim Datenschutz - von Stefan Mey

Die Überwachung tarnt sich mit bunten Lettern und reizvollen Werbebotschaften

Utl.: Die Überwachung tarnt sich mit bunten Lettern und reizvollen
Werbebotschaften =

Wien (OTS) - Die Enthüllungen der vergangenen Tage um den Datenschutz
erinnerten an George Orwells Roman "1984", die Dystopie eines
totalitären Überwachungsstaates. Allerdings unterscheidet sich die
Realität von der orwellschen Vision: Sie ist nicht düster und
bedrückend, sondern gaukelt in bunten Buchstaben und sympathischen
Marketingbotschaften eine "Neue Welt des Arbeitens" und ähnlich
verlockende Szenarien vor - tatsächlich haben US-Geheimdienste aber
in großem Stil Daten von Servern bedeutender US-Konzerne - der
"Cloud" - abgerufen, denen auch EU-Bürger ihre wertvollen Daten
anvertraut hatten.

Werden Einträge in Social Networks wie Facebook gescannt, dann ist
das für Unternehmen weniger dramatisch - wer Betriebsgeheimnisse hat,
der wird sie nicht Mark Zuckerberg anvertrauen. Doch was geschieht
mit jenen Unternehmen, deren Firmenhandys auf Googles Android, Apples
iOS oder Blackberry - auch Kanada gestand entsprechende
Spitzel-Aktionen - laufen? Oder mit jenen, die sich effizientere
Teamarbeit von Microsofts Office 365 erhofften, das oft auf Servern
des US-Konzerns läuft? Es ist derzeit selbst für Experten noch
schwierig, die Weitläufigkeit des Systems und die tatsächliche
Involvierung der erwähnten US-Konzerne abzuschätzen; zu unpräzise
sind dafür diverse Informationsquellen. Klar ist aber: Wer
Betriebsgeheimnisse hat, der sollte sich nun ernsthafte Gedanken
machen.

Österreichs Unternehmen haben in dieser Hinsicht mehrere Optionen.
Erstens können sie die Gefahrenlage ignorieren und weiterhin blind
den US-Anbietern vertrauen - mit den entsprechenden Vorteilen der
Effizienzmaximierung und dem Risiko des Datenverlusts. Zweitens
könnte der Schritt in die technologische Steinzeit gewagt werden,
indem Cloud Computing, IT-Outsourcing und ähnliche Trends ignoriert
werden; die Daten finden sich dann nur noch im eigenen Haus,
abgeschottet vom World Wide Web - das ist sicher,
aber ineffizient. Drittens: ein Kompromiss aus beiden Lösungen, bei
dem weniger heikle Daten in die Cloud wandern, das Wichtige aber im
eigenen Haus bleibt.

Für Österreichs Cloud-Anbieter geht nun die Sonne auf: Die "Yes, we
scan"-Attitüde der US-Regierung stärkt den Wunsch nach lokalen
Lösungen.

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