- 11.06.2013, 11:47:45
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Betreuungssituation der unter 3-Jährigen: Qualität muss vor Quantität gehen!
Wien (OTS) - Appell der Österreichischen Liga für Kinder- und
Jugendgesundheit: Qualität in der Kinderbetreuung muss oberste
Priorität haben! Qualitätssicherung zum Wohle der Kinder ist
Voraussetzung für den weiteren Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen.
Der Ruf nach mehr Betreuungsplätzen für unter 3-Jährige wird
sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene laut.
EU-Kommissarin Viviane Reding mahnt eindringlich den Ausbau der
Kinderbetreuung und die Einhaltung der Barcelona-Ziele ein. Auf der
heutigen Pressekonferenz macht sich "Frau in der Wirtschaft" (FiW),
die Unternehmerinnenvertretung in der Wirtschaftskammer Österreich,
für einen flächendeckenden, raschen Ausbau eines leistbaren und
qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsnetzes für unter3-Jährige
stark und hebt dabei auch die frühe Bildung der Kleinen als
Wirtschaftsfaktor hervor. Die Österreichische Liga für Kinder- und
Jugendgesundheit setzt sich in diesem Zusammenhang einmal mehr dafür
ein, vor allem die Qualität in der Kinderbetreuung zu heben. "Das
Kindeswohl steht für uns immer im Mittelpunkt. Daher fordern wir eine
Verbesserung der Ausbildung für eine höchst mögliche Qualifikation
des Betreuungspersonals. Außerdem braucht es für einen angemessenen
Umgang mit den kindlichen Bedürfnissen und für eine gute Begleitung
der kindlichen Entwicklung einen besseren Betreuungsschlüssel",
präzisiert Prim. Dr. Klaus Vavrik, Präsident der Österreichischen
Liga für Kinder- und Jugendgesundheit. "Bevor diese Qualität nicht
gesichert ist, kann es nicht sein, dass weitere
Kinderbetreuungsplätze geschaffen werden, nur um die Quote zu
erfüllen. Auf der Strecke bleiben dabei die Kinder!" warnt Vavrik.
Damit außerfamiliäre Betreuung, die aus unterschiedlichen Gründen,
nicht nur aus wirtschaftlichen, oftmals eine wichtige und notwendige
Ergänzung zur familiären Förderung ist, gelingt, braucht es
PädagogInnen, die entsprechend ausgebildet sind, die liebevoll
anleiten und feinfühlig führen können. "Kinder benötigen in
allererster Linie sichere Bindungen zu einfühlsamen Bezugspersonen in
einem anregenden Erziehungsumfeld -Bindung geht hier vor Bildung",
weiß Univ.Prof.DDr. Lieselotte Ahnert, Institut für
Entwicklungspsychologie und Psychologische Diagnostik an der
Universität Wien, aufgrund entsprechender Studien. Eine
professionelle Ausbildung des Betreuungspersonals wird deshalb als
dringend notwendig erachtet, damit die entwicklungsfördernden
Unterstützungsmaßnahmen auch greifen können. Hier sieht Ahnert in
Österreich einen großen Nachholbedarf.
Neben einer qualitätsvollen Ausbildung brauchen PädagogInnen vor
allem auch die notwendigen Rahmenbedingungen, die es ihnen erlauben,
sich jedem Kind mit ausreichend Zeit und Zuwendung zu widmen. "Gerade
in der Betreuung der unter 3-Jährigen sind die Faktoren Zeit und
Zuwendung besonders wichtig", so Vavrik. Diese beiden Faktoren kämen
in Anbetracht des aktuellen Betreuungsschlüssels - also dem
Verhältnis von PädagogIn zur Anzahl der betreuten Kinder - zu kurz,
ist Vavrik überzeugt.
Kleinere Gruppen und damit mehr Zeit für jedes einzelne Kind
wünschte sich auch Kindergartenpädagogin Karin R. und wechselte von
einem Kindergarten mit großen Gruppen in eine Institution mit einem
wesentlich besseren Betreuungsschlüssel. Ihr Resumée nach sechs
Jahren in diesem Setting: "Ich genieße täglich aufs Neue die Vorzüge
der kleinen Gruppe gegenüber der sonst meist üblichen Gruppengröße.
Die Vorteile sind nicht nur für mich als Pädagogin deutlich erlebbar,
sondern vor allem für die Kinder. Erst diese Gegebenheit eröffnet den
notwendigen Freiraum im Handeln, Möglichkeit der individuellen
Betreuung und Flexibilität im Einklang mit den unterschiedlichen
Bedürfnissen." An ihrer vorherigen Arbeitsstätte erlebte die
Pädagogin zu viele Regeln und Einschränkungen, verursacht durch die
überhöhte Anzahl von Kindern, die von nur einer Pädagogin betreut
wurden.
Die Forderung der Österreichischen Liga für Kinder- und
Jugendgesundheit lautet daher einmal mehr: Qualität in der Ausbildung
sichern, Betreuungsschlüssel senken! Unter diesen Qualitätskriterien
sollte dann auch der weitere Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen für
die unter 3-Jährigen gesehen werden.
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