- 06.06.2013, 20:46:35
- /
- OTS0299 OTW0299
Streitbereit, Kommentar zur Troika von Detlef Fechtner
Frankfurt (ots) - Regelmäßig wird vermutet, dass es Streit in der
Troika gibt. Diese Annahme ist gewiss nicht falsch. Denn dass
EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler
Währungsfonds regelmäßig aneinandergeraten, ergibt sich eigentlich
fast zwangsläufig aus ihren durchaus unterschiedlichen Aufgaben,
Perspektiven und Gewichtungen.
Ist der jüngste Zoff also nichts Besonderes, womöglich gar viel Lärm
um nichts? Nein. Denn dieses Mal zanken die Beteiligten nicht im
Hinterzimmer eines Athener Ministeriums, sondern keilen in aller
Öffentlichkeit miteinander. Disziplin und gegenseitige Loyalität
scheinen an ihre Grenzen gelangt - die Troika präsentiert sich nicht
mehr als das harmonische Treuebündnis, in dem jeder Partner eigene
Ansichten dem großen gemeinsamen Ganzen unterordnet. Da der akute
Druck der Märkte abgenommen hat und nicht mehr jede Ungereimtheit das
Szenario eines Auseinanderbrechens von Euroland auslöst, scheint
diese Treue für die Beteiligten nicht mehr zwingend zu sein.
Die Positionen von EU, EZB und IWF beim aktuellen Schlagabtausch
können nicht überraschen. Die EU-Kommission hat schon lange eine
Brille auf, die sich beim Blick auf Krisenländer und deren
Anstrengungen - immer wenn es mal wieder sein muss - rosarot färbt.
Das ist indes nachvollziehbar, schließlich geht es bei allen
Beschlüssen nicht allein um volkswirtschaftliche Vernunft, sondern
auch politische Akzeptanz. Es ist kein Zufall, dass in den
IWF-Berichten mehrfach eingeräumt wird, dass bestimmte Maßnahmen
sinnvoll gewesen wären, es aber keinen politischen Spielraum gab.
Es verwundert auch nicht, dass die EZB erst einmal bemüht ist, sich
aus dem Hickhack herauszuhalten. Sie hat ohnehin ein distanziertes
Verhältnis zu ihrer Troika-Rolle und dürfte die einzige der drei
Institutionen sein, die den Titel Rettungsmanager nicht gerne hört.
Bleibt der IWF: Die harschen Worte über den Umgang mit Griechenland
und die Betonung, dass sich der Fonds mit Einsätzen dieser Art und
dieses Volumens von seiner traditionellen Praxis entferne, drängen
zur Vermutung, dass die Spannungen im IWF über das Engagement in
Euroland wachsen. IWF-Chefin Christine Lagarde deutet seit längerem
an, dass Geduld und Bereitschaft sinken, in Euroland immer neue
Kompromisse einzugehen. Die werden aber auch künftig erforderlich
sein. Denn das ist die - gestern fast unbeachtete - Botschaft der
IWF-Berichte: Griechenland war ein besonders schwieriges
Euro-Krisenland, ist es und wird es absehbar bleiben.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EUN






