- 06.06.2013, 18:57:11
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Schnelles Ende eines langen Einsatzes", von Josef Achleitner
Ausgabe vom 7. Juni
Utl.: Ausgabe vom 7. Juni =
Linz (OTS) - Die Entscheidung über den Abzug der Österreicher war
abzusehen. Seit Wochen wurde die Pufferzone auf den Golan-Höhen immer
mehr zur Kampfzone im syrischen Bürgerkrieg. Rebellen auf der einen
und das Regime auf der anderen Seite konnten bei jeder Aktion, bei
jedem Zwischenfall im Umfeld der UNO-Mission mit weltweiter
Aufmerksamkeit rechnen. Die Rebellen haben mit Entführungen von
Blauhelmen ihre Macht demonstriert und sehen die Verunsicherung der
Israelis auf der anderen Seite der Grenze durchaus mit Freude. Die
Regierung Assad, deren Truppen mit der Rückeroberung des Grenzpostens
einen ersten Schritt zur erhofften und nicht unwahrscheinlichen Wende
im Bürgerkrieg gesetzt haben, will ebenfalls den Krieg an die Grenze
ziehen. Ein drohender Konflikt mit dem Feind Israel wirkt stärkend
nach innen.
Das Gebiet könnte also in den kommenden Monaten zu einem der
Schauplätze für Entscheidungskämpfe im Bürgerkrieg werden. Die
Blauhelme sind zwar militärisch geschützt. Gefährdungen sind, das ist
überhaupt die Natur solcher Einsätze, nicht auszuschließen. Bei den
Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen wurden gestern zwei
UNO-Soldaten durch Granatsplitter leicht verletzt. Es waren keine
Österreicher, doch das war Zufall. Österreichs Blauhelme und das
UNO-Kontingent insgesamt hätten keine Garantie mehr gehabt, Personal
und Material dorthin bewegen zu können, wo es nötig ist.
Damit steht die Mission als Ganzes in Frage. Österreichs Regierung
hat mit der Entscheidung für den Abzug gezögert und die Entwicklung
abgewartet. Nach den gestrigen Kämpfen war aber klar, dass das Risiko
in einer Weise steigen wird, die tödliche Zwischenfälle erwarten
lässt. Das ist zwar für Soldaten, die sich bei guter Bezahlung für
solche Einsätze melden, normal. Es sind aber für Regierungsparteien
in einem Wahljahr zu viele Unwägbarkeiten. Die Bundesregierung nimmt
dafür in Kauf, neben dem Lob im eigenen Land auch offenen oder
versteckten Tadel auf internationaler Ebene zu ernten. Denn nach 39
Jahren ausgerechnet dann abzuziehen, wenn der Ernstfall eintritt, ist
für Militärs nicht gerade imagefördernd. Doch Ähnliches haben
unlängst auch Kroatien und die Philippinen gemacht. Sie haben
Vorwürfe wie die des Waffenverkaufs ins Krisengebiet oder
Entführungen zum Anlass genommen, ihre Truppen heimzuholen.
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