145 Jahre WGKK (2): ein Überblick über die historischen Wurzeln

Selbstverwaltung untrennbar mit der WGKK-Geschichte verbunden

Wien (OTS) - Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) ist die älteste Gebietskrankenkasse Österreichs. Ihre Wurzeln reichen bis in das Jahr 1868 zurück, als die "Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse" gegründet wurde. Aus diesem Grund wurde am Dienstag in der WGKK-Zentrale das 145-jährige Jubiläum begangen.

Auslöser für die Entstehung der Krankenkasse war die Unzufriedenheit der Arbeiter mit der Absicherung nach Unfällen oder im Krankheitsfall. Denn bevor die Kasse gegründet wurde, waren die Arbeiter in den genannten Fällen meist auf sich allein gestellt. Da das Einkommen für medizinische Behandlung nicht reichte, blieb oft nichts anderes übrig, als zu betteln oder - bei Zuwanderern - in die Heimat zurückzukehren.

Auch als das erste arbeits- und sozialrechtliche Gesetz, die Gewerbeordnung von 1859, in Kraft trat, war die Versorgung nach Unfällen und während Krankheiten nur lückenhaft geregelt. Zudem beklagten die Arbeiter, dass die Unternehmer die in die sogenannten Fabrikskrankenkassen eingezahlten Beiträge unterschlagen haben.

Die Wende kam schließlich 1867, als Kaiser Franz Josef Grundrechte wie Vereins-, Versammlungs- und Redefreiheit gewährte und ein neues, liberales Vereinsgesetz eingeführt wurde. Einige Arbeiter aus Gumpendorf und Neubau gründeten den ersten Arbeiterbildungsverein. Dort sollten Interessierte Zugang zur Bildung erhalten. In dem Verein wurde aber auch die Forderung nach selbstverwalteten Krankenkassen aufgegriffen.

Selbstverwaltung wurde gesetzlich anerkannt

Im Frühjahr 1868 fanden sich einige Vereinsmitglieder zusammen, um die Statuten einer allgemeinen Arbeiterkrankenkasse zu entwerfen. Mit der so geschaffenen "Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse" wurde ein Institut ins Leben gerufen, das den Wünschen und Bedürfnissen der Arbeiter Rechnung trug. Der Versicherungsbeitrag kostete wöchentlich so viel wie eine durchschnittliche Mahlzeit in einem Wiener Gasthaus. Als Gegenleistung bekamen die Arbeiter eine Unterstützung, die im Krankheitsfall zum Überleben ausreichte. Für etwas mehr Geld bekam man auch freie ärztliche Versorgung und Medikamente. Vertrauen schaffte die neue Selbstverwaltung: Die Versicherten wählten ihre Funktionäre selbst. In den 1870er-Jahren wurde das Institut in "Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Unterstützungskasse" umbenannt, da die Invalidenabteilung nicht genügend Erfolg hatte.

Im Laufe der nächsten Jahre wurden unzählige Krankenkassen gegründet. 1888 verabschiedete man das Krankenversicherungsgesetz für Arbeiter - Vereinskassen und Selbstverwaltung wurden Teil des staatlichen Systems. Gegen Ende der 1920er-Jahre wurde beschlossen, die Kassen zu fusionieren. Im Zuge dieser Regelung schlossen sich die Wiener Bezirkskrankenkasse und die Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Unterstützungskasse 1927 zur selbstverwalteten Wiener Gebietskrankenkasse zusammen.

Zäsur im Austrofaschismus

1934 kam es zu einer Zäsur: Das austrofaschistische Regime unter Engelbert Dollfuß zerschlug die Selbstverwaltung. Es wurden Verwalter von der Regierung eingesetzt, die die Krankenkassen leiteten. Wenige Jahre später und nach dem Anschluss an Hitlerdeutschland wurde die WGKK zur "Allgemeinen Ortskrankenkasse Wien" umgestaltet. Die Verwaltung stand im Zeichen des autoritären "Führerprinzips". Das bewährte System der Selbstverwalteten Krankenkassen wurde erst 1947 wiederhergestellt.

Das Prinzip der Selbstverwaltung hat sich bis heute bewährt. Gemeinsam mit der Dezentralisierung in Form von neun Gebietskrankenkassen ist die soziale Krankenversicherung auch für die Zukunft gut aufgestellt.

Buch zum Thema "145 Jahre WGKK"

Zum Thema "145 Jahre WGKK" erscheint im Juni 2013 auch ein Buch mit dem Titel "Die Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse in Wien 1868 - 1880. Die Wurzeln der Wiener Gebietskrankenkasse:
Entstehung, Umfeld und Erfolge." Herausgegeben wird das Buch vom ÖGB-Verlag.

Im Folgenden die wichtigsten Daten auf einen Blick:

1868: Mitglieder des Wiener Arbeiterbildungsvereins gründen
die "Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse"

1869 - 1872: Schnelles Wachstum der Kasse

1873: Börsenkrach und Wirtschaftskrise

1874 - 1880: Konsolidierung der Wiener Arbeiterkasse, Fortsetzung des Erfolgskurses

1888: Krankenversicherungsgesetz, Vereinskassen und Selbstverwaltung werden Teil des staatlichen Systems

1927: Fusion der Bezirkskrankenkasse Wien mit der Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Unterstützungskasse zur Wiener Gebietskrankenkasse

1934: Zerschlagung der Selbstverwaltung während des Austrofaschismus

1938: Anschluss an Hitlerdeutschland, Verwaltung stand im Zeichen des "Führerprinzips"

1947: Wiederherstellung der Selbstverwaltung

1955: Allgemeines Sozialversicherungsgesetz

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