- 04.06.2013, 09:30:31
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Allianz Sicherheitsreport: Helm und niedrigere Promillegrenze für Rad- und E-Bike-Fahrer notwendig
Wien (OTS) - Der Straßenverkehr ist weltweit Todesursache Nummer 8 -
bis 2030 wird dieser auf Platz 5 vorrücken. Besonders betroffen:
Fußgänger und Radfahrer, die gemeinsam 41 Prozent aller getöteten
Verkehrsteilnehmer stellen. Während für Radfahrer Kreuzungen, Radwege
und falsche Straßenbenutzung die größten Unfallrisiken darstellen,
sind für Fußgänger das Queren der Straße in den Längsverkehr und der
Schutzweg mit am gefährlichsten, wie ein aktueller Allianz Report
ermittelte. Für die Zukunft fordert die Allianz ein stärkeres
Bewusstsein für das Tragen von Helmen sowie eine Senkung der
Promillegrenze für Rad- und E-Bike-Fahrer.
"Ein deutlicher Rückgang der im Straßenverkehr verletzten oder
getöteten Personen wird ohne ein besonderes Augenmerk auf die
Fußgänger und Fahrradfahrer nicht zu erreichen sein", erklärte Kurt
Benesch, Geschäftsführer des Allianz Kundenservice, am Dienstag vor
Journalisten.
Jeden dritten Tag stirbt in Österreich ein Fußgänger oder
Radfahrer
Im Report des Allianz Zentrum für Technik (AZT) wurden
ausschließlich nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer einer Analyse
unterzogen. Dabei zeigte sich: Ein Viertel aller im heimischen
Straßenverkehr Getöteten war zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.
Im Durchschnitt stirbt somit jeden dritten Tag in Österreich ein
Fußgänger oder Radfahrer im Straßenverkehr, jede Stunde verletzt sich
einer dieser "ungeschützten Verkehrsteilnehmer". Die Dunkelziffer bei
Verletzten liegt jedoch deutlich höher, ein Großteil der
Verunglückten taucht in den Straßenverkehrsunfallstatistiken nicht
auf. Besonders gefährdet sind ältere Menschen: In Österreich sind 51
Prozent aller getöteten Fußgänger und 69 Prozent aller getöteten
Radfahrer Senioren ab 60 Jahren.
Radfahrer: Kreuzungen und Radwege am gefährlichsten
Wirft man einen Blick auf das Unfallgeschehen mit Radfahrern im
Nachbarland Deutschland, so sind an drei von vier Kollisionen
Autofahrer schuld. Der häufigste Fehler bei Fahrradfahrern ist die
falsche Straßenbenutzung, z.B. das Fahren gegen die Fahrtrichtung in
Einbahnstraßen oder die Benutzung des Radweges gegen die
Verkehrsrichtung. Fahrradfahrer verunglücken überwiegend bei
Tageslicht und innerorts, jedoch ist die Verletzungsschwere bei
Unfällen außerorts oft höher. "Dazu kommt, dass Kopfverletzungen bei
Fahrradfahrern bei Kollisionen mit Pkws viel häufiger durch Aufprall
auf den Boden entstehen als durch den Anprall ans Fahrzeug", erklärt
Dr. Jörg Kubitzki, Unfallforscher des Allianz Zentrum für Technik.
EU-weit geschehen fast 40 Prozent aller Unfälle mit Radfahrern im
Kreuzungs- und Einmündungsbereich einer Straße. Auch in Österreich
sind ca. 40 Prozent aller Radverkehrsunfälle auf die Kollision an
Kreuzungen zurückzuführen. Übrigens: Die scheinbar sicheren Radwege
gelten als zweit-gefährlichster Unfallort nach Kreuzungen.
Ob Rad oder E-Bike: 40 Prozent der schweren Verletzungen am
Kopf
Mit dem technologischen Wandel in Sachen Mobilität rückt auch das
E-Bike ins Visier der Sicherheitsforscher: Der Allianz Report zeigt,
dass besonders die Älteren zu den häufigsten Nutzern von
Elektrorädern gehören - ein Drittel der E-Bike-Fahrer ist über
siebzig Jahre alt. Elektrisch motorisierte Fahrräder erreichen ein
höheres Geschwindigkeitsniveau als herkömmliche Fahrräder, was ein
besonderes Gefahrenpotenzial mit sich bringt. "Bei einem Fahrrad-
oder E-Bike-Unfall ist der einzige Schutz für den Kopf ein adäquater
Helm. Die Wahrscheinlichkeit eine Gehirnverletzung zu erleiden, liegt
ohne Helm mehr als doppelt so hoch wie mit Helm", erklärt Kubitzki.
Etwa 20 Prozent der in einer Pkw-Kollision Verunfallten tragen
Kopfverletzungen davon. Aus der Entwicklung der Helmtragequoten gehe
hervor, dass sich bereits im kindlich-jugendlichen Alter entscheidet,
ob ein Helm grundsätzlich akzeptiert wird oder nicht. Oft schützen
Eltern ihre Kinder mit einem Helm - und lehnen zugleich für sich
selbst den Helm ab: "Eltern sind diesbezüglich oftmals schlechte
Vorbilder für ihre Kinder", so Kubitzki. Allerdings gibt es auch eine
umgekehrte Wirkung: Sind Kinder und Jugendliche von der Notwendigkeit
des Helmtragens überzeugt, beeinflusst dies auch sehr positiv das
Trageverhalten der Eltern und sonstiger Erwachsener in ihrer
Umgebung.
29 Prozent aller Fußgänger-Unfälle passieren auf dem Schutzweg
Fußgänger verunglücken vor allem im Stadtverkehr bei Tag und nur
zu einem Drittel bei Dämmerung und Dunkelheit. In Österreich ist der
Anteil der Fußgängerunfälle auf Schutzwegen mit bis zu 29 Prozent
seit Jahren konstant auf sehr hohem Niveau. Der Allianz Report zeigt,
dass Fußgängerunfälle nur zum geringeren Teil vom Fußgänger selbst
verursacht werden. Hauptverursacher ist meist ein Fahrzeugführer. Im
Vergleich der Altersklassen sind Kinder am ehesten, Senioren am
wenigsten die Hauptverursacher. Unachtsames Straßequeren gilt als
Hauptfehlverhaltensweise, zweithäufigster Fehler der Fußgänger ist
plötzliches Hervortreten hinter Sichthindernissen. Alkoholisierung
bei Fußgängern spielt insbesondere in Osteuropa eine Rolle und liegt
dabei zum Teil höher als bei Autofahrern, wie die Zahlen für Ungarn
(64 Prozent) und Polen (39 Prozent) zeigen.
Prävention: Allianz fordert niedrigere Promillegrenze für
Radfahrer
Auch wenn es technisch noch nicht möglich ist, alle potentiellen
Fußgänger-Pkw-Kollisions-Szenarien mit einer Pkw-seitigen Messtechnik
zu erfassen, so gibt es doch schon heute besonders häufige
Fußgängerbewegungen, die mit einer Sensorik am Fahrzeug gut erkennbar
sind. Hierbei handelt es sich um das "klassische" Queren der
Fahrbahnen in den Längsverkehr hinein. Die Allianz begrüßt daher die
Entwicklung und Implementierung von Fußgängererkennungs- und
Notbremssystemen in Kraftfahrzeugen.
Neben den individuellen Verhaltensweisen, die durch Aufklärung und
Bewusstseinsbildung verändert werden können, seien jedoch weitere
Maßnahmen notwendig. Die Ergebnisse des Reports zeigen, dass
begleitende pädagogische Aufklärung und Kontrollen nötig sind, um das
Verhalten zu beeinflussen. Die Rolle des Helmes sei aus Sicht der
Schadenprävention von besonderer Bedeutung, wie Benesch ausführt:
"Wir fordern ein stärkeres Sicherheitsbewusstsein bei Fahrrad- und
E-Bike-Fahrern. Der einzige Schutz für den Kopf ist ein Helm. Was auf
der Skipiste mittlerweile selbstverständlich ist, sollte auch auf
Österreichs Straßen gelten", so Benesch. Auch die Promillegrenze für
Radfahrer müsse gesenkt werden: In Österreich liegt die
Fahruntüchtigkeitsgrenze für Radfahrer bei 0,8 Promille und bei
Autofahrern bei 0,5 Promille. "Aus Sicht der Verkehrspsychologie ist
aber eindeutig: Die Beeinträchtigungen für Reaktionsweise,
Wahrnehmung und Koordination sind für Auto- wie für Radfahrer
gleich", so Kubitzki abschließend.
Downloads im Internet unter
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- Foto: Kurt Benesch ((C) Allianz) - Abdruck honorarfrei
- Foto: Dr. Jörg Kubitzki ((C) Allianz) - Abdruck honorarfrei
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