Österreichisches Know-how im Bereich nachhaltige Waldbewirtschaftung in Surinam gefragt

Waldinventuren zum Schutz der grünen Lunge

Wien (OTS) - Österreich gilt als Vorreiter der nachhaltigen, multifunktionalen Waldbewirtschaftung. Im Rahmen einer Kooperation mit Surinam wird österreichisches Know-how in den Bereichen nachhaltige Waldwirtschaft und Bioenergie im Zusammenhang mit Klimaschutz zur Verfügung gestellt. Um die Waldinventur in Surinam zu unterstützen, machen Österreichische Studenten mehrwöchige Dschungelcampaufenthalte. Sie helfen damit, den Regenwald Südamerikas zu schützen.

Der tropische Regenwald umspannt als immergrüner Gürtel die Erde rund um den Äquator. In Amazonien, im Kongobecken und in Südostasien wachsen die größten zusammenhängenden Tropenwaldgebiete der Erde. Intensives Sonnenlicht, hohe Temperaturen und mindestens zweitausend Liter Regen pro Quadratmeter im Jahr erschaffen dort den größten Artenreichtum der Welt.

Der Klimawandel und die unkontrollierte Abholzung setzen diesen grünen Lungen unserer Erde massiv zu. Wir verlieren jährlich eine riesige Fläche dieses wertvollen Waldes an die Soja- und Palmölproduktion, an die Goldgewinnung und den Straßenbau. Darüber hinaus werden dadurch riesige Mengen an CO2 frei: Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass knapp 15% der globalen CO2-Emissionen durch diese Waldzerstörung verursacht werden.
In der internationalen Klimaschutzdebatte wurde deshalb ein eigenes Programm zum Schutz der Wälder mit dem Namen REDD-plus (reducing emissions from deforestation and forest degradation) aus der Taufe gehoben. Eine erste Maßnahme im Zuge dieses Programmes ist die Durchführung von nationalen Waldinventuren und wurde in der letzten Klimaschutzkonferenz in Doha beschlossen.
"Nur was man kennt, kann man auch schützen", so Markus Sommerauer, Geschäftsführer von ANRICA. "Waldinventuren werden benötigt um Aufzeichnungen über den Waldzustand und seinen Aufbau zu führen. Diese Informationen werden dann in weiterer Folge u.a. für die Berechnung der Kohlenstoffvorräte des Waldes verwendet. Im Zuge der internationalen Klimaschutzbemühungen müssen alle Länder solche Aufzeichnungen führen (IPCC - Reporting)."

Innovatives Waldinventursystem aus Österreich

Beauftragt und unterstützt durch das Lebensministerium hat ANRICA ein solches Waldinventurprogramm in Surinam gestartet. ANRICA wird mit dem Know-How österreichischer Spitzeninstitute wie dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) und Joanneum Research ein völlig neuartiges und hochmodernes Waldinventursystem mit und für die Regierung Surinams installieren. In dem notwendigen Pilotprojekt, welches im Sommer 2012 gestartet wurde, sind bereits mehr als 20.000 Luftbilder erstellt worden, fanden schon zwei Workshops in Surinam statt und es wurden vier Experten aus Surinam in Österreich geschult.

Wald messen im "Dschungelcamp"

Ein wesentlicher Teil dieses Pilotprojektes ist allerdings auch die Vermessung des Regenwaldes vor Ort. Um auch hierbei die Regierung Surinams zu unterstützen, konnte ANRICA zwei Sponsoren zur Finanzierung von Studenten-Einsätzen im Regenwald Surinams gewinnen. Die Raiffeisen Klimaschutz-Initiative und die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland finanzierten den dreimonatigen Einsatz von vier BOKU-Studenten im "Dschungelcamp".

Dazu betont Dr. Franz Fischler, Vorsitzender der Raiffeisen Klimaschutz-Initiative: "Wir sehen es in unserer Verantwortung einen Beitrag zu leisten, das Klima vor allem durch Reduzierung der CO2-Emissionen sowie Verbesserung der Energieeffizienz nachhaltig zu schützen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns auch entschieden, die Waldinventur in Surinam zu unterstützen.
"Aus Sicht der Raiffeisen Klimaschutz-Initiative war für die Zusammenarbeit auch das große Engagement der Studenten maßgeblich. Im Sinne einer Bewusstseinsbildung wird gerade die Motivation junger Leute für eigenverantwortliches Engagement im Klimaschutz, aber auch im Rahmen ihrer Ausbildung für besonders wichtig und zukunftsträchtig erachtet. Wenn Unternehmen und Organisationen ihre Aktivitäten und Unterstützung bündeln, dann kann ein noch bedeutender positiver Beitrag gegen den Klimawandel entstehen" erklärt Dr. Franz Fischler.

Österreich ist ein Weltmeister in der Waldbewirtschaftung: Seit Jahren schon gehören wir zu den Vorreitern, wenn es um nachhaltige Waldbewirtschaftung geht. Weltweit nimmt die Waldfläche ab, vor allem durch großflächige Rodungen von Tropenwäldern. In Mitteleuropa hingegen - und hier besonders im Alpenraum - breitet sich der Wald stetig aus. Das belegt die aktuelle Waldinventur.
"Mit der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens soll Österreichs Verantwortung im Klimaschutz durch Technologie- und Wissenstransfer mittels österreichischer Unternehmen zusätzlich international wahrgenommen werden", erläutert SC Gerhard Mannsberger die Beweggründe für die Initiative.
Mit Unterstützung der IFSA BOKU (International Forestry Students Assocication) wurden die Studenten an der BOKU gesucht und auch gefunden. "Während der Studienzeit Auslands- als auch Praxiserfahrung zu sammeln war für mich immer wichtig. Die Teilnahme an dem Waldinventurpilotprojekt hat mir darüber hinaus die Möglichkeit eröffnet, verschiedene tropische Regenwaldsysteme selbst zu erleben, als auch die Herausforderung geboten, erlerntes technisches Grundwissen unter erschwerten Bedingungen anzuwenden. Die Arbeit im Team war ebenfalls eine wertvolle Erfahrung. Die Vielfalt als auch die standörtlichen Varietäten der tropischen Fauna bei den Feldaufnahmen hautnah erkunden zu können war unglaublich beeindruckend" erläutert Martin Schlaffer.

Im Guiana-Shield nördlich des Amazonas gelegen und zu annähernd 90% von tropischem Regenwald bedeckt, ist Surinam eines der ganz wenigen Länder dieser Welt, welches fast keine Entwaldungsrate aufweist. Deshalb sind die knapp 16 Millionen ha Wald dieses Landes (Österreich hat knapp 4 Millionen ha Wald) weitestgehend unerschlossen was wiederum eine Waldinventur vor große Herausforderungen stellt. So mussten unsere BOKU Studenten abenteuerliche Anreisen zu den Aufnahmepunkten auf sich nehmen, lebten dann bis zu 12 Tage en-bloc im Camp (Koch, Vogelspinnen und verärgerte Affenfamilien inklusive), um alle vorkommenden Bäume und Pflanzen aufzunehmen.
"Die Planung einer Waldinventur muss sich immer eng an den Gegebenheiten in einem Land ausrichten. Ausgehend von den Informationsbedürfnissen über die technischen Möglichkeiten vor Ort, der Personalausstattung und deren Entwicklungsmöglichkeit haben wir einen detaillierten Plan über das statistische Design, Durchführung, Auswertung und Präsentation der Daten erarbeitet. Dahinter muss immer ein Dialog zwischen den verschiedensten Interessensgruppen stehen", erklärt DI Dr. Klemens Schadauer vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) das wissenschaftliche Setting der Waldinventur.

Initiatoren und Partner:

ANRICA
Österreich hat im vergangenen Jahrzehnt auf Initiative des Lebensministeriums in einer einzigartigen Aktion einen breiten gesellschaftlichen Dialogprozess zur Erarbeitung eines Österreichischen Waldprogramms gestartet.
Ein wesentliches Ergebnis dieses Prozesses ist die Aufforderung zur Übernahme einer internationalen Verantwortung Österreichs für den Schutz des Waldes durch eine nachhaltige und multifunktionelle Waldbewirtschaftung.
Dieser Aufforderung ist man mit der Gründung des Vereins ANRICA (Österreichische Agentur für Waldbewirtschaftung, Waldentwicklung und internationale Kooperation) im Jahre 2009 nachgekommen. ANRICA hat die Aufgabe, die Expertise österreichischer Institutionen und Unternehmen im Bereich ländlicher Entwicklung und nachhaltiger Waldbewirtschaftung in den Dienst der globalen Staatengemeinschaft zu stellen.
Website: http://www.anrica.org

Raiffeisen Klimaschutz-Initiative (RKI)
Die RKI, die bereits 2007 von der Raiffeisen-Gruppe ins Leben gerufen wurde, versteht sich als Plattform sowie Service- und Vertretungseinrichtung für sämtliche Aktivitäten ihrer aktuell 25 Mitgliedsorganisationen in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien, Ressourceneffizienz und unternehmerische Verantwortung. Darüber hinaus berät die RKI ihre Mitglieder bei der Konzeption, Umsetzung und Kommunikation von Maßnahmen zu diesen Themen.
Ziele der RKI sind, durch geeignete Aktivitäten einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, Voraussetzungen zu schaffen, damit die Mitglieder mögliche Synergien im Bereich Klimaschutz optimal nutzen können sowie das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz zu fördern.
Website: http://www.raiffeisen-klimaschutz.at

Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland
Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und das Burgenland ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts und die gesetzliche Berufsvertretung der staatlich befugten und beeideten Ziviltechniker/innen (Architekt/innen und Ingenieurkonsulent/innen mit rund sechzig Befugnissen auf ingenieur- und naturwissenschaftlichen, montanistischen Fachgebieten und Fachgebieten der Bodenkultur. Website: http://wien.arching.at/

Bundesforschungszentrum für Wald (BFW)
Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) widmet sich allen Aspekten des Lebensraums Wald - in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht. Mithilfe wissenschaftlich fundierter Methoden werden etwa die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes sowie die durch den Klimawandel verschärften Naturgefahren analysiert. Wir forschen, damit wir den Wald nutzen, schützen und gleichzeitig die biologische Vielfalt des Waldes erhalten können. Darüber hinaus widmen wir uns dem Holz als nachwachsender Energielieferant. Unser Wissen geben wir an die Gesellschaft weiter. Das BFW unterstützt EntscheidungsträgerInnen, WaldbewirtschafterInnen und ForstberaterInnen mit Fachexpertisen. In den beiden Forstlichen Ausbildungsstätten des BFW werden zudem praxisnahe Ausbildungsmodule angeboten. Kontrollaufgaben für die Republik Österreich werden, basierend auf dem BFW-Fachwissen, von uns als Bundesamt für Wald durchgeführt.
Website: http://bfw.ac.at

Joanneum Research
Die JOANNEUM RESEARCH ist eine unternehmerisch orientierte Innovations- und Technologieanbieterin, die seit mehr als dreißig Jahren Spitzenforschung auf internationalem Niveau betreibt. Mit dem Fokus auf angewandte Forschung und Technologieentwicklung nimmt sie eine Schlüsselfunktion im Technologie- und Wissenstransfer in der Steiermark ein.
Prof. Dr. Mathias Schardt (Leiter der Forschungsgruppe Fernerkundung und Geoinformation an der Forschungsgesellschaft Joanneum Research mbH): "Die Forschungsgruppe Fernerkundung und Geoinformation bietet eine weitreichende Palette von Erfahrungen in der Auswertung und Visualisierung von Fernerkundungsdaten sowohl von flugzeug- und satellitengetragenen Sensorsystemen an. Die Forschungsaktivitäten konzentrieren sich unter anderem auf die Entwicklung von Methoden zur Ableitung von Waldparametern auf verschiedenen Maßstabsebenen. Ein innovativer Fokus stellt dabei die automatisierte Ableitung von 3D - Merkmalen aus Stereobildern und Laserscannerdaten dar. Zu diesem Zweck hat die Forschungsgruppe eine flugzeuggetragene Fernerkundungsplattform entwickelt, die für Waldinventuren im Rahmen von ANRICA zum Einsatz kommt."
Website: http://www.joanneum.at/digital/fer.html

IFSA
Die IFSA (International Forestry Students Association) ist ein globales Netzwerk von ForststudentInnen, in dem mehr als 3000 Mitglieder aus 54 Ländern vertreten sind. Wir agieren als NGO und sind aufgeteilt in 73 Lokalkomitees. Als IFSA LC BOKU sind wir seit 2011 an der Universität für Bodenkultur aktiv. Unser Ziel ist die internationale Vernetzung von ForststudentInnen jeder Ausbildungsstufe, um die Bewusstseinsbildung über die Wälder der Erde und deren nachhaltige Bewirtschaftung zu fördern und den ForststudentInnen internationale Praktikumsstellen sowie die Teilnahme an internationalen Meetings und Konferenzen zu ermöglichen. Website: http://ifsalcboku.wordpress.com/about-lc-boku/

Rückfragen & Kontakt:

Lebensministerium, Pressestelle
Tel.: (+43-1) 71100 DW 6703, 6963

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