IV zu Arbeitsmarkt: Hohe Lohnnebenkosten und schleppende Pensionsreformen belasten den Industriestandort Österreich

IV-GS Neumayer: Europaweit schwierige Arbeitsmarktlage - Höchster Anstieg der Arbeitskosten im Eurozonenvergleich seit 2008

Wien (OTS/PdI) - Innerhalb der EU liegt Österreich mit einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent nach Eurostat nach wie vor auf Platz eins als Land mit der geringsten Arbeitslosigkeit. "Dass Österreich eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenzahl aufweist, ist erfreulich, aber gewiss kein Grund zum Feiern", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, zu den heute, Montag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten. Zwar gebe es auch in diesem Monat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein kleines Plus von 0,8 Prozent bei den unselbständig aktiv Beschäftigen - bei den Älteren sogar um + 5,2 Prozent - doch könne dies nicht über die schwierige europäische Gesamtsituation auf dem Arbeitsmarkt hinwegtäuschen.

"Gerade auch im Hinblick auf eine jüngst von Eurostat veröffentlichte Studie zu den steigenden Arbeitskosten ist klar, dass Österreich dringend Handlungsbedarf hat", so Neumayer. Während die Arbeitskosten in der EU von 2008 bis 2012 lediglich um durchschnittlich 8,6 Prozent, im Euroraum um 8,7 Prozent angestiegen sind, verzeichnete Österreich mit 15,5 Prozent einen deutlich überdurchschnittlichen Anstieg. "Grund dafür sind vor allem auch die hohen Lohnnebenkosten", so Neumayer. In absoluten Zahlen betrachtet liegen die Arbeitskosten pro Stunde in Österreich derzeit bei 30,5 Euro. Der EU-Schnitt bewegt sich bei 23,4 Euro (Euroraum 28 Euro). "Wollen wir längerfristig wettbewerbsfähig bleiben und Arbeitsplätze in Österreich erhalten und neue schaffen, ist eine rasche Entlastung des Faktors Arbeit daher dringend notwendig. Wir müssen die bestehenden finanziellen Spielräume für eine Senkung der Lohnnebenkosten nützen. Insbesondere beim Unfallversicherungsbeitrag und beim Insolvenz-Entgelt-Fonds ist eine Senkung dringend erforderlich", so der eindringliche Appel des IV-Generalsekretärs.

Auch im Pensionsbereich seien weitere Reformen notwendig. Die kürzlich von der EU-Kommission herausgegebenen Empfehlungen zum nationalen Reformprogramm 2013 zeigen akuten Reformbedarf. Laut Kommission ist die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen durch die steigenden Ausgaben im Pensionssystem gefährdet. "Wir brauchen unbedingt eine Eindämmung der Frühpensionierungsmöglichkeiten und die Koppelung des gesetzlichen Pensionsalters an die gestiegene Lebenserwartung", forderte Neumayer. Betrachte man etwa die Dauer des Pensionsbezuges der Frauen, liege Österreich im OECD-Vergleich an der Spitze. Die Österreicherinnen und Österreicher beziehen 27,6 Jahre Pension, der OECD-Schnitt liege jedoch bei 22,7 Jahren. Diese Differenz sei vor allem durch das niedrige gesetzliche Frauenpensionsantrittsalter bedingt. "Vor diesem Hintergrund ist eine frühere Angleichung des Frauenpensionsantrittsalters die einzig logische Konsequenz ", stellte der Generalsekretär fest. Neben Reformen im Pensionsbereich fordert die Kommission zudem weitere Maßnahmen, um die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt zu verbessern. "Die Betriebe spüren den Fachkräftemangel deutlich. Wir können es uns daher nicht leisten, auf verfügbare Arbeitskräfte zu verzichten. Neben den genannten Maßnahmen im Pensionsbereich muss daher auch insbesondere das Kinderbetreuungsangebot weiter verbessert werden. Auch eine kontinuierliche Verbesserung der Anerkennungsverfahren von im Ausland erworbenen Kompetenzen ist dringend notwendig. Nur wenn wir rasch handeln, können wir den Arbeits- und Industriestandort Österreich langfristig sichern", betonte Neumayer.

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