• 03.06.2013, 09:45:20
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Manchmal ist weniger mehr - von Hans-Jörg Bruckberger

Werksschließungen sind bitter, mitunter aber einfach notwendig

Utl.: Werksschließungen sind bitter, mitunter aber einfach notwendig =

Wien (OTS) - Als wir zuletzt eine vergleichbar starke Erholung sahen,
hat ,Der Pate den Oscar gewonnen und Richard Nixon war Präsident."
Der Autor eines Branchenreports des Interessenverbandes Auto Alliance
bringt es pointiert auf den Punkt: Die Autoindustrie erlebt in den
USA eine historische Erholung und straft alle Skeptiker der
staatlichen Rettung von GM und Co. Lügen.

Dass es den Konzernen wieder gut geht, liegt nicht nur an den
erhaltenen Milliarden von Vater Staat (die fleißig zurückgezahlt
werden). Sehr wohl haben die US-Riesen auch harte Einschnitte
vorgenommen, in den Krisenjahren rund um 2009 Werke geschlossen und
Jobs abgebaut - hart im Einzelfall, aber gut für das große Ganze,
denn nur so konnte die US-Autoindustrie überleben. Und heute steht
sie sogar besser da als in den Jahren vor der Krise. Damals nämlich
wurden Fabriken mit aller Gewalt am Leben erhalten, nur um sich
aufwendige Sozialpläne (und Kosten) zu ersparen. Überkapazitäten
führen aber zu Rabattschlachten und unprofitablen Geschäften. 2006,
als der Konjunkturmotor noch brummte, fuhren die Großen Drei aus
Detroit pro verkauftem Fahrzeug im Schnitt 1400 US-$ operativen
Verlust ein, heute verdienen sie mit 2244 $ sogar mehr als die
japanische Konkurrenz. Dabei produzieren sie gemeinsam um 3,9
Millionen (oder 29 Prozent) weniger Autos. Damit weisen die
Amerikaner Europa den Weg. Denn heute gibt es in Europa
Überkapazitäten und hohe Rabatte - Experten legen Werksschließungen
nahe (siehe Seiten 2 bis 3).

Die sind aber schwer umzusetzen: Man erinnere sich nur an den
jahrelangen Streit um das Bochumer Opel-Werk. Oder - um eine andere
Branche, die ebenfalls unter Überkapazitäten leidet, anzuführen - das
Theater um die von ArcelorMittal angestrebte Schließung eines
Stahlwerks im Nordosten Frankreichs. Mit Jobabbau gewinnt man keine
Wahlen, also wird subventioniert. Ein künstliches Am-Leben-Halten
unrentabler Standorte ist freilich keine nachhaltige Lösung, trägt
insgesamt sogar zur Verschlimmerung der Situation bei. Politiker wie
Konzerne wären besser beraten, im Einzelfall die Notbremse zu ziehen
und dafür umso mehr Geld dort zu investieren, wo es sinnvoll ist: in
die nachhaltige Restrukturierung, Innovation und Ausbildung. Nur so
bleibt Europas Industrie wettbewerbsfähig.

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