WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Manchmal ist weniger mehr - von Hans-Jörg Bruckberger

Werksschließungen sind bitter, mitunter aber einfach notwendig

Wien (OTS) - Als wir zuletzt eine vergleichbar starke Erholung sahen, hat ,Der Pate den Oscar gewonnen und Richard Nixon war Präsident." Der Autor eines Branchenreports des Interessenverbandes Auto Alliance bringt es pointiert auf den Punkt: Die Autoindustrie erlebt in den USA eine historische Erholung und straft alle Skeptiker der staatlichen Rettung von GM und Co. Lügen.

Dass es den Konzernen wieder gut geht, liegt nicht nur an den erhaltenen Milliarden von Vater Staat (die fleißig zurückgezahlt werden). Sehr wohl haben die US-Riesen auch harte Einschnitte vorgenommen, in den Krisenjahren rund um 2009 Werke geschlossen und Jobs abgebaut - hart im Einzelfall, aber gut für das große Ganze, denn nur so konnte die US-Autoindustrie überleben. Und heute steht sie sogar besser da als in den Jahren vor der Krise. Damals nämlich wurden Fabriken mit aller Gewalt am Leben erhalten, nur um sich aufwendige Sozialpläne (und Kosten) zu ersparen. Überkapazitäten führen aber zu Rabattschlachten und unprofitablen Geschäften. 2006, als der Konjunkturmotor noch brummte, fuhren die Großen Drei aus Detroit pro verkauftem Fahrzeug im Schnitt 1400 US-$ operativen Verlust ein, heute verdienen sie mit 2244 $ sogar mehr als die japanische Konkurrenz. Dabei produzieren sie gemeinsam um 3,9 Millionen (oder 29 Prozent) weniger Autos. Damit weisen die Amerikaner Europa den Weg. Denn heute gibt es in Europa Überkapazitäten und hohe Rabatte - Experten legen Werksschließungen nahe (siehe Seiten 2 bis 3).

Die sind aber schwer umzusetzen: Man erinnere sich nur an den jahrelangen Streit um das Bochumer Opel-Werk. Oder - um eine andere Branche, die ebenfalls unter Überkapazitäten leidet, anzuführen - das Theater um die von ArcelorMittal angestrebte Schließung eines Stahlwerks im Nordosten Frankreichs. Mit Jobabbau gewinnt man keine Wahlen, also wird subventioniert. Ein künstliches Am-Leben-Halten unrentabler Standorte ist freilich keine nachhaltige Lösung, trägt insgesamt sogar zur Verschlimmerung der Situation bei. Politiker wie Konzerne wären besser beraten, im Einzelfall die Notbremse zu ziehen und dafür umso mehr Geld dort zu investieren, wo es sinnvoll ist: in die nachhaltige Restrukturierung, Innovation und Ausbildung. Nur so bleibt Europas Industrie wettbewerbsfähig.

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