"Wer stehen bleibt, fällt zurück!"

Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, Dr. Hannes Androsch, stellt dringenden Handlungsbedarf fest und mahnt Reformen ein

Wien (OTS) - "Wer nicht den Mut hat, auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren, und jedes Risiko einer Veränderung scheut, darf sich nicht wundern, wenn er im günstigsten Fall im Mittelfeld steckenbleibt, im schlimmeren, aber wahrscheinlicheren Fall sogar gegenüber seinen Mitbewerbern zurückfällt!" So fasste Hannes Androsch, Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, die Kernaussagen des diesjährigen Berichts "zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs" zusammen.

Zunächst hatte die Österreichische Bundesregierung einen nachvollziehbaren und guten strategischen Fahrplan bis zum Jahr 2020 beschlossen. Nun wollen die Regierungsparteien das Bekenntnis zu Grundlagen- und angewandter Forschung in der Verfassung verankern. Diese Absicht steht allerdings nicht in Einklang mit der realen Situation. Der im Dezember 2008 geplante Finanzierungspfad wurde verlassen und die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit Österreichs hat sich seit dem Krisenjahr 2009 kaum verändert. Der Vergleich unterschiedlichster Länderrankings zeigt, dass die österreichische Entwicklung in den einzelnen die Wettbewerbsfähigkeit treibenden Politikbereichen, wie etwa Bildung oder Verwaltungsreform, seit einigen Jahren stagniert.

Die Folge ist, dass Österreich nach seinem Aufholprozess im ersten Milleniumsjahrzehnt nun in der Gruppe der Innovation Followers verharrt und immer noch ein veritabler und sich schon wieder vergrößernder Leistungsrückstand zur Gruppe der Innovation Leaders besteht. Die beschlossene Finanzvorschau bis 2017 festigt diese unbefriedigende Situation und mindert die Erreichbarkeit der von der Bundesregierung selbst gesteckten Ziele.

Führende Innovationsnationen zeigen stärkere Dynamik

Seit Jahren sind jene Innovationsnationen an der Spitze, die nicht nur höhere F&E-Quoten haben, sondern auch ein starkes, dynamisches BIP-Wachstum aufweisen. Die aktuellen Werte für 2012 (letzte verfügbare Werte) und das durchschnittliche Wachstum von 2000 bis 2012 bzw. für 2005 bis 2012 zeigen, dass Länder wie Schweden oder die Schweiz deutlich vor Österreich liegen.

BIP-Wachstum BIP-Wachstum F&E-Quote 2000-2012 2005-2012 Österreich 3,4% 3,6% 2,7% Schweiz 5,0% 6,4% 3,0% Dänemark 2,9% 2,8% 3,1% Deutschland 2,2% 2,4% 2,8% Finnland 3,3% 3,2% 3,9% Schweden 3,8% 4,7% 3,4% EU 27 2,9% 2,5% 1,9%

Was muss Österreich tun, um Innovation Leader zu werden?
Um das in der FTI-Strategie der Bundesregierung vorgegebene Ziel, bis 2020 Innovation Leader zu werden, erreichen zu können, muss Österreich jene Dynamik wiedergewinnen, die es in den ersten Jahren dieses Jahrtausends im Bereich F&E hatte. "Dazu braucht es zwar auch mehr Geld, vor allem aber richtig eingesetztes Geld", so Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Mitglied des Forschungsrates, "das heißt vor allem keine Doppelgleisigkeiten und Zersplitterungen, sondern sinnvolle und vor allem nachhaltige Investitionen in zukunftssichernde Bereiche. Bildung, Wissenschaft und Forschung müssen hier an oberster Stelle stehen."

Aus Sicht des Rates sind daher folgende Bereiche von besonderer Dringlichkeit:

  • die Intensivierung der Reformen im Bildungssystem,
  • die Steigerung des privaten Anteils der F&E-Finanzierung, sowie
  • Venture Capital, Seed Finanzierung und Start-Up-Unterstützung.

Zusammenfassung der Performance Österreichs in den wesentlichen Bereichen des FTI-Systems:

Der Leistungsbericht 2013 stellt anhand eines umfangreichen Indikatoren-Sets, welches vom Forschungsrat in Kooperation mit dem WIFO entwickelt wurde, die österreichische Performance im internationalen Vergleich dar. Die Indikatoren werden sowohl nach ihrer Entfernung zum Ziel, wie es in der FTI-Strategie der Bundesregierung definiert wurde, dargestellt als auch hinsichtlich der auf Grund der bisherigen Entwicklung ablesbaren Zielerreichungschance. Aus den insgesamt 62 Indikatoren ergibt sich folgendes Bild:

  • Bildungssystem o Hohe soziale Selektivität o Unterdurchschnittliches Leistungsniveau in allen Schulstufen o Niedrige Hochschulzugangs- und Abschlussquote / hohe Drop-out-Rate o Niedrige AkademikerInnenquote o Zu geringe Zahl an Abschlüssen in den MINT-Fächern
  • Hochschulen und Grundlagenforschung o Ausgewählte universitäre und außeruniversitäre Institute mit hoher wissenschaftlicher Reputation und exzellentem Output o Überdurchschnittlicher Output bei der Qualität wissenschaftlicher Publikationen und internationaler Ko-Publikationen o Hoher Grad an Internationalisierung der österreichischen Forschung o Schlechtes Abschneiden bei internationalen Hochschulvergleichen o Kein attraktives Zielland für ForscherInnen o Verbesserungspotenzial bei der Forschungsinfrastruktur
  • Unternehmensforschung und Innovation o Spitzenwerte bei Erfindungen, Patenten, Marken und Gebrauchsmustern o Exzellente Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft o Unterdurchschnittliche Verfügbarkeit von Risikokapital o Aufholbedarf bei Innovationsleistung und intersektoralem Strukturwandel
  • Forschungsfinanzierung o Überdurchschnittlich hohe Entwicklungsdynamik der F&E-Quote o Quotenziel verfehlt, wenig private Finanzierungsmittel o Unterdurchschnittliche Finanzierung von Bildung und Hochschulen o Unzureichende Finanzierung der Grundlagenforschung

Rückfragen & Kontakt:

DI Dr. Ludovit Garzik
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
Tel.: 0043 (0)1 713 1414
E-Mail: l.garzik@rat-fte.at

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