Österreichische Holzindustrie: Hohes Produktionsniveau trotzt schwieriger Gesamtlage

Nachhaltige Holzverwendung ist aktiver Klimaschutz

Wien (OTS/PWK356) - Die Österreichische Holzindustrie hat im Jahr 2012 (Quelle: Statistik Austria, vorläufige Zahlen) mit einem Produktionsvolumen von 7,52 Mrd. Euro fast wieder das Rekordniveau des Vorjahres erreicht. Der Rückgang belief sich auf lediglich 1,4%. "Holz liegt nach wie vor im Trend, und wir sind mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden", sagt Fachverbandsobmann Dr. Erich Wiesner. "Die nachhaltige Verwendung von Holz ist klimapolitisch sinnvoll, und die Eigenschaften von Holzprodukten überzeugen in vielen Anwendungsbereichen. Allerdings sehen wir uns angesichts einer verschlechterten Exportsituation und hohen Rohstoffpreisen, denen niedrige Produktpreise gegenüber stehen, auch großen Herausforderungen in der Zukunft gegenüber."

Zur Österreichischen Holzindustrie zählen 1.437 Betriebe mit zusammen mehr als 28.500 Mitarbeitern. Mit rund 1.000 Unternehmen machen die Sägewerke den größten Anteil aus, weiter gehören der Baubereich, Möbel-, Platten- und Skiindustrie zum vielfältigen Wirtschaftsbereich der Holzindustrie. Charakteristisch sind ein über Jahrzehnte stabiles Beschäftigungsniveau und eine starke Exportorientierung der überwiegend mittelständischen Betriebe.

Die Exportquote belief sich 2012 auf knapp 64 % bei einem Gesamtvolumen von 4,87 Mrd. Euro. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von 7,8%. Wichtigste Handelspartner sind die EU-Länder, vorrangig Italien und Deutschland. In Verbindung mit einer leichten Zunahme der Einfuhren um 0,5% auf 3,74 Mrd. Euro führte diese Entwicklung zu einer Verschlechterung der Außenhandelsbilanz um beachtliche 27,6% - die Wettbewerbsfähigkeit der Holzindustrie ist aufgrund der hohen Rohstoffpreise in Österreich massiv unter Druck geraten. Trotzdem überschreitet der Gesamtwert aber noch immer die Milliardengrenze (1,3 Mrd. Euro).

Entwicklungen der Teilbranchen
Bau: - 2,2 % Produktionsrückgang, Druck auf Bauwirtschaft weiter stark. Investitionen sowohl privat als auch im öffentlichen Bereich sind rückgängig.
Möbelindustrie: schließt 2012 mit solidem Plus ab von 4,4 % ab, positive Konjunkturerwartung für die kommenden Monate, Exportrückgang um 3,4 %. Mehr Export lautet nun das Ziel.
Platte: Stabile Marktentwicklung 2012, erste Anzeichen einer Konjunkturschwächung 2013, von Eigentümerfamilien geprägte Unternehmenskultur als Stärke.
Ski: 2012 war schwach sowohl im Inland als auch beim Export, Stabilisierung in der Verkaufssaison 2012/13, vorsichtiger Optimismus für die kommende Saison.

Ohne Rohstoff keine Industrie
Zurzeit machen hohe Rohstoff- und niedrige Produktpreise der Branche zu schaffen. "Eine stärkere Mobilisierung der Holzreserven könnte auf der Kostenseite Entspannung bringen", sagt Wiesner. Die Österreichische Sägeindustrie kann aufgrund der Knappheit sägefähigen Nadelrundholzes ihre Kapazitäten bei weitem nicht auslasten. 2012 hat sich die heimische Schnittholzproduktion gegenüber dem Vorjahr um 7% verringert (8,97 Mio. m3). In den harten Wintermonaten mussten viele Betriebe die Produktion auf Grund der wetterbedingt schlechten Holzversorgung und schwachen Nachfrage vor allem am Hauptmarktexportmarkt Italien weiter reduzieren. Die Aussichten für das konjunkturelle Umfeld für die ersten Monate bleiben weiter schwierig.

Die Tendenz im 1. Quartal 2013 ist weiter rückläufig. Der limitierende Faktor ist dabei die mangelnde Versorgung mit sägefähigem Nadelrundholz, teils auch aufgrund der deutlich rückläufigen Importe. Langfristig befürchtet die Sägeindustrie eine Kapazitätsbereinigung, die sowohl kleine als auch große Betriebe zu spüren bekommen werden. Dieser wird jedoch notwendig sein, um international wieder konkurrenzfähige Preise anbieten zu können.

Je höher die Wertschöpfung-desto besser die CO2 - Bilanz
Holz ist ein einzigartiges Material! Als natürlicher, erneuerbarer Rohstoff speichert Holz Kohlenstoff, kann wieder verarbeitet und am Ende seines Lebenszyklus verbrannt und damit zur Energiegewinnung eingesetzt werden. Für Holz und Holzwerkstoffe gibt es unzählige Anwendungsbereiche und bei vielen dieser Anwendungen wird Kohlenstoff über Jahrzehnte gespeichert: z.B. können die Vorgaben des Kyoto-Protokolls von den Industriestaaten kaum erfüllt werden. Auch Österreich will nicht länger als "Klimasünder" auf dem internationalen Pranger stehen und hat daher in den vergangenen Jahren einiges unternommen, um das Kyoto-Ziel doch noch zu erreichen, nämlich durch den Zukauf von Emissionszertifikaten aus dem Ausland um rund 600 Millionen Euro. Dabei könnte die Holzindustrie hier einen konkreten Beitrag leisten! Je mehr Holz verwendet wird, desto besser ist die CO2 Bilanz, lautet die Devise. Eine stärkere Verwendung von Holz etwa im Bauwesen wäre der richtige und kosteneffiziente Ansatz. Dafür müssten aber die Rahmenbedingungen geändert werden damit Holzbauten - vor allem im urbanen Bereich- überhaupt möglich sind. Um dieses Bewusstsein zu schaffen, planen wir folgende Imagekampagne:

CO2-Footprint-Kampagne ab Herbst
Eines der wesentlichsten Argumente für das Material Holz ist der durch die Kohlenstoffspeicherung bedingte Beitrag zu Klimaschutz, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Wälder entziehen bei ihrem Wachstum der Atmosphäre aktiv Kohlendioxid. Sie sind gewaltige Kohlenstoffspeicher, deren Speicherpotential in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern durch Aufforstung noch vergrößert wird. Wird das entnommene Holz als Baustoff eingesetzt, bleibt der Kohlenstoff langfristig gespeichert, verbautes Holz speichert CO2 wie ein zweiter Wald. Der positive Beitrag von Waldnutzung und Holzverwendung zum Klimaschutz ist in der Öffentlichkeit noch zu wenig verankert. Daher widmet sich eine Inseratkampagne im Herbst dem Thema. Insbesondere Politik und Entscheidungsträger sollen angesprochen werden mit dem Ziel, stärkeres Bewusstsein für die Klimaentlastungspotentiale durch nachhaltige Waldbewirtschaftung und kaskadische Rohstoffnutzung zu erzielen.

Bauen mit Holz - Wege in die Zukunft auch in Wien
Die von Dezember 2012 bis Februar 2013 durch proHolz im Künstlerhaus in Wien gezeigte Ausstellung verdeutlichte die neuen Dimensionen, die im modernen Holzbau in Fläche und Höhe erreicht werden können. Die Schau zeigte insbesondere die Potentiale des Baumaterials Holz für Verwendungen im urbanen Raum auf. Mit 10.000 Besuchern und 130 geführten Gruppen stieß sie auf enormes Echo und hat sich als ausgezeichnete Plattform erwiesen, um mit Politik, Bauherren und anderen Entscheidungsträgern in einen Dialog zu den Vorteilen und Zukunftschancen des mehrgeschossigen Bauens mit Holz einzutreten. An diese Dialoge wird weiter angeknüpft. Um Bauen mit Holz in Ballungsräumen zu forcieren, wird ein erster Schwerpunkt im Großraum Wien gesetzt. In Wien ist in den nächsten Jahren durch das prognostizierte rasante Bevölkerungswachstum eine hohe Bautätigkeit zu erwarten und daher gilt es gerade hier, höhere Holzanteile im gesamten Hochbau zu ermöglichen. Ziel ist es, dass Holz künftig wie andere Materialien als Standardbaustoff in der Gebäudeklasse 5 eingesetzt werden kann. Mit einer innovativen, gemeinsamen Vorgehensweise von Politik, Wirtschaft und Industrie kann die Stadt der Zukunft gelingen, in die der traditionelle Baustoff Holz nachhaltig zurückkehrt.

Oberösterreich baut verstärkt auf Holz
Das bislang holzkritische Bundesland Oberösterreich hat ein neues Bautechnikgesetz sowie eine neue Bautechnikverordnung beschlossen. Mit 1. Juli 2013 treten die neuen Regelungen der Verwendung von Holz im Bauwesen in Oberösterreich in Kraft. So dürfen etwa statt max. drei Geschoßen nun vier Geschoße über Grund gebaut werden, für brennbare Fassadenmaterialien ist der Anwendungsbereich erweitert worden. In einigen Bundesländern wie Salzburg oder Niederösterreich ist diese Umsetzung noch nicht erfolgt, daher fordern wir eine österreichweite Harmonisierung der Bautechnikverordnungen.

Zukunftsinvestitionen (Forschung & Entwicklung/Ausbildung)

ECO2 "Wood in Carbon efficient constructions"
Holz hat das große Potenzial zu CO2-neutralen Gebäuden einen Beitrag zu leisten. Dieses Europäische Projekt wurde bereits 2010 gestartet und wird diesen Herbst beendet. Das ECO2-Buch wird die Erkenntnisse und positiven Aspekte des Holzbaus zusammenfassen, wie etwa neue Berechnungen und Optimierungen des ökologischen Fußabdrucks von Holzkonstruktionen.

Focus Solid Timber Solutions
In diesem Comet Projekt geht es um die Entwicklung und Optimierung von Brettsperrholzelementen für den Holzbau. Alle führenden Holzbauunternehmen Österreichs und die Technische Universität Graz leisten hier wesentliche Grundlagenarbeit.

Qualifikation ist der Schlüssel zum Erfolg im globalen Wettbewerb Deshalb benötigt die Branche eine Holzausbildung auf letztem Stand der Technik. Das Markenzeichen des Holztechnikum Kuchl (HTK) ist eine für Österreich einzigartige Kombination aus Holz/Technik, Wirtschaft und Sprachen (Englisch, Italienisch, Russisch). Gemeinsam erarbeiten Schüler/innen und Lehrer/innen sowie namhafte Vertreter der Holzindustriebetriebe die Lehrgegenstände, wodurch hohe Praxisrelevanz gewährleistet ist.
Seit sieben Jahrzehnten ist Kuchl das Holzausbildungsmekka in Österreich. Österreichs Holzindustrie sichert ihre Zukunft, indem sie ihr Ausbildungszentrum ausbaut und modernisiert. Mit den sehr gelungenen Neubauten Werkstättenhalle und Turnhalle wurde die Latte hoch gelegt. Jetzt ist das Schulgebäude (Baujahr 1972) mit geschätzten Kosten von 10 Mio. Euro an der Reihe. Bauprojekte im HTK sind eine große Chance für den Holzbau insgesamt, denn hier hat man nicht nur die Möglichkeit die Leistungsfähigkeit der Holzbaubranche zu zeigen sondern auch experimentell zu bauen.

Forst-Holz-Papier - Gemeinsame Stärke
Um die vielfältigen Chancen wahrnehmen zu können, braucht es die länderübergreifende Zusammenarbeit der gesamten Wertschöpfungskette. Bei allen in der Natur der Sache liegenden Konflikten wie z.B. schwache Mobilisierung oder hohe Rohstoffpreise, gilt es die gemeinsamen übergeordneten Interessen zu erkennen und konsequent miteinander zu verfolgen, wenn wir Holz zu DER Zukunftsoption machen wollen. Deshalb arbeitet die Holzindustrie aktiv und eng mit der Forst - und Papierindustrie zusammen; derzeit wird gerade ein Forderungsprogramm an die nächste Bundesregierung erarbeitet. (PM)

Links:
www.holzindustrie.at
www.proholz.at
www.holztechnikum.at
www.genialeholzjobs.at
www.forstholzpapier.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Dolunay Yerit
Fachverband der Holzindustrie Österreichs
Tel.: +43 (0)1 / 712 26 01 - 21
Fax.: +43 (0)1 / 713 03 09
yerit@holzindustrie.at
www.holzindustrie.at

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