Tourismus in Österreich 2012 - Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte

Tourismusbericht 2012 mit Rekordergebnissen

Wien (PK) - 2012 war ein sehr erfolgreiches Jahr für den österreichischen Tourismus. Während alle Welt und vor allem Europa über schwaches Wirtschaftswachstum klagten, beherbergten und verköstigten die 28.000 heimischen Hoteliers und GastronomInnen mit ihren 120.000 Beschäftigten mehr als 36 Millionen Gäste, um 4,4% mehr als 2011 und erzielten mit 131 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekord. 191.606 unselbstständig Beschäftigte waren im Jahresdurchschnitt 2012 in der Tourismusbranche tätig, um 3,8% mehr als 2011, 7,4% machte ihr Anteil an der inländischen Wertschöpfung aus. Der Tourismus erwies sich also auch im Vorjahr als wichtige Stütze der heimischen Konjunktur. Der Bericht des Wirtschaftsministers über die Lage der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Österreich 2012 (III-419 d.B.), der dem Nationalrat seit kurzem vorliegt, informiert im Detail über wesentliche Entwicklungen in der Branche. So boomte der Städtetourismus weiter, erreichte Rekordergebnisse in Wien, Salzburg sowie Linz und profitierte von der wachsenden Neigung der Gäste, kürzer, aber häufiger Urlaub zu machen. Die Touristen reisten vermehrt auch in der Nebensaison an und rechtfertigten die zuletzt starken Investitionen in die Qualität der Betriebe sowie in Kultur-, Wander- und Gesundheitsangebote. Als erfolgreich erwies sich auch die Internationalisierungsoffensive der Österreich Werbung und der Marketingorganisationen der Bundesländer - die Zahl der Gäste aus Mittel- und Osteuropa nahm stark zu, aus Asien kamen erstmals mehr als eine Million Besucher nach Österreich. Es wird auch in Zukunft wichtig sein, die stark wachsenden Zukunftsmärkte intensiv zu bearbeiten und den Gästen anspruchsvolle Urlaubserlebnisse zu bieten, schreibt Tourismusminister Reinhold Mitterlehner im Vorwort des Berichts und zeigt sich zuversichtlich, dass Österreich an der vorhergesagten Verdoppelung des Welttourismus bis 2030 mit innovativen Tourismusbetrieben überdurchschnittlich teilnehmen wird.

Mehr Gäste, mehr Übernachtungen, mehr Einnahmen

Die realen Tourismusumsätze stiegen 2012 erstmals um 1,2 %, nachdem sie seit der Rezession des Jahres 2009 gesunken waren. Starken Anteil daran hatten die Ausgaben von Gästen aus dem Ausland, die um 1,8% zunahmen. Diese Entwicklung wird von Experten als wichtig eingeschätzt, weil sich die Tourismusnachfrage seit 2000 mit jährlich 0,25% deutlich schwächer entwickelte als die Gesamtwirtschaft mit 1,6 %. Eine Fortsetzung dieses Trends wäre problematisch, weil Sektoren, die hinter der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nachhinken, aller Erfahrung nach unter Kosten- und Gewinndruck geraten, was sich negativ auf die Investitionskraft der Betriebe und deren Wettbewerbsfähigkeit auswirke.

Osteuropäer und Asiaten besuchen Österreich immer häufiger

Die Nächtigungen, die seit 2000 im Jahresdurchschnitt um 1,2 % gewachsen waren, nahmen 2012 kräftig um 3,9 % zu, überschritten die 130 Millionen-Grenze deutlich und lagen 0,4 % über dem Höchstwert von 1992. Bei den inländischen Gästen waren um 1,8 % mehr Übernachtungen zu registrieren, bei den ausländischen Gästen gar um 4,8 %. Stark stiegen die Übernachtungen von Chinesen (+37%), Russen (+18,9%), Japanern (+16,1%), Amerikanern (+6,8%), Schweizern (+6,6%), Slowenen (+5,5%), Niederländern (+5,4%), Schweden (+5,3%) und Slowaken (+5,2%). Das Nächtigungsplus der wichtigen deutschen Gäste blieb mit 4,6% nur knapp unter der durchschnittlichen Wachstumsrate der Auslandsnachfrage. Die Nachfrage der Briten (+2,4%), Tschechen (+2,1%) und Ungarn (+1,6%) fiel schwächer aus, jene der Belgier und Luxemburger (+0,4%) stagnierte. Rückgänge waren bei Spaniern (-4,5%), Italienern (-3,2%), Polen (-2,7%), Dänen (-1,2%) und Franzosen (-0,9%) zu registrieren.

Regional nahm der Gästezustrom am stärksten in Wien, Vorarlberg und Salzburg zu. Mittlere Wachstumsraten erzielten Tirol und Oberösterreich, in den anderen Bundesländern stiegen die Nächtigungszahlen nur schwach. Kräftige Zuwachsraten verzeichneten die Städte Salzburg, Wien, Innsbruck, Linz, St. Pölten und Graz.

Saisonal entwickelten sich die Nächtigungen in der Sommersaison 2012 mit einem Plus von 2,6% weniger günstig als die Wintersaison 2011/2012 (+3,6%), was die Experten auf die stagnierende Nachfrage inländischer Touristen im Sommer zurückzuführen.

Österreich hielt 2012 seinen Marktanteil am internationalen Tourismus. Die starke Wintersportorientierung nimmt seit 1995 zwar tendenziell ab, international gilt Österreich aber immer noch in hohem Maße als ein Wintersportland.

Viele Frauen und junge Menschen arbeiten im Tourismus

Im Jahresdurchschnitt waren 2012 191.606 unselbstständig Beschäftigte in der Tourismusbranche tätig, um 3,8% mehr als 2011. Der Anteil an allen unselbstständig Beschäftigten (3.370.479, +1,4%) lag bei 5,7%. Fast zwei Drittel der Beschäftigten waren Frauen (59% Frauen, 41% Männer). 2012 waren durchschnittlich 77.701 AusländerInnen im Tourismus unselbstständig beschäftigt; ihr Anteil an den Beschäftigten liegt mit 40,6% über dem Gesamtanteil von 15,2%. Das Beherbergungs- und Gaststättenpersonal ist jung: 22,1% (gesamt:
14,2%) der unselbstständig Beschäftigten sind unter 25 Jahre.

2012 waren in der Tourismusbranche im Durchschnitt 34.362 (2011:
33.000) Arbeitslose vorgemerkt, davon hatten 32,1% eine Einstellzusage für eine Arbeitsaufnahme. Die Arbeitslosenquote lag 2012 im Tourismus mit 15,2% weit über der Gesamtquote von 7%. Durchschnittlich dauerte die Arbeitslosigkeit im Tourismus 78 Tage; 72 % der Arbeitslosen waren weniger als drei Monate vorgemerkt. Im Rahmen der Saisonkontingente wurden zusätzliche Arbeitskräfte aus Drittstaaten sowie aus Rumänien und Bulgarien zugelassen. Mit dem Sommertourismuskontingent 2012 standen den heimischen Tourismusbetrieben 1.500 Arbeitskräfte zur Verfügung, um 6,7% weniger als im Vorjahr. Der Tourismus nützte den Liberalisierungseffekt und besetzte Stellen vermehrt mit Arbeitskräften aus den EU-8-Mitgliedstaaten. Von den rund 27.800 zusätzlich beschäftigten EU-8-BürgerInnen arbeiteten zur Saisonspitze bis zu 6.500 Arbeitskräfte im Tourismus.

Die Mindestlöhne und -gehälter wurden rückwirkend mit 1. Juli 2012 von 1.205 € bzw. 1.208 € um 3 %, darüber liegende Einkommen um 3,45% erhöht. Mit 1. Dezember 2012 wurden Löhne und Gehälter unter 1.300 € auf diesen Betrag angehoben. Die Lehrlingsentschädigungen wurden um jeweils 40 € brutto pro Lehrjahr erhöht, die Zulagen und Entschädigungen, ausgenommen die Fremdsprachenzulage, um 70 Cent angehoben. Mit 1. Mai 2013 erfolgte eine weitere
Erhöhung der Mindesteinkommen auf 1.320 €. Darüber liegende Einkommen werden um den um 0,5 % erhöhten durchschnittlichen Verbraucherpreisindex zwischen April 2012 und März 2013 angehoben.

Investitionen machen die Betriebe wettbewerbsfähiger

Hotelbetriebe wurden seit 2000 größer, bieten bessere Qualität, sind besser ausgelastet und erzielen Umsätze deutlich über der Inflationsrate. Die Erträge blieben aber wegen des steigenden Aufwands hinter der Umsatzentwicklung zurück. Als Gründe nennen die Experten die immer größeren Investitionen, die notwendig sind, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhalten, und die überdurchschnittlich stark steigenden Preise für Energie und Werbung.

Nachdem die Hotellerie - vor allem in der oberen Qualitätsklasse -die Krise gut gemeistert hat, erwarten die Autoren wachsenden Druck auf die Rentabilität wegen steigender Kosten. Denn die Verschuldung der Betriebe ist hoch und nur wettbewerbsfähige Unternehmen mit ausreichender Eigenkapitalausstattung seien wirtschaftlich stabil und können als Hoffnungsträger des Tourismus gelten. Ein Anstieg der Zinsen würde aber auch diese Betriebe gefährden. Besonders unter Druck stehen kleine Betriebe der unteren Qualitätsklassen.

Betriebsgröße entscheidet über Erfolg der Hotels und Restaurants

Die Gastronomiebetriebe erfüllten bei der Eigenkapitalausstattung wie in den Vorjahren die Anforderung, ihre Schulden innerhalb von 15 Jahren tilgen zu können. Auch bei den Gastronomieunternehmen hängt der wirtschaftliche Erfolg stark mit der Betriebsgröße zusammen. Betriebsgrößenoptimierung gilt daher in der TOP-Tourismus-Förderung und bei der Übernahme von Haftungen als Förderungsschwerpunkt.

Die Insolvenzen nahmen 2012 in Hotellerie und Gastronomie - im Unterschied zur Gesamtwirtschaft - einen weiteren Rückgang. Die Insolvenzzahlen sind vom Gastgewerbe geprägt, wo illiquide Betriebe durchschnittlich nur einen Schuldenstand von 0,35 Mio. € bereinigen müssen. Der Schaden, den die Gläubiger zu tragen haben, liegt bei 30 % des Durchschnitts in der Gesamtwirtschaft.

Die geförderten Investitionen betrugen 2012 700 Mio. € und konnten nicht mehr weiter gesteigert werden. Zwei Drittel der unterstützten Unternehmen waren Beherbergungsunternehmen, 27 % sind der Gastronomie zuzurechnen. Zudem wurden Freizeitbetriebe, Reisebüros oder Infrastruktureinrichtungen wie Beschneiungs- oder Golfanlagen unterstützt. Die Investitionen galten Betriebsgrößenoptimierungen und Qualitätsverbesserungen. Während Wellness an Bedeutung verloren hat, wurde die Errichtung adäquater Mitarbeiterzimmer wichtiger. Ebenso Investitionen zur Saisonverlängerung (Infrastruktur, Wellness- und Seminareinrichtungen in der Hotellerie), was sich gut auf Offenhaltung und Beschäftigungsdauer auswirkt: Die von der Hoteltreuhand finanzierten Hotels steigerten ihre Offenhaltungstage seit dem Jahr 2000 von 280 auf 300 Tage (2011).

Bei den Beschneiungsanlagen ist eine rückläufige Tendenz ersichtlich, nachdem in den letzten Jahren 70 % der Pistenflächen Österreichs beschneibar und weitgehend schneesicher gemacht wurden. Die Entwicklung des österreichischen Tourismusangebots wurde vom Bund massiv in Richtung höherwertige Qualität gefördert. Die durchschnittliche Betriebsgröße wuchs von 40 Betten pro Betrieb (2000) auf 44 Betten (2011), bei den Betriebsgrößen besteht im internationalen Vergleich (EU 27: 57 Betten pro Betrieb) aber noch beträchtlicher Rückstand. Wirtschaftliche Betriebsgrößen sind ein Anliegen der österreichischen Förderungspolitik, das auch künftig mit Nachdruck verfolgt wird, liest man im Tourismusbericht 2012. (Schluss) fru

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