- 27.05.2013, 09:42:57
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Therapie der Gebärmutterhalskrebs-Vorstufe: Zäpfchen gegen HPV-induzierte Veränderungen entwickelt
Wien (OTS) - Mit einem immunmodulierenden Zäpfchen können
Zervixkarzinom-Vorstufen, also Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs,
ohne chirurgischen Eingriff effizient behandelt werden. Diese
neuartige Therapie wurde von WissenschafterInnen des Comprehensive
Cancer Center Vienna (CCC), einer Einrichtung der MedUni Wien und des
AKH Wien entwickelt und in einer klinischen Studie nun erfolgreich
getestet.
Die Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) kann über eine
Vorstufe - der zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN) - zu
Gebärmutterhalskrebs führen. In Europa sind davon jedes Jahr 205.000
Frauen betroffen, die meisten im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Da
leichte Ausprägungen (CIN 1) in vielen Fällen spontan abheilen, wird
therapeutisch meistens nicht eingegriffen, die Selbstheilung aber
mittels engmaschiger Kontrollen überwacht. Die Standardtherapie bei
schwereren Formen (CIN 2 und 3) stellt die Konisation dar. Dabei
werden die Neoplasien, also die veränderten Areale, kegelförmig aus
dem Gebärmutterhals herausgeschnitten. Der chirurgische Eingriff ist
mit einem Rezidivrisiko von bis zu 18 Prozent verbunden und kann auch
zu Nebenwirkungen wie Infektionen oder Blutungen führen. Das
wesentlichste Risiko des Eingriffs stellt jedoch der deutliche
Anstieg der Frühgeburtsrate auf 17,2 Prozent (gegenüber 6,2 Prozent
bei Frauen ohne Konisation) dar.
Bewährter Wirkstoff innovativ eingesetzt
Der neue Therapieansatz wurde entwickelt, um Betroffenen den
belastenden Eingriff und das erhöhte Risiko einer Frühgeburt zu
ersparen. Dabei kommt eine immunmodulierende Substanz (Imiquimod),
die bisher unter anderem als Creme für die oberflächliche Therapie
von Feigwarzen zugelassen ist, zum Einsatz. In Form eines Zäpfchens
wird der Wirkstoff am Gebärmutterhals appliziert wo er eine
entzündungsähnliche Reaktion auslöst.
Paul Speiser, Oberarzt an der Abteilung für allgemeine Gynäkologie
und gynäkologische Onkologie, Teil des Comprehensive Cancer Center
Vienna, der Medizinischen Universität Wien und Leiter der Studie
erklärt die Wirkungsweise: "Die durch den HP-Virus verursachten
Veränderungen werden vom Immunsystem in bestimmten Situationen nicht
erkannt und können in diesen Fällen zur Entstehung einer CIN führen.
Durch die lokale Aktivierung der Immunabwehr mittels Imiquimod kann
HPV für das Immunsystem erkennbar gemacht und vom Immunsystem selbst
wirksam bekämpft werden."
Die Studienautoren, zu denen neben Christoph Grimm und Stephan
Polterauer auch Alexander Reinthaller, Stv. Leiter der Abteilung für
Allgemeine Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie an der
Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Teil des Comprehensive Cancer
Center Vienna, der MedUni Wien, zählt, konnten in ihrer Arbeit eine
Rückbildungsrate der Neoplasien von 69 Prozent und eine sehr gute
Verträglichkeit des Präparats nachweisen. Christoph Grimm, Oberarzt
an der Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische
Onkologie, Teil des Comprehensive Cancer Center Vienna, der MedUni
Wien abschließend: "Die ersten Daten sind vielversprechend. Der
Wirkstoff scheint für die Therapie einer CIN 2 und 3 sehr wirksam zu
sein, kann in dieser Applikation unkompliziert eingesetzt werden und
ist wesentlich schonender als ein chirurgischer Eingriff. Um die
Therapie jedoch routinemäßig am Patienten einsetzen zu können, sind
noch weitere Studien nötig, die derzeit von unserer Arbeitsgruppe
durchgeführt werden."
Service: Obstetrics & Gynecology
"Treatment of cervical intraepithelial neoplasia with topical
imiquimod: a randomized controlled trial." Grimm C, Polterauer S,
Natter C, Rahhal J, Hefler L, Tempfer CB, Heinze G, Stary G,
Reinthaller A, Speiser P., Obstet Gynecol. 2012 Jul;120(1):152-9.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22914404
Medizinische Universität Wien - Kurzprofil
Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der
traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten
Europas. Mit fast 7.500 Studierenden ist sie heute die größte
medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit ihren
31 Universitätskliniken, 12 medizintheoretischen Zentren und
zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den
bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im
biomedizinischen Bereich. Für die klinische Forschung stehen über
48.000m2 Forschungsfläche zur Verfügung.
AKH Wien - Kurzprofil
Am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien - Medizinischer
Universitätscampus - werden jährlich rund 100.000 Patientinnen und
Patienten stationär betreut. Die Ambulanzen und Spezialambulanzen des
AKH Wien werden zusätzlich etwa 1,2 Mio. Mal frequentiert. Gemeinsam
mit den Ärztinnen und Ärzten der MedUni Wien stehen für die Betreuung
unserer PatientInnen rund 3.000 Krankenpflegepersonen, über 1.000
Angehörige der medizinischen, therapeutischen und diagnostischen
Gesundheitsberufe und viele weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der verschiedensten Berufsgruppen zur Verfügung.
Comprehensive Cancer Center Vienna - Kurzprofil
Das Comprehensive Cancer Center (CCC) Wien ist eine gemeinsame
Einrichtung von MedUni Wien und AKH Wien. Das Zentrum vernetzt alle
Berufsgruppen dieser beiden Institutionen, die KrebspatientInnen
behandeln, Krebserkrankungen erforschen und in der Lehre bzw. der
Ausbildung in diesem Bereich aktiv sind. Christoph Zielinski,
Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I und Leiter der
Abteilung für Onkologie, steht dem CCC als leitender Koordinator vor.
(www.ccc.ac.at)
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