"Universum History" präsentierte Dokumentation über Oberst Redl

"Der Jahrhundertspion" und Szabó-Klassiker "Oberst Redl" am 24. Mai im ORF

Wien (OTS) - Am 25. Mai 1913 um zwei Uhr früh beendete ein Schuss einen der größten Spionagefälle der Geschichte. Der Oberst des Generalstabs, Alfred Redl, tötete sich mit einer Browning-Pistole im Zimmer Nr. 1 des Hotels Klomser in der Wiener Herrengasse. Der frühere Chef des k .u. k. Geheimdienstes hatte über Jahre wichtige militärische Geheimnisse an Russland, Frankreich und Italien verkauft. Der Fall Redl ist ein Skandal- und ein Sittenbild der Wiener Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Am Freitag, dem 24. Mai 2013, folgt "Universum History" um 22.40 Uhr in ORF 2 mit der Dokumentation "Leidenschaft und Verrat: Oberst Redl - Der Jahrhundertspion" von Fritz Kalteis und Gerhard Jelinek der Geschichte des "Königs aller Vaterlandsverräter". Gestern, am Mittwoch, dem 22. Mai, wurde der Film im Café Central in der Wiener Herrengasse präsentiert.

Unter den zahlreich erschienenen Premierengästen:
ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner, Gerhard Klein, TV-Hauptabteilungsleiter für Bildung und Zeitgeschehen, Dr. Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, Metafilm-Produzent Michael Cencig, die Gestalter Gerhard Jelinek und Fritz Kalteis, Autor Martin Betz, "Universum"-Chef Andrew Solomon, Interspot-Geschäftsführer Heinrich Mayer, Makido-Film-Geschäftsführer Golli Marboe sowie "Oberst Redl"-Darsteller Harry Ranftl und Robert Slivovsky, der im Film die Rolle von Egon Erwin Kisch verkörpert.

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: "Durch Erpressung zur Spionage gezwungener homosexueller Oberst oder ausschweifender geldgieriger Lebemann? Dieses 'Universum History' über Oberst Redl ist ein absolutes Wunschkind von mir. Es ist ein faszinierender Blick in die Geschichte, der uns etwas lehrt. Mit dieser Produktion ist uns etwas ganz Wunderbares gelungen - sie unterstreicht eindrucksvoll das vielfältige Potpourri, das der ORF anbietet - irritierendes, spannendes, informatives Fernsehen, das uns von vielen TV-Institutionen unterscheidet. Meinen herzlichen Dank dem gesamten Team."

Gerhard Klein, TV-Hauptabteilungsleiter für Bildung und Zeitgeschehen: "Die Dokumentation über Oberst Redl ist unsere erste Eigenproduktion für die neue Sendereihe 'Universum History'. Es freut mich sehr, dass wir bei dieser Produktion über einen Fall, der weltweit Aufsehen erregt hat, mit namhaften österreichischen Historikerinnen und Historikern zusammenarbeiten konnten. Dieser Film ist gleichzeitig auch der Auftakt für zahlreiche Programme, die der ORF derzeit für das Jahr 2014 zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren plant."

Gestalter Gerhard Jelinek - selbst in der Rolle des Staatsanwalts zu sehen - hob die hervorragende Kooperation bei den Dreharbeiten hervor: "Das Drehen an Originalschauplätzen ist etwas Faszinierendes. Es vermittelt eine gewisse Magie und letztlich Authentizität für das TV-Publikum. Mit solchen Dokumentationen öffnen wir ein Fenster in die Vergangenheit". "Die größte Herausforderung bei dieser Produktion bestand darin", so Kogestalter Fritz Kalteis, "eine Geschichte zu erzählen, die hundert Jahre alt ist, aber auch 2013 alle Ingredienzien enthält, um spannend zu sein."

ORF III Kultur und Information zeigt den Film am Montag, dem 27. Mai 2013, um 17.20 Uhr, 3sat am Mittwoch, dem 29. Mai, um 21.00 Uhr. "Leidenschaft und Verrat: Oberst Redl - Der Jahrhundertspion" entstand als Koproduktion von ORF, Metafilm und BMUKK, gefördert von Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien. Nach der "Universum History"-Doku steht am 24. Mai um 23.35 Uhr István Szabós preisgekrönter Spielfilm "Oberst Redl" mit Klaus Maria Brandauer, Hans Christian Blech, Armin Mueller-Stahl, Gudrun Landgrebe und Jan Niklas in den Hauptrollen auf dem Programm von ORF 2. In 3sat ist Szabós Klassiker am Dienstag, dem 28. Mai, um 22.25 Uhr zu sehen. "Fenster in die Geschichte" öffnet 3sat am Mittwoch, dem 29. Mai, um 20.15 Uhr auch mit der Dokumentation "Der selige Kaiser - Kaiser Karl I. von Österreich" von Gerhard Jelinek und Kurt Schmutzer über den letzten Habsburger-Kaiser.

"Leidenschaft und Verrat: Oberst Redl - Der Jahrhundertspion"

Sex, Gier, Verrat - das sind die Zutaten des Falles Redl. Der Karriere-Offizier verkaufte über Jahre militärische Geheimnisse der k. u. k. Armee an den zaristischen Geheimdienst und hielt mit dem so erhaltenen Geld seinen jungen Liebhaber Leutnant Stefan Horinka bei Laune. Keiner wollte das Doppelleben des hohen Generalstabsoffiziers durchschauen - bis Redl einen fatalen Fehler beging. Am 25. Mai 1913 - vor hundert Jahren - nahm sich Alfred Redl unter mysteriösen Umständen das Leben. Er war unter Mithilfe des deutschen Geheimdienstes entlarvt worden und nach Information an den Generalstabschef Conrad von Hötzendorf und Erzherzog Franz Ferdinand zum Geständnis und Selbstmord gezwungen worden.

Der eine war der Meister der Reportage, der andere ein sogenannter Meisterspion. Ihre Geschichten sind eng miteinander verbunden. Der eine, Egon Erwin Kisch, der berühmte "rasende Reporter" aus Prag, machte den Fall des anderen, des Oberst Alfred Redl, der jahrelang für das Zarenreich spionierte, erst bekannt. Kisch konnte in seiner journalistischen Arbeit die Vertuschungsversuche der k. u. k. Armeeführung geschickt unterwandern, indem er alle Vorwürfe gegen Redl in Form eines Dementis in der Prager Tageszeitung "Bohemia" veröffentlichte. So kam der Fall mit all seinen pikanten Details im Mai 1913 an die Öffentlichkeit. Dass diese Affäre geheimnisumwittert blieb, lag aber auch an den dürftigen Ermittlungen der Behörden. In der bereits dem Untergang geweihten Donaumonarchie war das Ehrgefühl - der Selbstmord, in den man Redl getrieben hatte - offenbar wichtiger als das Wissen um den Schaden, den dieser angerichtet hatte.

So blieben viele Details des redlschen Verrats fast hundert Jahre lang unentdeckt. Regisseur Fritz Kalteis begibt sich auf eine Spurensuche nach den wahren Details des Falles Redl und gestattet einen Blick in die Persönlichkeit des k. u. k. Geheimdienstchefs. Anhand der letzten Stunden von Alfred Redl werden die Motive des Spions offenbar - der verzweifelte Versuch, eine zerbrochene Liebschaft mit einem jungen Leutnant aufrechtzuerhalten, sowie Redls eigentliche Triebfeder, die Habgier. Was der Meisterspion alles verraten hatte und wie er seine Tarnung jahrelang wahren konnte, darüber geben die Historiker Gerhard Jagschitz, der Enkel von Max Ronge, der den Fall Redl vor 100 Jahren untersuchte, Verena Moritz und Hannes Leidinger (Autoren des Buches "Oberst Redl - der Spionagefall, der Skandal, die Fakten"), Manfried Rauchensteiner ("Der Tod des Doppeladlers") und der Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, Christian Ortner, Auskunft.

Die "Affäre Redl" ist aber nicht nur ein Kriminalfall und ein Sittenbild in den letzten Tagen der verlöschenden Monarchie, sondern auch eine Geschichte über Rezeption und Manipulation eines Skandals. Egon Erwin Kisch hat bei der Beschreibung des Falls Redl so manches Detail seiner Recherche erfunden. In den seit 1922 produzierten fünf historischen Kinofilmen wird jeweils ein anderes Bild der Affäre und der Habsburgermonarchie gezeichnet. Kisch, der mit der Aufdeckung der Affäre berühmt wurde, war aber auch persönlich von den Folgen des "Hochverrats" betroffen. Als ein Jahr nach der Aufdeckung der Affäre der Erste Weltkrieg ausbrach, diente Egon Erwin Kisch ausgerechnet in jenem Prager Korps, das Redl jahrelang geführt hatte und dessen Aufmarschpläne für den Kriegsfall er ans Zarenreich verraten hatte.

Die Dokumentation wurde an den Originalschauplätzen in Wien und Prag und anhand von Originaldokumenten aus dem österreichischen Kriegsarchiv und dem Nachlass von Max Ronge gedreht. In den aufwendigen und historisch genauen Darstellungen des Kriminalfalls wirken unter anderem Christoph Grissemann und Dirk Stermann als Geheimdienst-Offiziere mit.

"Leidenschaft und Verrat: Oberst Redl - Der Jahrhundertspion" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf http://tvthek.ORF.at abrufbar.

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