• 15.05.2013, 12:05:17
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11. Coface Country Risk Conference: Top-Experten diskutierten über Ursachen und Folgen der Eurokrise

Top-Experten im Rahmen der 11. Coface Country Risk
Conference v.l.n.r.: Julien Marcilly, Coface, Andreas Schnauder, Der
Standard, Monika Rosen, UniCredit Group, Armin Wolf, ORF-Anchorman
und Moderator des Abends, Max Otte, Universität Graz, Sandra Navidi,
Beyond Global und Oliver Krupitza, Coface.

Wien (OTS) - Unter dem Titel "Währt die Währung? Wert der Währung?"
fand gestern in Wien die 11. Country Risk Conference des
internationalen Kreditversicherers Coface statt. Über 400 Unternehmer
und Opinion Leader trafen dort auf eine hochkarätige Experten-Runde
aus Politik und Wirtschaft.

Der Wirtschaftsprofessor, Buchautor und Fondsmanager Max Otte und
die international erfolgreiche Finanzmarkt-Strategieberaterin Sandra
Navidi sind nur zwei der renommierten Fachleute, die der Einladung
des internationalen Kreditversicherers gefolgt waren, um am 14. Mai
im Palais Niederösterreich ihre Ansichten zum Wert und der Wahrung
unserer Währung darzulegen.

Die bereits zum elften Mal stattfindende Konferenz stand auch
heuer wieder unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Reinhold
Mitterlehner und wurde in bewährter Manier von ORF-Anchorman Armin
Wolf moderiert. Eröffnet wurde die Country Risk Conference von
Christian Berger, Management Board Coface Central Europe und Oliver
Krupitza, Country Manager Coface Austria. Krupitza verwehrte sich in
seiner Eröffnungsrede dagegen, dem Euro die gesamte Schuld für die
wirtschaftlichen Probleme der Eurozone in die Schuhe zu schieben:
"Wir werden die strukturellen Defizite Europas nicht einfach mit
einem Kurswechsel in der Währungspolitik in den Griff bekommen. Im
Gegenteil: Die Kosten des Ausstiegs einzelner Länder wären immens.
Europa muss dem Euro also eine Chance geben."

Julien Marcilly, Head of Country Risk Coface Group, präsentierte
zum thematischen Einstieg einen Überblick über die Entwicklung der
weltweiten Länder-Risiken. Dabei konstatierte er ein Voranschreiten
der seit Jahren beobachtbaren Annäherung zwischen Schwellenländern
und Industrienationen. Coface prognostiziert für die Weltwirtschaft
2013 ein Wachstum von +2,7%, das maßgeblich von einem Wachstum der
Schwellenländer um +5,1% getragen wird, während die Eurozone mit
einer um -0,4% schrumpfenden Wirtschaft kämpft. Hauptursachen dafür
sind die in Folge der Finanzkrise gestiegenen Staatenschulden und die
daraus resultierende Austeritätspolitik, die Zurückhaltung der um
Risikoverringerung bemühten Banken bei der Vergabe von Krediten an
den privaten Sektor sowie die - im Zusammenhang mit der gestiegenen
Arbeitslosigkeit - gesunkene Konsumbereitschaft der privaten
Haushalte. Auch durch Exporterfolge können die wirtschaftlichen
Folgen dieser Binnenprobleme nicht kompensiert werden, so Marcilly.

Währt die Währung? Wert der Währung?

Anschließend lieferte der Wirtschaftsprofessor Max Otte einen
historischen Streifzug zu den Auswirkungen von Währungsänderungen -
vom römischen Imperium über den klassischen Goldstandard bis hin zum
Euro. Der deutsch-amerikanische Ökonom, der seit 2011 auch an der
Universität Graz lehrt, war einer der wenigen Vertreter seiner Zunft,
der bereits 2006 eine große Finanzkrise für 2007 bis 2010
vorausgesagt hatte. Mit seiner Prognose, dass der
U.S.-Immobilienmarkt und Subprime-Papiere Auslöser der Krise sein
würden, sollte er Recht behalten. Seine Prognose, dass der Euro "in
der einen oder anderen Form Bestand haben" werde, wurde
dementsprechend mit großem Interesse aufgenommen. Der
Wirtschaftsprofessor betonte allerdings auch, dass in Europa noch
nicht alle Bedingungen für eine Währungsunion gegeben wären. "Die
Konstruktion der Währungsunion hat Europa erpressbar gemacht",
konstatierte Otte, der in diesem Zusammenhang für starke europäische
Wirtschaftsratings plädierte. Nach einer Kosten-Nutzen-Analyse des
Euro kam der Ökonom zu dem Schluss, dass Europa in den nächsten
Jahren ein "unangenehmes Herauslavieren" aus der Schuldenkrise vor
sich haben wird. Der Weg dazu werde, so Otte, aus einer Kombination
aller dafür zur Verfügung stehenden Optionen bestehen - Inflation,
Wachstum, Schuldenschnitte, und Sparen - und "hoffentlich zu einem
gestärkten wirtschaftlichen Kern Europas führen".

Den zweiten Teil der Konferenz eröffnete die international
erfolgreiche Finanzexpertin Sandra Navidi, CEO von BeyondGlobal und
damit Strategieberaterin von Firmen und Finanzinstitutionen, die sich
auf den internationalen Kapitalmärkten positionieren wollen.
Ausgehend von einer Schilderung der dramatischen Vorgänge beim
Schnüren des Rettungspakets für Griechenland widmete sich Navidi der
Frage, was der Euro wirklich wert ist - und wie der Wert eine Währung
bestimmt wird. Sie beschäftigte sich in ihren Ausführungen mit den
verschiedenen Dimensionen der Euro-Bewertung, u. a. mit den wenig
erfreulichen Konjunkturaussichten, dem Vertrauen in die Währung und
den Folgen der Finanzkrise. Letztere bezeichnete Navidi als "typische
Abfolge von exzessiver Verschuldung und Entschuldung", was die
Weltwirtschaft und insbesondere die Eurozone noch einige Zeit
beschäftigen werde: "Schuldenaufbau dauert üblicherweise 30 Jahre,
Entschuldung 15 Jahre - wir sind im Jahr Sechs", so die
Finanzexpertin.

In der unmittelbar anschließenden Gesprächsrunde erörterten die
Chefanalystin für das Bank Austria Private Banking, Monika Rosen, der
Wirtschaftsjournalist Andreas Schnauder sowie die Keynote-Speaker Max
Otte, Sandra Navidi, Julien Marcilly und Oliver Krupitza ihre
Ansichten zur Zukunft des Euro. Zu einem zentralen Thema der
Diskussion entwickelte sich die Frage, wie die wirtschaftlichen
Probleme im Süden Europas gelöst werden können. Monika Rosen konnte
Ideen wie einer Teilung des Euro in "Nord"- und "Süd-Euro" wenig
abgewinnen und plädierte im Gegensatz dazu für mehr Integration als
Lösungsweg. Die Stärkung der politischen Einheit Europas betrachtete
auch Andreas Schnauder als zentrale Frage und verwies dabei auf die
"Krönungstheorie", wonach eine Währungsunion erst am Ende eines
langen wirtschaftlichen Annäherungsprozesses und nach Inkrafttreten
einer politischen Union möglich sei. Max Otte bezeichnete die
mangelnde gemeinsame Fiskalpolitik und fehlende Insolvenzregeln als
grundlegende Konstruktionsfehler des Euro und zeigte sich überzeugt
davon, dass eine geordnete Insolvenz Griechenlands vor allem für die
griechische Bevölkerung besser gewesen wäre. Mit Verweis auf die
politischen Spannungen in Folge der Finanzkrise vertrat Sandra Navidi
die Ansicht, dass der Euro dem Friedensprojekt Europa mehr geschadet
als genutzt habe - eine skeptische Einschätzung, die das Podium
allerdings nicht teilte. Die abschließende Frage von Moderator Armin
Wolf, ob es den Euro in zehn Jahren noch geben werde, wurde von allen
Diskutanten bejaht, wobei Otte sich nur auf fünf Jahre festlegen
wollte.

Das an das Konferenzprogramm anschließende "Coface Get Together"
bot den über 400 Gästen dann die Möglichkeit zum persönlichen
Meinungsaustausch und Networking. Die nunmehr seit elf Jahren
bestehende Veranstaltung zählt mittlerweile - nicht zuletzt aufgrund
der hohen Dichte an Entscheidungsträgern - zu den Fixpunkten im
Kalender der heimischen Wirtschaft. Dazu Susanne Krönes,
Marketingleiterin von Coface Austria: "Auch in diesem Jahr konnten
wir unseren Gästen wieder ein sehr interessantes Programm zu einem
zentralen Wirtschaftsthema bieten, das ebenso aktuell wie bedeutsam
ist. Wir freuen uns, dass wir so hochkarätige Experten dafür gewinnen
konnten."

Weitere Fotos in Kürze unter:
http://events.coface.at

Über Coface

Die Coface-Gruppe ist ein weltweit führender Kreditversicherer und
bietet Unternehmen auf der ganzen Welt Lösungen für das
Forderungsmanagement im Inlands- und Exportgeschäft. 2012 erreichte
die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 1,6 Mrd. Euro. 4.400
Mitarbeiter in 66 Ländern bieten weltweiten Service vor Ort.

In Frankreich ist Coface Mandatar für die staatlichen
Exportkreditgarantien. Coface ist eine Tochtergesellschaft von
Natixis, einer Gesellschaft der Groupe BPCE für
Unternehmensfinanzierung, Investment Management und spezielle
Finanzservices.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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