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"Angst kann man leider nicht wegoperieren" (Von Eva Weissenberger)
Ausgabe vom 15.05.2013
Utl.: Ausgabe vom 15.05.2013 =
Graz (OTS/Vorausmeldung) - Ihr Busen gehört ihr. Wenn sich
Angelina Jolie dazu entschließt, aus Angst vor Brustkrebs ihre beiden
Brüste entfernen zu lassen, dann wird sie wissen, was richtig für sie
ist. Jolie kann sich die besten Ärztinnen und Ärzte leisten, die
beste plastische Chirurgie. Sie ist nur sich selbst gegenüber
verantwortlich - ihren Kindern und ihrem Partner.
Öffentlich diskutieren darf man diesen Schritt trotzdem, denn Jolie
machte "Meine medizinische Entscheidung" der die Entfernung ihrer
Eierstöcke folgen soll, selbst in der "New York Times" öffentlich.
Sie wolle Frauen dazu ermutigen, sich untersuchen zu lassen und sie
darüber aufklären, welche Möglichkeiten sie haben. Das ist gut, zumal
Jolie vielen Frauen in aller Welt ein Vorbild ist.
Ein wunderschöner Filmstar sagt, die Entfernung ihres echten Busens
habe ihre Weiblichkeit in keiner Weise beeinträchtigt. Das kann
Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und sich dieser Operation
unterziehen, Trost spenden.
Jolies Text ist aber auch Ausdruck einer Kultur, die kein Risiko
eingehen möchte, die sich gegen alles und jedes versichern will. Was
nicht passt, wird passend gemacht.
Angelina Jolie schreibt: "Das Leben birgt viele Herausforderungen.
Die, die uns nicht schrecken sollten, sind jene, denen wir uns
stellen und die wir kontrollieren können." Kann die Medizin das
wirklich? Was, wenn uns dann eine andere Krankheit niederstreckt?
Das Leben ist lebensgefährlich. Es ist ein einziges Risiko. Und Angst
kann man sich leider nicht wegoperieren lassen.
Jolie war nicht krank. Ihre Mutter starb mit 56 an Brustkrebs. Die
37-Jährige hatte Angst, dass es auch sie treffen könnte. Ärzte hatten
ihr berechnet, dass ihr Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, bei 87
Prozent gelegen wäre. Nach der Operation betrage es nun fünf.
Was Jolie nicht schreibt: Ein Risikofaktor ist eine statistische
Zahl, keine Diagnose. In den letzten zwanzig Jahren wurden in den USA
und in Europa hunderttausenden (gesunden) Frauen Teile der
Gebärmutter entfernt, weil die - immer noch männlich dominierte -
Gynäkologie fand, das sei die beste Vorsorge. Mittlerweile ist man
wieder davon abgekommen. Diesen, Jolies Weg wählen sollte aber, wer
glaubt, dass allein die Gene, nicht aber die Psyche Einfluss darauf
hat, ob jemand an Krebs erkrankt.
Dennoch ist Jolie zu danken, dass sie ihre Macht nützt, um Frauen zur
Mammografie zu bewegen. Aber wann entwickelt bitte jemand eine
Untersuchungsmethode, die den Busen nicht zur Palatschinke auswalkt
und entsetzlich schmerzt? ****
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