• 14.05.2013, 09:51:26
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GLOBAL 2000 zu Misstrauensantrag: Austausch des Landwirtschaftsministers allein ist zuwenig

Neue Landwirtschaftspolitik muss Abhängigkeit von Pestiziden entgegen treten

Utl.: Neue Landwirtschaftspolitik muss Abhängigkeit von Pestiziden
entgegen treten =

Wien (OTS) - Dass Landwirtschaftsminister Nikolaus Berklakovich
rücktrittsreif ist, stellte GLOBAL 2000 bereits nach seinem ersten
Abstimmungs-Nein in Brüssel zu den von der EU-Kommission
vorgeschlagenen Teilverboten bienengiftiger Neonicotinoide fest.
"Doch Köpfe auszutauschen allein wird nicht reichen. Was Österreich
braucht, ist eine grundsätzliche Neuausrichtung der
Landwirtschaftspolitik, im Interesse der Landwirte, der
KonsumentInnen und der Umwelt", betont Helmut Burtscher,
Umweltchemiker von GLOBAL 2000: "Wir fordern für die kommende
Legislaturperiode eine Trennung von Landwirtschafts- und
Umweltministerium. Durch die Verschmelzung dieser beiden Ressorts
muss der zuständige Minister eine kaum schaffbare Grätsche zwischen
den Interessen der Agrarlobby und denen der Umwelt tätigen. Dass die
Agrarlobby sich nicht den Schutz der Umwelt auf die Fahnen schreibt,
zeigt sich auch gerade jetzt in der aktuellen Diskussion rund um das
Bienensterben wieder."

GLOBAL 2000 präsentierte am gestrigen Montag im Rahmen der
parlamentarischen Enquete "Bienen schützen, Pestizide verbieten"
aktuelle Zahlen aus Deutschland und Österreich: So führen zunehmende
Resistenzen von Schadorganismen gegen handelsübliche Pestizide dazu,
dass Landwirte immer häufiger zur Pestizidspritze greifen und ein
immer breiteres Spektrum an Pestizidwirkstoffen anwenden müssen, um
den gewünschten Effekt zu erzielen. Zehn Spritzungen im Gemüsebau
bzw. dreißig Pestizidanwendungen im Obstbau sind dabei keine
Seltenheit. Dass das nicht ohne Folgen bleibt, zeigen aktuelle
Untersuchungsergebnisse aus Deutschland (CVUAS 2012), wonach 87
Prozent des Frischobst und Gemüse mit Pestiziden belastet sind. Im
Durchschnitt kommt jedes Erzeugnis auf 0,7 Milligramm eines
Pestizidcocktails aus 4,2 Wirkstoffen. Doch Pestizide belasten auch
Böden und Gewässer. Das Grundwasser-Sondermessprogramm des
Umweltbundesamt (GZÜV 2010) fand in 46 Prozent der 201 beprobten
Grundwassermesstellen Überschreitungen des Aktionswerts für
Pestizidbelastungen von 0,1 Mikrogramm pro Liter.

Dass die Versprechungen der Agrochemie sich nicht erfüllt haben,
sondern stattdessen die Landwirte zusehens in die Abhängigkeit
internationaler Saatgut - und Pestizidhersteller führen,
KonsumentInnen einer vermeidbaren Belastung durch Pestizidrückstände
aussetzen und Böden und Wasser vergiften, hat auch die
Welternährungsorganisatin FAO erkannt, wie deren Generalsekretär Jose
Graziano da Silva im Vorjahr in einem Interview mit dem Spiegel sehr
treffend ausdrückte: "Wir haben hundert Jahre gebraucht, die Chemie
in die Landwirtschaft einzubringen. Wir werden sie deutlich schneller
wieder loswerden."

Österreichs Biobauern zeigen seit langem vor, dass es auch ohne
Chemie geht. "Es wird Zeit, dass auch die hohe Politik und die
InteressenvertreterInnen die Zeichen der Zeit erkennen und die
österreichischen Bauern aus der Pestizid-Sackgasse herausführen",
sagt Burtscher abschließend.

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