WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wehrt euch, ihr bösen Buben - von Ingrid Krawarik

Bei allem Banken-Bashing: Ohne Banken funktioniert Wirtschaft nicht

Wien (OTS) - Banker haben in der öffentlichen Meinung derzeit keinen guten Stand: Sie bekommen viel zu hohe Boni, sind die bösen Buben und außerdem schuld an der Finanzkrise - also die perfekten Prügelknaben. Die Politik in Österreich und auf EU-Ebene schlägt daraus Kapital und belehnt die Finanzindustrie mit hohen Bankenabgaben, einer Regularienflut à la Basel III sowie der geplanten Finanztransaktionssteuer. Schließlich muss irgendjemand für die Krise zahlen. Und was machen die Banker? Sie jammern. Man könnte sogar sagen, sie suhlen sich in der Opferrolle. Dabei sollte die Sandkastenzeit, wo einer dem anderen mit dem Schauferl wiederholt eins überzieht und der andere nicht zurückschlägt vorbei sein.

Wehrt euch! Hinter vorgehaltener Hand oder "off records" wird nämlich sehr wohl Kritik geäußert - und ja, gesudert. Im Finanzministerium, das - es muss gesagt werden - kapitalmarktfeindlich agiert, stoßen die Proteste auf taube Ohren. Dort wird den Bankern gebetsmühlenartig ausgerichtet, dass sie die neuen Belastungen schon irgendwie bewältigen werden.

Die Quartalszahlen, die Banken dieser Tage veröffentlichen, sprechen eine andere Sprache. Das einzig Positive ist, dass die Ergebnisse nicht so schlecht sind wie erwartet. Die schrumpfenden Nettozinserträge, die das Kerngeschäft der Finanzhäuser widerspiegeln, machen deutlich, wie fragil das Geschäftsmodell läuft. Dabei sind die neuen Eigenkapitalrichtlinien und Liquiditätsvorschriften, die unter Basel III zusammengefasst sind, auf den ersten Blick gut und richtig. Bankenkrisen, die zu hohen Kosten für den Steuerzahler führen, sollen damit in Zukunft verhindert werden. Gleichzeitig führen diese Regularien aber zu einem Stillstand des Wirtschaftswachstums, da Banken kaum noch Kredite vergeben. Vor allem kleine und mittlere Betriebe sind davon stark betroffen. Das Geld kommt also nicht in der Wirtschaft an. Die Situation ähnelt jener mit den Sparprogrammen vieler Staaten: Im Keime löblich und richtig, würgen sie zu exzessiv betrieben jegliche Konjunkturerholung ab und sind damit kontraproduktiv.

EZB-Chef Mario Draghi will Banken animieren, wieder Kredite an KMU zu vergeben. Bleibt die Gefahr, dass der Schuss nach hinten losgeht und die vergebenen Kredite einfach teurer sind. Außerdem lässt die neuerliche Zinssenkung der EZB die Zinsmarge weiter schrumpfen.

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