KORRIGIERTE WIEDERHOLUNG DER OTS0179 von heute: Buchpräsentation mit Überraschung: Erika Seda - "Ich bin eine gefährliche Frau!"

Korrektur zu OTS_20130430_OTS0179

Wien (OTS) - Eine Überraschung erwartete Nationalratsabgeordnete i.R. Dr. Erika Seda gestern Abend im Bruno Kreisky Forum anlässlich ihres 90. Geburtstages. Im Rahmen einer Festveranstaltung wurde die Biografie "Erika Seda - 'Ich bin eine gefährliche Frau!' - Ein Leben im Zeichen der Frauenrechte", das im Carl Gerold's Sohn Verlag erschienen ist, von den Herausgeberinnen LAbg. Barbara Novak und Dr.in Julia Danielczyk im 19. Wiener Gemeindebezirk präsentiert. Womit Seda nicht gerechnet hat: Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und öffentlichen Dienst und jahrelange Freundin von Erika Seda Gabriele Heinisch-Hosek hielt die Laudatio.

Nach der musikalischen Einlage der Band "Texas-Schrammeln", die eine eigens komponierte Polit-Satire für die ehemalige Frauen-Politikerin sangen, folgte ein Kurzfilm mit den "Gustostückerln" aus den Nationalratsreden der 90-Jährigen, die die Herausgeberinnen LAbg. Barbara Novak und Dr.in Julia Danielczyk liebevoll aus vielen Stunden Material zusammengestellt hatten. "Das du immer frei gesprochen hast, beweisen nicht nur diese Aufzeichnungen aus dem Nationalrat, sondern zeigst du heute noch mit dem unermüdlichen Elan und Einsatz in deiner Bezirkspartei in Döbling", sagte Barbara Novak, die in ihrer Funktion als Bezirksfrauenvorsitzende in der SPÖ Döbling mit Erika Seda auch politisch zusammenarbeiten darf.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hielt die Laudatio

Als Überraschungsgast wurde Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek eingeladen. Sie hielt die bewegende Laudatio auf die einstige Politikerin, die maßgebliche Wegbereiterin der österreichischen Frauenbewegung in den 1970er Jahren war und bedeutende politische Reformen im Familien- und Frauenrecht durchsetzte.

"Wer die Geschicke Österreichs, mit dem eigenen Leben und dem eigenen politischen Engagement mitbestimmt hatte, hat viel zu erzählen, " begann die Bundesministerin ihre Laudatio, "Als du Erika, Barbara Novak und Julia Danielczyk vor zwei Monaten zu mir kamt, hab ich eine Vision für mich gefunden: wenn ich 90 Jahre alt werde, wäre ich so gerne wie du!" Auf die Frage von Erika Seda, ob jemand diese Buch überhaupt lesen würde, antwortete die Frauenministerin: "Du hast historisch bedeutend nicht nur dein eigenes Leben darin erzählt. Auf der einen Seite schilderst du das Ende der 1. Republik und die Gräuel des Zweiten Weltkrieges in Österreich, die du hautnah miterleben musstest, auf der anderen Seite erzählst du, wie du an dem Wiederaufbau Europas politisch mitgewirkt hattest. Das ist nicht nur ein Stück Zeitgeschichte, sondern ein großes Stück Frauenpolitik, das du uns in deinen Memoiren mitgibst."

"Mark- und Meilensteine" für die österreichische Frauenbewegung

Erika Seda entschied sich in jungen Jahren ganz bewusst für ein Leben als Hausfrau. Die gläubige Altkatholikin heiratete 1947 und bekannte sich, akademisch gebildete Hausfrau zu sein. Die selbstgewählte Berufsbezeichnung steht sogar in ihrer Biografie auf der Homepage des österreichischen Parlaments geschrieben. Ihr erworbenes Wissen aus ihrem Chemie- und Rechtswissenschaftsstudium wendete sie in ihrer politischen Laufbahn an. "Du hast ganz wichtige Mark- und Meilensteine der Österreichischen Innenpolitik festgelegt, indem du die Familienrechtsreform (1975) initiiert und politisch mitbestimmt hast", betont Heinisch-Hosek. Zudem ermöglichte Erika Seda in den sogenannten "90 Tagen" zur Fristenlösung, dass Frauen über ihren eigenen Körper selbst entscheiden konnten. Das gesetzliche Abnabeln der Frau von ihrem Haushaltsvorstand, dem Familienerhalter, stand für Erika Seda auf höchster frauenpolitischer Priorität. Durch Maßnahmen wie die Einführung der Individualbesteuerung (1973) und der Gütertrennung nach der Scheidung (1980) stand es Ehemännern nicht mehr zu, darüber zu entscheiden, ob Frauen arbeiten dürfen oder nicht. "Von diesen politischen Entscheidungen zehren wir heute noch. Wir junge und mitteljunge Frauen stehen auf den Schultern dieser Riesinnen, die dies damals beschlossen hatten," spricht Heinisch-Hosek ihre Bewunderung aus.

"Wenn jetzt noch die Gschroppen der Ehebrecherinnen etwas erben dürfen"

Das Zitat, das den Titel des Buches trägt, "Ich bin eine gefährliche Frau" bestätigt, dass Erika Seda, sich nie ein Blatt vor dem Mund genommen hat. Am Ende der Laudatio zitierte die Frauenministerin eine Stelle aus dem Buch zum Thema Rechte für uneheliche Kinder, die zeigt, wie schlagfertig Erika Seda auf die Reaktionen und Zwischenrufe ihrer politischen Mitstreiter reagierte:
"Die Herrn Abgeordneten riefen zu mir nach vorne: das wäre ja noch schöner, wenn jetzt noch die Gschroppen der Ehebrecherinnen auch etwas erben dürfen. Und das war natürlich ungeheuerlich. Ich sagte, meine Herren, wie heißt es in der Bibel bei der Steinigung der Ehebrecherin so schön, wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."

Nach der Lesung von Dr.in Julia Danielczyk wurde das ursprünglich geplante Honorar für die Herausgeberinnen in Form eines Schecks des Carl Gerold's Sohn Verlags an die Volkshilfe gespendet. Anschließend bedankte sich Sedas Familie für den Einsatz von Barbara Novak und Julia Danielczyk für das Zustandekommen dieses Buches. Der Abend wurde schließlich mit dem gemeinsamen Singen des Lieds "Brot und Rosen" abgerundet.

Erika Seda - Sichtlich überwältigt mit persönlichem Wunsch

Politische WegbegleiterInnen wie Dr. Beatrix Eypeltauer, ehemalige Nationalratsabgeordnete und Staatssekretärin im Bundesministerium für Bauten und Technik (bis 1987), sowie der damalige Bundesminister für Inneres (bis 1983) und Verkehr (bis 1977) Erwin Lanc gratulierten Erika Seda, die sichtlich überwältigt von den 180 BesucherInnen war, die anlässlich ihres Geburtstages in das Bruno Kreisky Forum gepilgert waren.

Trotz des Buches als Geburtstagsgeschenk äußerte sie an diesem Abend noch ihren persönlichen Wunsch: "In der Zeit des Triumvirats Bruno Kreisky, Willy Brandt und Olaf Palme war man stolz darauf, Sozialdemokratin gewesen zu sein. Nur derzeit sind wir in einem sozialdemokratischen Tief und es tut mir leid zu sehen, wie unsere Werte verflachen. Jeder will nur mehr Macht und mehr Geld. Aber trotz meines Alters bin ich eine Optimistin, denn nach jedem Tief kommt auch ein Hoch. Dafür bedarf es Persönlichkeiten, die ernsthaft, ehrlich und glaubwürdig daran arbeiten, eine gerechte und bessere Zukunft für Menschen dieses Landes zu schaffen. Solche Persönlichkeiten wünsche ich mir zu meinem 90. Geburtstag. In diesem Sinne danke ich Ihnen, den Initiatoren und den Gestaltern dieses Abends."

Fotos (C) Ludwig Schedl:
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