- 29.04.2013, 09:47:51
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: USA und Japan treiben die EZB vor sich her - von Andreas Wolf
In der Zinspolitik reagiert die EZB mehr, als sie agiert
Utl.: In der Zinspolitik reagiert die EZB mehr, als sie agiert =
Wien (OTS) - Wenn man etwas von den Amerikanern immer wieder lernen
kann, dann ist die erfolgreiche Vermarktung. In der Regel ist es
völlig egal, wie gut oder schlecht ein Produkt ist; preist man es nur
überzeugend genug an, kann es ein Verkaufschlager werden. In Sachen
Notenbankpolitik war der frühere Chef der Federal Reserve, Alan
Greenspan, da ein Meister seines Faches. Er beschäftigte die
Finanzmärkte nicht nur mit seiner scharfen Rhetorik, sondern sorgte
zugleich dafür, dass die divergierenden Meinungen im Board (Vorstand)
der US-Notenbank nicht zur Verwirrung der Marktteilnehmer führte.
Mithin war unter dem Strich fast immer ein Leitfaden und eine klare
Marschroute erkennbar.
Auch bei Ben Bernanke scheint sich dies nach anfänglichen
Schwierigkeiten in einem schwieriger gewordenen Umfeld analog zu
entwickeln. Zwar sind auch häufiger abweichende Meinungen zur
dominierenden Linie der Notenbankpolitik aus dem Führungszirkel
seitens einzelner Mitglieder zu vernehmen. Aber am Ende des Tages
gilt das Wort von Bernanke.
Der EZB scheint hingegen dieser Leitfaden nach wie vor zu fehlen.
Zwar gelang es Notenbankchef Mario Draghi im Sommer vergangenen
Jahres, mit seiner Garantieerklärung für den Bestand des Euros
zunächst ein Ausrufungszeichen zu setzen, dennoch kann man sich des
Eindrucks nicht erwehren, dass in Europa nach wie vor mehr reagiert
statt agiert wird. Sicher bleibt die oberste Priorität für die
Notenbanker die Sicherung der Geldwertstabilität. Aber diese erreicht
man weder durch zögerliches Handeln noch unklare Kommunikation.
Zwar wünschen sich die von der Deutschen Bundesbank gestellten
Mitglieder im Vorstand der EZB eher eine strengere als eine lockere
Geldpolitik, das widerspricht allerdings dem aktuellen ökonomischen
Zustand Europas. Die Amerikaner hingegen bieten den Europäern neben
ihrem entschlossenen Handeln auch immer wieder Chancen, durch
intensivere Kommunikation eine bessere Abstimmung zwischen den
jeweiligen Notenbanken zu schaffen. Doch wenn die Europäer nicht mit
einer Stimme sprechen, nutzt dies herzlich wenig. Das aktuelle
Taktieren um eine mögliche weitere Zinssenkung ist dann auch weniger
eine Option des Handelns als erneut ein Reagieren auf ökonomische
Zwänge in Europa. Während man in Japan und den USA damit das Heft des
Handelns in der Hand hält, debattiert man in Frankfurt weiter
wissenschaftlich. Auch damit trägt man zur Unsicherheit in Europa
bei.
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