Von EU kolportierte "vereinfachte Zulassung" dennoch unüberwindbare Hürde für alte und seltene Sorten

GLOBAL 2000 und ARCHE NOAH, die NGOs hinter www.freievielfalt.at, nehmen Stellung zu den jüngsten Aussagen der EU-Kommission

Wien (OTS) - Die EU-Kommission hat am gestrigen Mittwoch Medienberichte über die Regulierungspläne für Obst- und Gemüseanbau zurückgewiesen und betont, dass PrivatgärtnerInnen entsprechend des Verordnungsentwurfes ihr Saatgut auch in Zukunft wie bisher verwenden können. Iga Niznik, Referentin bei ARCHE NOAH, stellt hierzu klar:
"Der Verordnungsentwurf regelt die Weitergabe von Saatgut und Pflanzgut, nicht den Anbau. Insofern hat die Kommission in ihrer Zurückweisung entsprechender Berichte zwar recht, auf die eigentliche Kritik an der Verordnung wird jedoch nicht eingegangen."

Das Argument, dass PrivatgärtnerInnen auch weiterhin Saatgut weiterschenken oder tauschen dürfen, entkräftet die schweren Mängel im Verordnungsentwurf nicht. Heidemarie Porstner von GLOBAL 2000 führt aus: "Es stimmt, dass Privatpersonen von dieser Verordnung nicht betroffen sind - Landwirten jedoch droht eine Verwaltungsstrafe, wenn sie Saatgut von nicht zugelassenen Sorten weitergeben oder verschenken. Selbst der kleinste Nebenerwerbsbauer wäre davon betroffen."

Die EU-Kommission hat in ihrer gestrigen Aussendung außerdem behauptet, dass es eine vereinfachte Zulassung geben soll. "Faktum ist: Die vereinfachte Zulassung im letzten offiziell verfügbaren Entwurf der DG Sanco diskriminiert die alten und seltenen Sorten und stellt eine biologische Barriere auf. Die "Zulassung light" steht nur jenen Sorten offen, die bis zum Tag des Inkrafttretens der Verordnung auf dem Markt waren", sagt Niznik. Das bedeutet, dass alle alten Sorten, von denen man das nicht nachweisen kann, oder die nicht beschrieben sind, von der vereinfachten Zulassung ausgeschlossen sind - genauso wie neue Sorten (Kreuzungen von alten Sorten) und Neuentdeckungen. Sie müssen laut dem Entwurf alle das Verfahren für Industriesorten bestehen - können es aber aus biologischen Gründen nicht.

Bereits über 117.000 Personen haben in den vergangenen zehn Tagen die Online-Petition "Freiheit für die Vielfalt" (www.freievielfalt.at) von GLOBAL 2000 und der ARCHE NOAH unterschrieben. "Diese Unterstützung aus der Bevölkerung bestätigt uns in unserer Arbeit. Wir dürfen unser Essen nicht den Saatgutkonzernen überlassen. Die Bedrohung der biologischen Vielfalt ist eine Bedrohung für die Menschen und die Umwelt", sagt Heidemarie Porstner abschließend.

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