Prestigeprojekt Medizinische Universität Linz

Die ÖH Medizin Wien schließt sich der Uniko an und fordert die Regierung auf sich mit den Bedenken der Experten auseinanderzusetzen.

Wien (OTS) - Derzeit fließt ein Drittel des Hochschulbudget in die drei öffentlichen Med. Unis, dennoch klagen diese Universitäten über einen finanziellen Engpass. Durch die Errichtung einer weiteren medizinischen Fakultät würde sich die finanzielle Lage der bereits bestehenden Unis drastisch verschlechtern, so Christian Orasche, Vorsitzender der ÖH Medizin Wien.

Hauptargument des oberösterreichischen Prestige-Projekts für eine weiter medizinische Bildungseinrichtung ist der drohende Ärztemangel, der aber bisher in einer EU-weiten Studie nicht festgestellt werden konnte. Österreich hat pro Kopf sogar weit mehr Ärzte als Deutschland.

In den letzten Jahren ist es jedoch tatsächlich schwerer geworden Kassenstellen nachzubesetzen oder Turnusärzte zu finden. Dies liegt aber nicht an der Zahl der Ärzte oder Absolventen, viel mehr liegt die Ursache in der sinkenden Bereitschaft der Jungmediziner als Systemerhalter zu arbeiten.

In Österreich ist es Brauch, dass vor dem Beginn einer Facharztausbildung der Turnus absolviert werden muss. Dazu gibt es aber keinerlei rechtliche Grundlage. Der Turnus, der eigentlich die Ausbildung zum Allgemeinmediziner darstellt, ist eine eigenständige Ausbildung. Leider werden aber die meisten Ausbildungsstellen zum Facharzt nur mit abgeschlossenem Turnus angeboten, dies führt zu einer Verlängerung der Ausbildung um bis zu drei Jahren. In anderen EU-Staaten kann man direkt mit der Facharztausbildung starten, was für viele Absolventen der Med. Unis klarerweise viel besser erscheint. Allein in den letzten sieben Jahren sind 2135 Absolventen für die weitere Ausbildung nach Deutschland gegangen.

Die Lösung dieser Causa liegt in der Neugestaltung der Ausbildungs- und Jobsituation und nicht in der Vermehrung der Absolventenzahlen. Um unsere Absolventen in Österreich zu halten muss es ernsthafte Reformen zur postgraduellen Ausbildung geben, damit neue Zukunftsperspektiven und attraktivere Arbeitsbedingungen in Österreich geschaffen werden, so Referentin für Bildungspolitik Abelina Zimba. Obwohl schon seit Jahren diskutiert, scheint es für unsere Politiker einfacher und billiger, zur Symptombekämpfung eine neue Med. Uni zu gründen als an dem Grundproblem der Abwanderung der Mediziner, dem Systemerhalterjob "Turnusarzt", etwas zu verändern.

Rückfragen & Kontakt:

Christian Orasche
Vorsitzender der ÖH Medizin Wien
Tel.: 0676/5048069
christian.orasche@uv-medizin.at

Abelina Zimba
Bildungspolitische Referentin der ÖH Medizin Wien
Tel.: 0660/1424750
abelina.zimba@uv-medizin.at

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