- 16.04.2013, 10:08:49
- /
- OTS0067 OTW0067
EU-Saatgutverordnung bedroht die Vielfalt auf Österreichs Feldern!
GLOBAL 2000 und ARCHE NOAH warnen vor den Gefahren der EU-Saatgutverordnung.
Utl.: GLOBAL 2000 und ARCHE NOAH warnen vor den Gefahren der
EU-Saatgutverordnung. =
Wien (OTS) - Derzeit entsteht in Brüssel eine neue
EU-Saatgutverordnung. GLOBAL 2000 und ARCHE NOAH schlagen Alarm: Hohe
Gebühren, amtliche Prüfungen, unmögliche Zulassungsverfahren - wenn
die Pläne der EU-Kommission aufgehen, werden aufgrund unüberwindbarer
bürokratischer Hürden viele der heimischen seltenen und alten Sorten
von Obst, Gemüse und Getreide für immer aussterben. Ab heute können
BürgerInnen eine Petition unterschreiben.
Wien, 16.4.2013 - Uralte Kirschen, seltene Zucchini, die Tomate aus
Omas Garten - viele dieser Köstlichkeiten könnten bald für immer weg
sein. "Die neue EU-Saatgutverordnung drängt seltene und alte Sorten
von Gemüse, Obst und Getreide in die Illegalität", sagt Iga Niznik,
Referentin bei ARCHE NOAH, dem Verein zur Erhaltung und Verbreitung
der Kulturpflanzenvielfalt, bei der heutigen Pressekonferenz in Wien:
"Wenn die Pläne der EU-Kommission so umgesetzt werden, werden viele
unserer lokalen Sorten von Obst, Gemüse und Getreide für immer
aussterben. Auch ein so hocherfolgreiches Projekt wie ARCHE NOAH
selbst wäre in der Erfüllung seiner Mission stark beeinträchtigt."
ARCHE NOAH und die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 haben die
inoffiziellen Entwürfe der EU-Kommission zum neuen
Saatgutverkehrsrecht analysiert. Heidemarie Porstner, Agrarsprecherin
von GLOBAL 2000, erklärt: "Bei der Weitergabe von Saatgut wird es zu
massiven Einschränkungen kommen, die administrativen Auflagen sollen
genauso für den großen Saatgutkonzern und den kleinen
Nebenerwerbsbauern gelten." Um weitergegeben werden zu dürfen, sollen
seltene und bäuerliche Sorten künftig den gleichen
Zulassungsverfahren unterzogen werden wie Industriesorten. Niznik
ergänzt: "Nur: Seltene Sorten können diesen Test aus biologischen
Gründen nicht bestehen und wären damit von der Weitergabe
ausgeschlossen. Es handelt sich hier klar um eine unzulässige
Diskriminierung, die unsere alten und seltenen Sorten von Gemüse,
Obst und Getreide de facto illegalisiert." Zudem bedeutet das
Zulassungsverfahren Kosten und hohen Zeitaufwand.
BäuerInnen und GärtnerInnen, die selbst vermehrtes Saatgut auf einem
Markt ohne Sortenzulassung trotzdem wei1tergeben wollen, droht ein
Verwaltungsstrafverfahren. Selbst kleine Landwirte dürfen Saatgut
ohne Zulassung künftig nicht einmal herschenken. "Einer Bäuerin, die
vielleicht einem Freund ein paar Tomatensamen schenken will, droht
mit der neuen Verordnung eine Verwaltungsstrafe. Das ist neben der
Gefahr des Aussterbens von Obst- und Gemüsesorten wahrscheinlich die
größte Absurdität", fasst Niznik zusammen. Die Überarbeitung des
europäischen Saat- und Pflanzgutverkehrsrechts läuft bereits seit dem
Jahr 2008. Aus den über 12 EU-Richtlinien wird nun eine EU-Verordnung
- das bedeutet, dass es bei der Umsetzung keine nationalen Spielräume
mehr gibt. Der endgültige Vorschlag der EU-Kommission wird derzeit
für Mitte 2013 erwartet. Dann müssen das EU-Parlament und der Rat den
Entwurf erörtern und darüber abstimmen. Derzeit besteht noch die
Chance, den EU-Abgeordneten und den Ministern klarzumachen, dass sie
die EU-Saatgutverordnung stark verbessern müssen.
Für Heidemarie Porstner von GLOBAL 2000 sind die derzeitigen
Vorschläge "inakzeptabel. Die Vielfalt an Nutzpflanzen ist eine
Grundlage unseres Lebens. In den vergangenen hundert Jahren haben wir
weltweit etwa 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Vielfalt
verloren. Wir brauchen die Vielfalt. Sie sichert, dass unsere
Landwirtschaft sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann.
Über Jahrhunderte hat sich gezeigt, dass alte und seltene Sorten
Resistenzen gegen Schädlinge aufbauen konnten."
Die EU-Saatgutverordnung, wie sie derzeit inoffiziell im Raum steht,
fördert die Konzentration von Saatgut in den Händen weniger
multinationaler Konzerne. "Die Nutznießer sind wieder mal die
Agrarkonzerne", sagt Agrarexpertin Porstner: "Während KonsumentInnen,
GärtnerInnen und LandwirtInnen durch die drohende Gesetzeslage von
der Vielfalt abgeschnitten werden sollen, können Agrarkonzerne
bestimmen, was unsere Landwirte anbauen, und was auf den Tellern der
Menschen landet. Das bedeutet noch weniger Vielfalt und noch mehr
Abhängigkeit." Aktuell dominieren die zehn größten Agrarkonzerne
bereits 75 Prozent des Saatgutmarktes.
GLOBAL 2000 und ARCHE NOAH haben eine Petition ins Leben gerufen, die
ab heute auf www.freievielfalt.at unterzeichnet werden kann. Darin
werden Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich und die
EU-Abgeordneten dazu aufgefordert, eine EU-Saatgutverordnung zu
erwirken, die die Vielfalt zulässt und die seltenen und alten Sorten
nicht in die Illegalität treibt. Das bedeutet: Keine verpflichtende
Sortenzulassung und Zertifizierung für samenfestes Saat- und
Pflanzgut. Der Austausch von Saat- und Pflanzgut muss legal bleiben.
Die Verordnung muss sich auf den Handel mit Saat- und Pflanzgut zum
Zweck der kommerziellen Nutzung und oberhalb bestimmter Mengen
beschränken.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GLL






