- 12.04.2013, 17:04:31
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Das große Geheimnis"
Ausgabe vom 13. April 2013
Utl.: Ausgabe vom 13. April 2013 =
Wien (OTS) - Von der mysteriösen Seite betrachtet ist ein Geheimnis
ein rational nicht erklärbares Ereignis oder ein Vorgang, der nicht
Eingeweihten unerklärlich bleibt. Das beschreibt die Debatte zum
Bankgeheimnis recht gut. Denn vieles ist rational nicht erklärbar,
und nur Eingeweihte kapieren, was da wirklich abgeht.
Mysteriös mutet die medial verbreitete Uneinigkeit der
Regierungskoalition an, die es in der Form nicht gibt. Die SPÖ nähert
sich dem Thema so: Wir verhandeln mit der EU über Meldepflichten von
Kontoständen, aber innerhalb Österreichs bleiben die Konten geheim.
Die ÖVP sagt: In Österreich bleiben die Konten geheim, aber mit der
EU verhandeln wir wegen der Meldepflichten an Finanzbehörden anderer
Länder.
Der einzige Unterschied besteht aus der Finanzministerin, die
Parteiobmann und Regierungslinie ignoriert - ein erstaunlicher
Vorgang.
Spätestens jetzt ist es Zeit, die Welt der Mysterien zu verlassen und
sich der profanen zuzuwenden. Fakt ist, dass in Österreich ein
zweistelliger Milliardenbetrag an ausländischem Vermögen liegt, das
vom Bankgeheimnis angelockt wurde. Ob es vor der eigenen Frau oder
dem Finanzamt verschleiert werden soll, ist irrelevant - dieses Geld
fühlt sich nur im Verborgenen sicher. Die Banken wollen aber weiter
damit arbeiten.
Nur leider, die Verhältnisse, die sind nicht mehr so. Die USA werden
- wie der Schweiz und in Kürze Luxemburg - auch Österreich ein
Datenaustausch-Abkommen aufs Auge drücken. Kein Abkommen, kein
US-Geschäft. Die USA haben den Dollar im Rücken, jeder wird klein
beigeben.
Mit der gerne zitierten Oma und ihrem Sparbuch fürs Enkerl hat das
alles nichts zu tun. Sie zahlt die KESt - vollautomatisch. Es hat
vielmehr zu tun - wieder einmal - mit der trotteligen europäischen
Art, nationale Eigenheiten in den Rang der Zehn Gebote zu heben. Wenn
sich die EU auf eine Harmonisierung der Besteuerung und auf
Mindest-Transparenz-Vorschriften einigte, wäre das alles kein Problem
mehr.
Und die EU könnte - mit den Euro-Milliarden im Rücken - auch
gegenüber den USA und deren Datenhunger forscher auftreten. Aber
leider, so ist es halt nicht. Die Briten sind, wie sie sind, Maria
Fekter ist, wie sie ist. Das lichtscheue Geld wird sich daher
weiterhin ein verborgenes Plätzchen suchen. Und es auch in Europa
finden, solange Politiker nicht über den nationalen Tellerrand
hinausblicken.
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