• 12.04.2013, 15:03:55
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"Granaten, Fahnen, Grenadiere" - Schätze aus dem historischen Zeughaus der Fürsten Esterházy"

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/4055 Im Bild
v.l.n.r. Dr. Florian Bayer (Leiter der Sammlung der Privatstiftung
Esterházy), Dr. Stephan Ottrubay (Generaldirektor Esterházy), Karl
Hohenlohe

Eisenstadt (OTS) - Die neue Ausstellung "Granaten, Fahnen,
Grenadiere" auf Burg Forchtenstein gewährt erstmals beeindruckende
Einblicke in eine der umfangreichsten privaten Zeughausbestände
Europas, die sich über drei Jahrhunderte erstreckt.

Die imposante Sammlung steht in enger historischer Verbindung zum
ersten Fürsten Esterházy, Paul I. (1635 - 1713), dessen Leben und
vielfältigem Wirken anlässlich seines 300. Todesjahres, ein
Jubiläumsjahr gewidmet wird. Seiner umsichtigen Sammelleidenschaft
ist die Begründung und Erhaltung der wertvollen Sammlung auf der Burg
Forchtenstein zu verdanken: "Ich habe auf Burg Forchtenstein eine
schöne Waffensammlung zusammengetragen, deren Wert sich mit den
Fahnen, Waffen, Kanonen, Mörsern und verschiedenen Raritäten auf
mehrere tausend Gulden beläuft; es ist würdig, dass diese hier
verbleibt und nicht entfremdet wird, denn im Falle eines Krieges ist
sie äußerst notwendig", hält Paul I. Esterházy in seinem Testament
fest.

Im Originalambiente des einstigen "Bollwerks" Forchtenstein -
einem der ältesten Museumsstandorte Mitteleuropas - werden nun in
zehn neugestalteten Ausstellungsräumen eine Vielzahl dieser
einzigartigen und kostbaren Exponate und Raritäten aus der
Esterházy'schen Militärgeschichte vom Dreißigjährigen Krieg bis in
das späte 19. Jahrhundert gezeigt.

GRANATEN. Explosive Zeiten

Eng mit dem Hause Habsburg verbunden, leisteten die Mitglieder der
Familie Esterházy ihren Beitrag an großen kriegerischen
Auseinandersetzungen - insbesondere an den Feldzügen gegen das
Osmanische Reich, dem "unglückliche(n) türkische(n) Krieg(...)", bei
dem "mehr als 10.000 Seelen" alleine in seiner Herrschaft zu Tode
kamen, wie Paul I. Esterházy, der maßgebliche Bauherr und Gestalter
von Burg Forchtenstein rückblickend berichtete.

Diese Auseinandersetzungen waren es auch, die eine rasante
Weiterentwicklung der Waffentechnik und Gerätschaften wie
Luntenschlossgewehre, Radschlosspistolen und Steinschlosskarabiner,
oder Pläne für Kriegsmaschinen, wie einen historischen
"Raketenwerfer" mit sich brachten. Vor allem aber die Entwicklung der
auf Burg Forchtenstein in einzigartiger Fülle erhaltenen
Glashandgranaten mit tückischer Wirkung, verdeutlichen in den ersten
Ausstellungsbereichen die Perfektionierung dieser Kampfmittel im
Verlauf von weniger als hundert Jahren.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Glashandgranaten - die
vermutlich in eigenen Esterházy Produktionsstätten am
Geschriebenstein hergestellt wurden - dokumentieren darüber hinaus
deren gezielten Einsatz: Die ausführenden "Granaten - Werfer"
schwebten ständig in Lebensgefahr, konnte doch die Wirkung der
explodierenden

Glashandgranate aufgrund ihrer Reichweite auch für ihren Werfer
verheerend sein. Auf Burg Forchtenstein blieben die Kampfmittel viele
Jahrzehnte einsatzbereit im Zeughaus - bereit für den
Verteidigungsfall, der aber nie eintrat. In den vergangenen Jahren
wurden zudem Glashandgranaten nachgebaut und mit Unterstützung des
Österreichischen Bundesheeres auch Sprengversuche über deren Wirkung
durchgeführt.

Eindrucksvolle Zeitzeugen der Esterházy'schen Militärgeschichte
stellen auch die ausgestellten Beutestücke aus der sogenannten
"Preußenbeute" - darunter Säbel, Karabiner, Füsiliermützen und Zelte,
wie ein Offizierszelt aus Seide oder ein Mannschaftszelt, an dem noch
heute die sichtbaren Kampfspuren seiner blutigen Erbeutung erkennbar
sind.

Außergewöhnliche Einzelstücke aus den Napoleonischen Kriegen, die
auf der Burg Forchtenstein über die Jahrhunderte erhalten blieben,
veranschaulichen die bedeutende Rolle der Familie Esterházy in der
europäischen Militärgeschichte: etwa ein unter gefährlichsten
Umständen von Esterházy'schen Soldaten aus den Händen der Franzosen
gerettetes Fahnenstück, meisterlich gefertigte Paradesäbel aus Silber
oder eine Säbelscheide eines englischen Marineoffizierssäbel, der aus
dem Besitz keines Geringerem als Lord Nelson stammen dürfte.

FAHNEN. Kostbare Symbole der Verbundenheit und Würdigung

Aus edelsten Stoffen gefertigt, mit den Landeswappen und Symbolen
aufwändig bemalt und bestickt haben die einzigartigen und kostbaren
Krönungsfahnen die Geschichte überdauert und werden erstmals seit
drei Jahrhunderten wieder gezeigt.

Aufgrund ihrer politischen Stellung und als Zeichen ihrer
Loyalität und politischen Abhängigkeit nahmen die höchsten Vertreter
des Hauses Esterházy an den Krönungszeremonien der habsburgischen
Kaiser zu ungarischen Königen in Pressburg und Ödenburg teil und
trugen dabei spezielle Landes-Fahnen. Von den 87 Fahnenträgern, die
in dieser Funktion bei den Königskrönungen zwischen 1563 und 1712
eingeteilt waren, stammten neun aus der Familie Esterházy.

Die älteste erhaltene originale ungarische Krönungsfahne, eines
der wertvollsten Stücke der Sammlung Privatstiftung Esterházy, wurde
1618 von Palatin Nikolaus Esterházy, dem Begründer der Schatzkammer
auf Burg Forchtenstein, bei der Krönung von Ferdinand II. getragen.
Die kostbare Fahne offenbart die älteste bekannte Darstellung der
ungarischen Stephanskrone - detailreich abgebildet in ihrem damals
vermutlich noch unversehrten Zustand, vor ihrer durch ein
Missgeschick hervorgerufenen Beschädigung, mit geradem Kreuz an ihrer
Spitze.

Die kroatische Krönungsfahne, die älteste erhaltene Landes-Fahne
Kroatiens, trug sein Sohn, Graf Ladislaus Esterházy, der nur 26jährig
in der Schlacht von Vezekény gegen die Türken ums Leben kam, 1647 bei
der Krönung von Ferdinand IV.

2013 erstmals zu sehen ist die serbische Krönungsfahne. Sie wurde
1655 vom späteren Fürst Paul I. Esterházy anlässlich der Pressburger
Krönung Kaiser Leopolds I. zum ungarischen Regenten mitgeführt.

GRENADIERE. Ehre, Rang und Repräsentation

Die Granaten - "Grenaden" - gaben den Grenadieren, also speziellen
Infanteriesoldaten ihren Namen. Grenadiere waren seit dem 17.
Jahrhundert als Schutztruppe auf Burg Forchtenstein stationiert. Die
uniformierte Welt der Truppen und Garden lässt sich in zwei
besonderen Schauräumen eindrucksvoll erfassen, die bereits Anfang des
19. Jahrhunderts als Museumsräumlichkeiten genutzt wurden.

Über 500 Husarensäbeltaschen aus napoleonischer Zeit und die
komplett erhaltene Ausrüstung der "Leopoldinen-Garde", eines
Ehrenzugs, der anlässlich der Hochzeit Leopoldines, Tochter von Fürst
Nikolaus II., 1806 ins Leben gerufen wurde, sind noch heute in
originaler historischer Aufhängung zu sehen.

Der kürzlich aufwendig restaurierte Gemäldezyklus an 34
Offiziersportraits des Husarenregiments könnte nicht
aufschlussreicher die strengen Uniformierungsregeln und -Traditionen
sowie die verschiedenartigen militärischen Ränge der damaligen
Esterházy Regimenter veranschaulichen. Eine eindrucksvolle
Präsentation der Husarensäbel sämtlicher Dienstgrade, vom Offizier
bis zu den einfachen Mannschaften, gibt Einblick in die
unterschiedliche repräsentative Symbolik.

Granaten, Fahnen, Grenadiere liefert eindrucksvolle Einblicke in die
imposanten Zeughausbestände mit einzigartigen Kostbarkeiten und
außergewöhnlichen Raritäten aus über dreihundert Jahren und macht den
Museumsstandort Burg Forchtenstein als ehemaliges Arsenal und
Originalschauplatz erfahrbar. Exponate werden, teils in historisch
rekonstruierter, "geballter" Aufhängung präsentiert und vermitteln
den BesucherInnen einen authentischen Einblick in das vielbestückte
Esterházy'sche Rüstdepot: Hohe Qualität in großer Zahl. -
Erlebniswelt Zeughaus.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/4055

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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