- 12.04.2013, 11:52:29
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Hundstorfer und Heinisch-Hosek präsentieren Armutsbericht - Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich stabil
Erwerbsarbeit ist der beste Schutz vor Armut - Kinderbetreuung ausbauen, um Frauenarmut zu verringern
Utl.: Erwerbsarbeit ist der beste Schutz vor Armut - Kinderbetreuung
ausbauen, um Frauenarmut zu verringern =
Wien (OTS/BMASK) - Sozialminister Rudolf Hundstorfer und
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentierten heute die
aktuelle Studie zur Armutsgefährdung und sozialer Ausgrenzung der
Statistik Austria "Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich".
Grundlage dafür bildet die jährlich von Statistik Austria im Auftrag
der EU und des BMASK durchgeführte Erhebung EU-SILC, welche die
Einkommen und Lebensbedingungen in der Europäischen Union
dokumentiert. "Die Armuts-und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich
bleibt stabil", so die beiden Minister. "Der Schlüssel zu weniger
Armut ist und bleibt Erwerbsarbeit. Wir müssen uns weiter intensiv um
Beschäftigung sowie angemessene Wohn- und Lohnbedingungen bemühen und
Rahmenbedingungen für Beschäftigung wie qualitativ hochwertige
Kinderbetreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten schaffen",
zeigten sich die Hundstorfer und Heinisch-Hosek überzeugt. Zudem
unterstützen die beiden Minister die Forderung der
Arbeitnehmervertreter nach einem Mindestlohn in der Höhe von 1.500
Euro brutto. ****
Österreich erfüllt das EU-2020 Sozialziel
Trotz der weiterhin anhaltenden sozialen Folgen der Krise konnte
die Gesamtzahl der Zielgruppe der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten
(armutsgefährdete, erheblich materiell deprivierte Personen,
erwerbslose Haushalte) seit 2008 bereits um 125.000 Personen
verkleinert werden. "Österreich ist damit auf einem guten Weg, das
für 2018 angestrebte Ziel einer Reduktion um 235.000 Personen zu
erreichen. Österreich zählt zu den wenigen Staaten in der EU, die das
EU-Vorhaben einer Verringerung der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung
auch tatsächlich umsetzen", sagte der Sozialminister.
Die Anzahl der armutsgefährdeten Personen stieg zwar leicht an
(12,6 Prozent der Gesamtbevölkerung), jedoch ist die Zahl der
erheblich materiell deprivierten Personen (die sich bestimmte
Grundbedürfnisse finanziell nicht leisten können) seit 2008 um nahezu
die Hälfte um knapp 200.000 Betroffene zurückgegangen.
Die mehr als eine Million Armutsgefährdeten haben ein Einkommen unter
der Armutsgefährdungsschwelle, die 2011 bei 1.066 Euro monatlich
(12x jährlich) für einen Einpersonenhaushalt liegt. Seit 2008 stiegen
der Armutsgefährdungsschwellenwert und damit auch der Lebensstandard
der meisten Armutsgefährdeten kontinuierlich an.
Allerdings ist ein sich vergrößernder Abstand der Medianeinkommen von
Armuts- und Nicht-Gefährdeten auf 19 Prozent im Jahr 2011
festzustellen. Ein Grund hierfür liegt darin, dass sich die
Erwerbsintegration für bestimmte Gruppen weiterhin schwierig
gestaltet: Die Zahlen der Langzeitbeschäftigungslosen und vor allem
der Erwerbsfernen konnten noch nicht auf das Vorkrisenniveau gesenkt
werden.
Steigende Wohnkosten sind wachsendes Problem
"Der hohe Wohnungsaufwand - gemessen am verfügbaren
Haushaltseinkommen - ist ein wachsendes Problem", so Hundstorfer. 19
Prozent der Gesamtbevölkerung und zwei Drittel der Armutsgefährdeten
mussten mehr als ein Viertel ihres Haushaltseinkommens für Wohnen
aufwenden, deutlich mehr als im Jahr 2008.
40 Prozent der MieterInnen geben mehr als ein Viertel ihres
Einkommens für Wohnen aus. Der durchschnittliche monatliche
Wohnaufwand einer Familie mit zwei Kindern in einer Mietwohnung liegt
bei 800 Euro. Die Wohnkosten sind deutlich stärker als die generelle
Inflationsrate gestiegen.
Erwerbsarbeit wirkt armutsvorbeugend, einige Gruppen benötigen
zusätzliche Hilfen
Ein Fokus der diesjährigen Berichterstattung liegt auf Personen,
die trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet sind. Ca. fünf Prozent der
Erwerbstätigen (200.000 Personen) haben trotz Erwerbsarbeit ein
Haushaltseinkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Insgesamt
leben 470.000 Personen in Haushalten, die trotz Erwerbstätigkeit
armutsgefährdet sind. Im europäischen Vergleich ist die Gruppe der
armutsgefährdeten Erwerbstätigen in Österreich jedoch relativ klein,
was nicht zuletzt auf den hohen Anteil kollektivvertraglich
geregelter Erwerbsverhältnisse und die Sozialleistungen Österreichs
zurückzuführen ist", unterstrich der Minister.
Die armutsmindernden Effekte von Erwerbsarbeit zeigen sich
besonders in Haushalten mit Kindern: In Mehrpersonenhaushalten mit
einem Kind reduziert sich die Armutsgefährdungsquote bei
Erwerbstätigkeit der Frau von 14 Prozent auf vier Prozent, bei
Haushalten mit zwei Kindern von 21 Prozent auf sechs Prozent, bei
Haushalten mit drei oder mehr Kindern von 39 Prozent auf 18 Prozent
und in Ein-Eltern-Haushalten von 57 Prozent auf 18 Prozent. "Der
beste Schutz gegen Armut ist eine eigene Arbeit. Und zwar eine
Vollzeitarbeit, denn Teilzeit kann zur Armutsfalle werden", so die
Frauenministerin. Die relativ hohe Armutsgefährdungsquoten von
erwerbstätigen AlleinerzieherInnen und von kinderreichen Familien mit
einer erwerbstätigen Mutter weisen auf die Notwendigkeit hin, neben
einer weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen von Familie und
Beruf und einer angemessenen Entlohnung im Niedriglohnbereich auch
die sozialpolitischen Anreize für Erwerbtätigkeit noch stärker
auszubauen. "Es braucht mehr und bessere Kinderbetreuungsplätze.
Unser Modell dazu liegt auf dem Tisch, es ist kostenneutral und würde
150 Millionen pro Jahr für den Ausbau der Kinderbetreuung vorsehen.
Genau das braucht es, damit Frauen auch einer Arbeit nachgehen, von
der sie auch leben können", so Heinisch-Hosek.
In Österreich gibt es fünf Prozent Working Poor - "das sind fünf
Prozent zuviel", so Hundstorfer. In der der EU zählen neun Prozent
der Erwerbsbevölkerung zu den Working Poor. Österreich hat als
einziges Land sowohl eine verhältnismäßig geringe Arbeitslosenzahl
also auch eine geringe Zahl an Working Poor.
"Wir haben eine hohe Beschäftigungsquote, die niedrigste
Arbeitslosenquote und niedrigste Langzeitarbeitslosenquote Europas.
Aber auch bei uns steigt Arbeitslosigkeit", sagte Hundstorfer. Daher
gelte es, die erfolgreiche aktive Arbeitsmarktpolitik fortzuführen
und eine Wohnbauoffensive zu starten: diese schaffe leistbaren
Wohnraum und Arbeitsplätze und wirke somit doppelt gegen Armut,
betonten Hundstorfer und Heinisch-Hosek abschließend. (Schluss)
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