WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Modefarbe in der Wirtschaft ist Schwarz - von Andre Exner

Die ÖVP reagiert auf Stronach und gibt die Wirtschaft nicht her

Wien (OTS) - Eigentlich sollten wir Frank Stronach dankbar sein. Auch wenn viele seiner Ideen abenteuerlich anmuten - man denke nur an den eigenen Euro für jedes Mitgliedsland der Eurozone -, sie locken die ÖVP aus der Reserve. Die Volkspartei scheint in letzter Zeit mehr auf den Wirtschafts- als auf den Bauernbund zu hören und positioniert sich mit dem Verein "Anliegen für Österreich" einmal mehr als Wirtschaftspartei. Steuern senken, entbürokratisieren, Wettbewerb und Innovation fördern: Das sind Ansagen, die auch von anderen Parteien hin und wieder zu hören sind, doch mit dem Schulterschluss Dutzender prominenter Vertreter der heimischen Wirtschaftselite hinter ÖVP-Parteichef Michael Spindelegger werden die Schlagworte zu schwarzen Kernthemen erhoben. Anders formuliert: Eine Regierung, in der die ÖVP unter Spindelegger mitmacht, die aber die Steuern erhöht und die Bürokratie ausbaut, scheint nach diesem Testimonial nur schwer vorstellbar.

Mit ihren "Liebeserklärungen" zu Spindelegger lehnen sich die Wirtschaftskapitäne aber auch ganz weit aus dem Fenster. Nicht nur, weil wir erfahren, dass etliche Raiffeisen-Banker, der frühere Orange-Chef, die halbe Bau- und Immobilienbranche oder die DiTech-Gründer ein "schwarzes Herz" haben - das ist nur zum Teil überraschend -, sondern auch, weil sie der nächsten Regierung eine Art Blankoscheck ausstellen. Denn wer weiß, was uns die Eurokrise noch bringt, und ob nicht das eine oder andere Rettungspaket nur mit wirtschafts- und standortschädlichen Maßnahmen wie einer Not-Steuererhöhung finanzierbar sein wird.

Für ihr Engagement bekommen die Manager zunächst nichts, allerdings bringen sie sich damit sehr gut in Position: Nach den Wahlen wird es etliche Posten zu besetzen geben. Und unter den bekennenden Spindelegger-Fans befinden sich auffällig viele "Top-Manager auf Jobsuche"; allen voran Ex-Orange-Chef Michael Krammer, dem ja auch ein Job als Infrastrukturminister gut zu Gesicht stehen würde.

Auch eine Folge des Phänomens Stronach ist die Amerikanisierung der österreichischen Politik. In den USA sind solche Testimonials üblich; nicht nur Hollywoodstars, sondern auch viele Manager geben öffentlich bekannt, welchen Präsidentschaftskandidaten sie unterstützen. Mit dem Verein "Anliegen für Österreich" feiert hierzulande zudem das aktive Fundraising Premiere: Die Mitglieder müssen Beiträge zahlen und werden aktiv um Spenden gebeten. Das ist gut so, denn mehr Wirtschaftsliberalismus sollte man nicht mit Steuergeldern fordern.

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