• 10.04.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Modefarbe in der Wirtschaft ist Schwarz - von Andre Exner

Die ÖVP reagiert auf Stronach und gibt die Wirtschaft nicht her

Utl.: Die ÖVP reagiert auf Stronach und gibt die Wirtschaft nicht
her =

Wien (OTS) - Eigentlich sollten wir Frank Stronach dankbar sein. Auch
wenn viele seiner Ideen abenteuerlich anmuten - man denke nur an den
eigenen Euro für jedes Mitgliedsland der Eurozone -, sie locken die
ÖVP aus der Reserve. Die Volkspartei scheint in letzter Zeit mehr auf
den Wirtschafts- als auf den Bauernbund zu hören und positioniert
sich mit dem Verein "Anliegen für Österreich" einmal mehr als
Wirtschaftspartei. Steuern senken, entbürokratisieren, Wettbewerb und
Innovation fördern: Das sind Ansagen, die auch von anderen Parteien
hin und wieder zu hören sind, doch mit dem Schulterschluss Dutzender
prominenter Vertreter der heimischen Wirtschaftselite hinter
ÖVP-Parteichef Michael Spindelegger werden die Schlagworte zu
schwarzen Kernthemen erhoben. Anders formuliert: Eine Regierung, in
der die ÖVP unter Spindelegger mitmacht, die aber die Steuern erhöht
und die Bürokratie ausbaut, scheint nach diesem Testimonial nur
schwer vorstellbar.

Mit ihren "Liebeserklärungen" zu Spindelegger lehnen sich die
Wirtschaftskapitäne aber auch ganz weit aus dem Fenster. Nicht nur,
weil wir erfahren, dass etliche Raiffeisen-Banker, der frühere
Orange-Chef, die halbe Bau- und Immobilienbranche oder die
DiTech-Gründer ein "schwarzes Herz" haben - das ist nur zum Teil
überraschend -, sondern auch, weil sie der nächsten Regierung eine
Art Blankoscheck ausstellen. Denn wer weiß, was uns die Eurokrise
noch bringt, und ob nicht das eine oder andere Rettungspaket nur mit
wirtschafts- und standortschädlichen Maßnahmen wie einer
Not-Steuererhöhung finanzierbar sein wird.

Für ihr Engagement bekommen die Manager zunächst nichts, allerdings
bringen sie sich damit sehr gut in Position: Nach den Wahlen wird es
etliche Posten zu besetzen geben. Und unter den bekennenden
Spindelegger-Fans befinden sich auffällig viele "Top-Manager auf
Jobsuche"; allen voran Ex-Orange-Chef Michael Krammer, dem ja auch
ein Job als Infrastrukturminister gut zu Gesicht stehen würde.

Auch eine Folge des Phänomens Stronach ist die Amerikanisierung der
österreichischen Politik. In den USA sind solche Testimonials üblich;
nicht nur Hollywoodstars, sondern auch viele Manager geben öffentlich
bekannt, welchen Präsidentschaftskandidaten sie unterstützen. Mit dem
Verein "Anliegen für Österreich" feiert hierzulande zudem das aktive
Fundraising Premiere: Die Mitglieder müssen Beiträge zahlen und
werden aktiv um Spenden gebeten. Das ist gut so, denn mehr
Wirtschaftsliberalismus sollte man nicht mit Steuergeldern fordern.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

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