• 08.04.2013, 12:07:17
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Bures bei Gedenkveranstaltung am Westbahnhof: "Wir haben die Verantwortung, Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes wachzuhalten"

75 Jahre Erinnerung an den ersten Transport österreichischer Häftlinge in das KZ Dachau

Utl.: 75 Jahre Erinnerung an den ersten Transport österreichischer
Häftlinge in das KZ Dachau =

Wien (OTS/BMVIT) - Am 1. April 1938 erfolgte vom Westbahnhof aus der
erste Transport österreichischer Häftlinge in das Konzentrationslager
Dachau. 150 Österreicher aus allen Bevölkerungsschichten und aus
allen politischen und religiösen Lagern wurden in das KZ Dachau
verschleppt. Ihre einzige Schuld bestand in ihrem Bekenntnis zu
Österreich. Die KZ-Gemeinschaft Dachau und die Plattform
Österreichische Lagergemeinschaften erinnerten daran in einer
Gedenkveranstaltung und einer Kranzniederlegung am Wiener
Westbahnhof. Organisiert wurde die Gedenkveranstaltung von Prof.
Ernst Berger (Medizinische Universität Wien). ****

Verkehrsministerin Doris Bures, die so wie Andreas Matthä
(Vorstandsvorsitzender ÖBB-Infrastruktur-AG) und der Sänger und
Menschenrechtsaktivist Willi Resetarits teilnahm, freute sich ganz
besonders, dass mit Katharina Sasso und Erich Richard Finsches zwei
Zeitzeugen bei dieser Gedenkveranstaltung dabei sein konnten.

Die Ministerin erinnert in ihrer Ansprache daran, dass der
Nazi-Terror und der "Anschluss" "nicht unvermutet über Österreich
hereingebrochen" sei: "Schon zuvor im Jahr 1933 hatte Kanzler
Engelbert Dollfuß die österreichische Demokratie ausgeschaltet,
politische Gegner inhaftiert und die austrofaschistische Diktatur
installiert. Der österreichische Staat war im Frühjahr 1938 schon
sturmreif geschossen, mit den SozialdemokratInnen und KommunistInnen
waren überzeugte GegnerInnen des Faschismus bereits von Dollfuß und
Schuschnigg ausgeschaltet und in die Illegalität gedrängt worden. Die
Nazis hatten also leichtes Spiel, Österreich keine Gegenwehr
aufzubieten. Im Gegenteil, meist übertönte der Jubel über den
Einmarsch der deutschen Truppen den wütenden Widerstand seiner
GegnerInnen."

"1938 war eine entscheidende Zäsur für Österreich und wir müssen
daran, an die Vorgeschichte und an die Folgen immer wieder erinnern",
so Bures. Es sei wichtig, diese Phase der Zeitgeschichte besonders
intensiv zu erforschen. "Denn uns als Nachkommen trifft zwar keine
Schuld an den Ereignissen, wir haben aber eine Verantwortung. Wir
müssen die Erinnerung an die Opfer wachhalten, wir müssen zeigen,
dass hinter den unfassbaren Totenstatistiken Menschen, Leben,
Schicksale standen. Und wir müssen zeigen, dass auch die Täter aus
der Mitte der Gesellschaft kamen, ja dass die Gesellschaft in die
nationalsozialistischen Verbrechen involviert war oder davon Kenntnis
hatte."

Diese Verantwortung wahrzunehmen, war und ist für die
Verkehrsministerin ein besonderes Anliegen. "Deshalb habe ich mich
dafür eingesetzt, die Vergangenheit der österreichischen Bahn genau
zu untersuchen. Denn auch ihre Geschichte im Nationalsozialismus
zeigt das gesamte Spektrum unserer nationalsozialistischen
Vergangenheit. Tausende Bahnbedienstete sorgten auf der einen Seite
dafür, dass die Todeszüge ihre Ziele erreichten; aber auf der anderen
Seite gab es gerade unter den Eisenbahnern Widerstandszellen, deren
Mitglieder ihr Leben im Kampf gegen die Nazis aufs Spiel setzten und
oft auch verloren."

Ein Resultat dieser systematischen und sorgfältigen Untersuchung ist
die Ausstellung "Verdrängte Jahre". Dabei hob Bures besonders hervor,
dass es gelungen sei, auch die ÖBB-Lehrlinge ins Projekt
miteinzubinden. "Gerade die jüngeren Generationen müssen sich Wege
erarbeiten, unsere Geschichte in ihr Leben zu integrieren und somit
auch in Erinnerung zu behalten." Eine wesentliche Lehre aus der
Geschichte sei, dass es "um Demokratie geht, die in allen Lebenslagen
und auf allen Ebenen gefördert werden muss. Es geht um Solidarität,
es geht darum, für andere einzustehen. Es geht um gleiche Rechte für
alle. Und es geht um das Recht auf Diversität, um den Schutz von
Minderheiten."

"Deshalb bin ich froh über Initiativen wie die heutige", betonte
Bures, "denn nur eine Gesellschaft, die sich ihrer Vergangenheit und
ihrer Fehler und Irrwege bewusst ist, kann sich weiterentwickeln zu
einer Gesellschaft, in der Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität
leitende Prinzipien für den Weg in die Zukunft sind."

Die Ministerin dankte den Organisatoren der Gedenkveranstaltung,
insbesondere Professor Ernst Berger, und sie schloss "mit den
berühmten Worten einer mutigen Frau und Politikerin, die ich selber
noch kennenlernen durfte: Der Ausspruch von Rosa Jochmann 'Verzeihen
ja, aber niemals vergessen!' soll uns allen gleichermaßen Mahnung wie
Appell sein." (Schluss)

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