WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Elefant im rhetorischen Porzellanladen - von Beatrice Bösiger

Die EU und Russland verfolgen in Zypern gemeinsame Interessen

Wien (OTS) - Die wirtschaftliche Schieflage Zyperns brachte in den vergangenen Tagen auch das russisch-europäische Verhältnis aus der Balance - zumindest auf rhetorischer Ebene: Als "Elefant im Porzellanladen" bezeichnete Premier Dmitri Medwedew die EU und den Rettungsplan als "Diebstahl". Kaum weniger populistisch sind dagegen Reaktionen aus Europa, die die Rettung von Spareinlagen, welche russische Oligarchen auf der Mittelmeerinsel haben, durch europäische Steuerzahler verhindern wollen.

Seit der erneuten Wiederwahl Wladimir Putins zum Präsidenten ist der Ton zwischen Russland und der EU rauer geworden. Dabei haben gerade in wirtschaftlicher Hinsicht beide Seiten voneinander profitiert. So hat sich die EU in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Handelspartner Russlands entwickelt. Vice versa ist Russland der drittwichtigste Handelspartner der EU, nach den USA und China. Zudem stammen schätzungsweise drei Viertel der direkten Auslandsinvestitionen in Russland aus EU-Mitgliedsstaaten. Seit 1997 ist ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen Moskau und Brüssel in Kraft.

Dieses soll nun erneuert werden. Doch die seit mehr als vier Jahren dafür laufenden Verhandlungen kommen nicht wirklich auf einen grünen Zweig. Moskau will vor allem Visa-Erleichterungen für seine Bürger und stemmt sich gegen die Neuregelung des Energiebinnenmarktes, die dazu führen würde, dass die Kontrolle des Energiekonzerns Gazprom über die durch die EU führenden Pipelines eingeschränkt würde. Im Gegenzug fordert das EU-Parlament mehr Achtung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in Russland, bevor das neue Abkommen unterzeichnet werden kann.

Diese Kritik wird mit schöner Regelmäßigkeit wiederholt. Doch gerade der Fall Zypern zeigt, dass trotz rhetorischer Entgleisungen beide Seiten gemeinsame Interessen verfolgen. Kaum war das Rettungspaket seitens der EU verabschiedet, hat Moskau Zustimmung signalisiert, den bereits an Zypern vergebenen Kredit über 2,5 Milliarden Euro zu restrukturieren. Eine stabile Eurozone ist auch im Sinne Russlands. Nicht nur der Spareinlagen auf Zypern, sondern auch der eigenen Währungsreserven wegen. Diese hält die Zentralbank derzeit zu mehr als 40 Prozent in Euro.

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