• 27.03.2013, 11:18:12
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Bergoglio forderte im Vorkonklave radikalen Richtungswechsel

Redemanuskript veröffentlicht: Kirche geschütze Räume nicht verlässt, droht "theologischer Narzissmus"

Utl.: Redemanuskript veröffentlicht: Kirche geschütze Räume nicht
verlässt, droht "theologischer Narzissmus" =

Rom-Madrid, 27.03.13 (KAP) Wenige Tage vor seiner Wahl zum Papst hat
Kardinal Jorge Mario Bergoglio vor dem Kardinalskollegium in Rom zu
einer radikalen Neuorientierung der Kirche aufgerufen. Dies geht aus
einem Redemanuskript Bergoglios hervor, das der Kardinal von
Havanna, Jaime Lucas Ortega y Alamino, am Dienstag (Ortszeit) mit
Genehmigung des Papstes veröffentlichte. Die Rede hatte dem
Vernehmen nach für höchstes Aufsehen unter den etwa 150 Kardinälen
des Vorkonklaves gesorgt. Beobachter meinen, dass die Rede den
Ausschlag dafür gab, dass schon im ersten Wahlgang viele Stimmen auf
Bergoglio entfielen.

Die Madrider Zeitung "ABC" brachte in ihrer Mittwochausgabe ein
Faksimile des handschriftlichen Manuskripts. Es stellt eine
Zusammenfassung dar, um die Kardinal Ortega seinen
lateinamerikanischen Hirtenkollegen gebeten hatte. Er lieferte ihm
handschriftlich zwei Seiten.

Der Text beginnt mit der These, dass die Verkündigung des
Evangeliums der eigentliche Daseinszweck der Kirche sei. Daher sei
sie aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und sich an die
Grenzen der menschlichen Existenz vorzuwagen.

Hart urteilt Bergoglio in seiner Rede über Formen der klerikalen
Eitelkeit und über die Beschäftigung der Kirche mit sich selbst. Er
erklärte, wenn die Kirche nicht zu den Menschen hinausgehe, um hnen
das Evangelium zu verkünden, verfalle sie in eine Nabelbeschau
("Autoreferencialidad"), einem "theologischen Narzissmus". Sie
täusche dann nur noch vor, dass Jesus Christus in ihr sei. In
Wahrheit aber entferne sie sich von ihm.

Vielmehr müsse die Kirche aus ihren geschützen Räumen hinausgehen.
Sie müsse "an die Peripherie" gehen, um dort durch Taten und Worte
zu evangelisieren, so der Papst.

Letztlich gebe es nur zwei Kirchenbilder, betonte Bergoglio am Ende
seiner Rede: die Kirche, die Gottes Wort hört und es treu verkündet,
und eine "verweltlichte Kirche, die in sich, von sich und für sich
lebt". In diesem Licht müsse man "mögliche Veränderungen und
Reformen sehen, die notwendig sind für die Rettung der Seelen".

Mehr auf www.kathpress.at (forts. mgl.) fam/rme/

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