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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zypern muss sich jetzt völlig neu erfinden" (von Gerd Höhler)
Ausgabe vom 26.03.2013
Utl.: Ausgabe vom 26.03.2013 =
Graz (OTS) - Europa atmet auf. Nach einer nervenaufreibenden
Zitterpartie haben sich die Troika und Zypern in letzter Minute auf
ein Rettungskonzept geeinigt. Aber die Menschen in Zypern haben
keinen Grund zur Freude. Der Zusammenbruch des Bankensystems und der
Staatsbankrott wurden zwar abgewendet - aber um welchen Preis? Die
zweitgrößte Bank der Insel wird abgewickelt, das größte Geldinstitut
muss sich gesund schrumpfen. Dadurch gehen nicht nur bei den Banken
Tausende Arbeitsplätze verloren. Die zyprische Volkswirtschaft steht
vor einschneidenden Veränderungen.
Dass sich die Euro-Partner weigerten, die Laiki Bank mit europäischen
Steuergeldern zu retten, ist verständlich. So investierte die Bank
unter anderem rund drei Milliarden Euro, das gesamte Eigenkapital der
Bank, in griechische Staatsanleihen - ein unbegreiflicher Leichtsinn.
Beim griechischen Schuldenschnitt vor einem Jahr verlor die Laiki
infolgedessen rund 2,7 Milliarden Euro.
Aber die Abwicklung der Laiki und die geplante Zwangsabgabe auf große
Einlagen, mit der sich die Kunden der Bank of Cyprus an der
Rekapitalisierung des Instituts beteiligen sollen, sind
Entscheidungen, deren Tragweite noch gar nicht abzusehen ist. Das
Vertrauen in das zyprische Bankensystem wird damit zerstört. Als
Finanzplatz hat die Insel keine Zukunft mehr. Was an die Stelle der
Finanzdienstleistungen treten könnte, ist unklar.
Entwicklungsmöglichkeiten bietet zwar der Fremdenverkehr. Aber wer
kann in dieser Situation überhaupt in neue Hotels und
Tourismus-Infrastruktur investieren? Zyprischen Unternehmen fehlt das
Geld. Und ausländische Investoren werden in den nächsten Jahren einen
Bogen um Zypern machen. Der Exportsektor ist überdies
leistungsschwach. Selbst gesteigerte Ausfuhren könnten die Einbußen
in der Finanzwirtschaft nicht annähernd ausgleichen. Bleibt die
Hoffnung auf die Erdgas- und Ölvorräte, die vor den Küsten vermutet
werden. Aber ihr wahres Ausmaß ist unbekannt. Die Schätzungen über
den Wert der Bodenschätze gehen weit auseinander. Bis die Erlöse aus
der Förderung sprudeln, werden mindestens fünf bis sechs Jahre
vergehen.
Bis dahin droht Zypern ein tiefer Absturz. Die bevorstehende
Rezession könnte soziale Konflikte auslösen, die letztlich dazu
führen, dass Zypern Euro und EU den Rücken kehrt - was ja durch das
Hilfspaket gerade verhindert werden soll. Zypern ist klein, aber ein
solcher Schritt würde die Währungsunion erschüttern. Die Staatspleite
ist vorerst abgewendet. Gerettet ist die Insel noch lange nicht.****
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