Schönborn: Papst Franziskus wird Kurienreform gelingen

Kardinal bei Pressegespräch in Wien: Auch viele Kurienkardinäle müssen im Konklave für Bergoglio gestimmt haben - 76-jähriger Papst bringt "frischen Wind" in die Kirche

Wien, 21.03.13 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn ist überzeugt, dass Papst Franziskus die überfällige Reform der vatikanischen Kurie gelingen wird. Franziskus sei bei aller Herzlichkeit zugleich zielstrebig und konsequent und werden den von Papst Benedikt XVI. zum Teil begonnenen Weg weiterführen. Notwendig sei vor allem eine Reform der Struktur hin zu mehr horizontaler Kommunikation, sagte Schönborn. Das sei auch in den Diskussionen unter den Kardinälen bei den Generalkongregationen vor dem Konklave deutlich geworden.

Es habe auch eine Reihe von Vorschlägen gegeben, wie die Kommunikation unter Einbindung der Ortskirchen verbessert werden könne. Etwa durch regelmäßige Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen mit dem Papst, erklärte Schönborn: "Es braucht mehr gelebte Kollegialität und Synodalität."

Der Kardinal unterstrich, dass der Wunsch nach einer Reform auch von vielen Kurienmitarbeitern komme. Viele kompetente und höchst engagierte Mitarbeiter würden über den schlechten Ruf der Kurie klagen und wüssten selbst am besten über konkrete Defizite Bescheid. Schon rein aus mathematischen Gründen müsse es unter jenen Kardinälen, die Bergoglio zum Papst wählten, auch eine Reihe von Kurienkardinälen gegeben haben. Deshalb sehe er große Chancen, so Schönborn, dass die Reform gelingen werde.

Frischer Wind durch neuen Papst

Wie Schönborn weiter sagte, sei im Vorfeld der Papstwahl ein starker Zug zum Blick über Europa hinaus spürbar gewesen, auch wenn die Wahl Bergoglios dann doch eine Überraschung gewesen sei. Um die notwendige Zweidrittelmehrheit zu bekommen, "müssen die Wähler aber sehr breit gestreut sein", so Schönborn: "Bei sehr vielen war der Wunsch deutlich nach frischem Wind in der Kirche". Dass dieser frische Wind nun von einem 76-jährigen ausgehen soll, möge überraschen, Franziskus sei aber bekannt für seinen guten Draht zur Jugend und zu den Armen, sein Stehvermögen gegenüber der Politik und seine klaren Positionen in gesellschaftspolitischen Fragen.

Von Franziskus dürften auch neue Impulse für das Selbstverständnis des Papstamtes ausgehen, sagte der Kardinal. Er habe sich von Anfang an als "Bischof von Rom" präsentiert, erläuterte Schönborn. Das sei auch theologisch das solideste Grundverständnis des Papstamtes.

Den neuen Papst kennzeichne seine Nähe zu den Menschen, die Schlichtheit im Lebenswandel und eine tiefe Spiritualität, sagte Schönborn. In Rom herrsche große Freude bei den Menschen, ein "Frühlingswind des Evangeliums" wehe durch die Stadt. Wie der Papst nach dem Sonntagsgottesdienst in der Pfarre St. Anna allen Messbesuchern die Hand schüttelte mache diese neue Freude und den neuen Wind spürbar.

Keine Indizien für Nähe zur Militärjunta

Schönborn nahm in dem Pressegespräch auch zu den Vorwürfen gegenüber Bergoglio Stellung, dass dieser während der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien (1976-83) ein zu großes Naheverhältnis zum Regime gehabt haben soll. Zum einen verwies Schönborn auf Aussagen des 1976 von der argentinischen Militärdiktatur verschleppten und über Monate gefangen genommenen Jesuiten Franz Jalics (85). Dieser hatte erst Mittwoch erklärt, dass er und ein Mitbruder nicht vom damaligen Provinzoberen Jorge Mario Bergoglio angezeigt worden waren.

Ein weiteres Indiz, dass an den Vorwürfen gegenüber Bergoglios nichts dran sei: In den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbischof von Buenos Aires und der argentinischen Regierung habe letztere niemals diese Vorwürfe gegen den Erzbischof ausgespielt, was wohl bei einer vorhandenen Faktenlage der Fall gewesen wäre, verwies Schönborn auf entsprechende Überlegungen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

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