- 21.03.2013, 12:14:15
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Schönborn: Papst Franziskus wird Kurienreform gelingen
Kardinal bei Pressegespräch in Wien: Auch viele Kurienkardinäle müssen im Konklave für Bergoglio gestimmt haben - 76-jähriger Papst bringt "frischen Wind" in die Kirche
Utl.: Kardinal bei Pressegespräch in Wien: Auch viele
Kurienkardinäle müssen im Konklave für Bergoglio gestimmt
haben - 76-jähriger Papst
bringt "frischen Wind" in die Kirche =
Wien, 21.03.13 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn ist überzeugt,
dass Papst Franziskus die überfällige Reform der vatikanischen Kurie
gelingen wird. Franziskus sei bei aller Herzlichkeit zugleich
zielstrebig und konsequent und werden den von Papst Benedikt XVI.
zum Teil begonnenen Weg weiterführen. Notwendig sei vor allem eine
Reform der Struktur hin zu mehr horizontaler Kommunikation, sagte
Schönborn. Das sei auch in den Diskussionen unter den Kardinälen bei
den Generalkongregationen vor dem Konklave deutlich geworden.
Es habe auch eine Reihe von Vorschlägen gegeben, wie die
Kommunikation unter Einbindung der Ortskirchen verbessert werden
könne. Etwa durch regelmäßige Treffen der Vorsitzenden der
Bischofskonferenzen mit dem Papst, erklärte Schönborn: "Es braucht
mehr gelebte Kollegialität und Synodalität."
Der Kardinal unterstrich, dass der Wunsch nach einer Reform auch von
vielen Kurienmitarbeitern komme. Viele kompetente und höchst
engagierte Mitarbeiter würden über den schlechten Ruf der Kurie
klagen und wüssten selbst am besten über konkrete Defizite Bescheid.
Schon rein aus mathematischen Gründen müsse es unter jenen
Kardinälen, die Bergoglio zum Papst wählten, auch eine Reihe von
Kurienkardinälen gegeben haben. Deshalb sehe er große Chancen, so
Schönborn, dass die Reform gelingen werde.
Frischer Wind durch neuen Papst
Wie Schönborn weiter sagte, sei im Vorfeld der Papstwahl ein starker
Zug zum Blick über Europa hinaus spürbar gewesen, auch wenn die Wahl
Bergoglios dann doch eine Überraschung gewesen sei. Um die
notwendige Zweidrittelmehrheit zu bekommen, "müssen die Wähler aber
sehr breit gestreut sein", so Schönborn: "Bei sehr vielen war der
Wunsch deutlich nach frischem Wind in der Kirche". Dass dieser
frische Wind nun von einem 76-jährigen ausgehen soll, möge
überraschen, Franziskus sei aber bekannt für seinen guten Draht zur
Jugend und zu den Armen, sein Stehvermögen gegenüber der Politik und
seine klaren Positionen in gesellschaftspolitischen Fragen.
Von Franziskus dürften auch neue Impulse für das Selbstverständnis
des Papstamtes ausgehen, sagte der Kardinal. Er habe sich von Anfang
an als "Bischof von Rom" präsentiert, erläuterte Schönborn. Das sei
auch theologisch das solideste Grundverständnis des Papstamtes.
Den neuen Papst kennzeichne seine Nähe zu den Menschen, die
Schlichtheit im Lebenswandel und eine tiefe Spiritualität, sagte
Schönborn. In Rom herrsche große Freude bei den Menschen, ein
"Frühlingswind des Evangeliums" wehe durch die Stadt. Wie der Papst
nach dem Sonntagsgottesdienst in der Pfarre St. Anna allen
Messbesuchern die Hand schüttelte mache diese neue Freude und den
neuen Wind spürbar.
Keine Indizien für Nähe zur Militärjunta
Schönborn nahm in dem Pressegespräch auch zu den Vorwürfen gegenüber
Bergoglio Stellung, dass dieser während der Zeit der Militärdiktatur
in Argentinien (1976-83) ein zu großes Naheverhältnis zum Regime
gehabt haben soll. Zum einen verwies Schönborn auf Aussagen des 1976
von der argentinischen Militärdiktatur verschleppten und über Monate
gefangen genommenen Jesuiten Franz Jalics (85). Dieser hatte erst
Mittwoch erklärt, dass er und ein Mitbruder nicht vom damaligen
Provinzoberen Jorge Mario Bergoglio angezeigt worden waren.
Ein weiteres Indiz, dass an den Vorwürfen gegenüber Bergoglios
nichts dran sei: In den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen dem
Erzbischof von Buenos Aires und der argentinischen Regierung habe
letztere niemals diese Vorwürfe gegen den Erzbischof ausgespielt,
was wohl bei einer vorhandenen Faktenlage der Fall gewesen wäre,
verwies Schönborn auf entsprechende Überlegungen in der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung".
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