• 19.03.2013, 12:27:51
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Karlheinz Töchterle: Archäologie erweckt alte Kulturen wieder zum Leben

ÖAI-Direktorin Ladstätter informierte in gemeinsamem Pressegespräch über aktuelle Forschungsprojekte und bot Ausblick auf die Grabungssaison in Ephesos

Karlheinz Töchterle mit ÖAI-Direktorin Sabine
Ladstätter bei seinem Besuch der Ausgrabung in Ephesos im Juni 2012

Utl.: ÖAI-Direktorin Ladstätter informierte in gemeinsamem
Pressegespräch über aktuelle Forschungsprojekte und bot
Ausblick auf die Grabungssaison in Ephesos =

Wien (OTS) - "Die Archäologie erweckt alte Kulturen wieder zum
Leben", so Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz
Töchterle bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Dr. Sabine
Ladstätter, Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts
(ÖAI) und Leiterin der Ephesos-Grabung. Die "Wissenschaftlerin des
Jahres 2011" informierte über aktuelle Forschungsprojekte des ÖAI,
insbesondere auch über die Schwerpunkte der heurigen Grabungskampagne
in Ephesos. "Die Archäologie ist zweifellos eine unserer Stärken",
betonte Töchterle, der sich im Vorjahr sowohl im Inland (Carnuntum)
als auch Ausland (Ephesos) ein Bild der engagierten Arbeit der
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ÖAI gemacht hat.

"Von Seiten der Archäologie stehen für 2013 zwei Grabungsprojekte im
Zentrum unserer Aktivitäten", bot Sabine Ladstätter einen Ausblick
auf die Ephesos-Grabungskampagne: Einerseits die vom Europäischen
Forschungsrat (ERC) geförderten Ausgrabungen des Cukurici Höyük,
eines prähistorischen Tells, dessen Besiedlung bis in die Phase der
Sesshaftwerdung (der Jungsteinzeit) zurückgeht. Andererseits eine
etwa 1500 m2 spätantike Residenz südlich der Marienkirche, von der
bislang etwa ein Viertel ausgegraben werden konnte. Ausstattung und
Erhaltungszustand des Monuments sind hervorragend und erlauben genaue
Studien zur spätantiken Alltagskultur. In einem direkten Vergleich
können Veränderungen der antiken Lebenswelt von der römischen
Kaiserzeit (Hanghaus 2, 3. Jh.) bis in die mittelbyzantinische Zeit
(7. Jh.) nachvollzogen werden. "Besonders interessant und bislang
kaum erforscht ist zudem der Übergang von der spätantiken zur
spätbyzantinischen Zeit und damit die Veränderung einer antiken
Großstadt zu einem mittelalterlichen regionalen Zentrum", so
Ladstätter.

Ein weiterer Schwerpunkt der Grabung Ephesos ist die Geoarchäologie,
die in einem interdisziplinären Projekt zur Hafenlandschaft von
Ephesos verstärkt Einsatz findet. Zur Anwendung kommen
paläogeographische, geomorphologische, geophysikalische und
geologische Methoden, aber auch traditionelle archäotopographische
Analysen, um die komplexe Geschichte der Küstengeographie und damit
verbunden der zahlreichen Häfen von Ephesos zu rekonstruieren.
Zusammengefasst handelt es sich um eine einzigartige Hafenlandschaft,
bestehend aus Häfen unterschiedlicher Zeitstellungen, Kanälen, Kai-
und Pieranlagen und begleitenden Bauten (Leuchttürmen, etc.), die
sich über mehrere Jahrtausende erstreckte.

Eine große Herausforderung bleibt laut der Grabungsleiterin die
Sicherung des Monumentenbestandes. Eine Ruinenstätte wie Ephesos, die
seit nunmehr 118 Jahren ausgegraben und von Touristenmassen besucht
wird, braucht eine permanente Wartung und eine Sicherung der
Substanz. Zu diesem Zweck wurde ein Konsolidierungsprogramm ins Leben
gerufen, dass mit eigenen Arbeitern und ohne großen finanziellen
Aufwand bewältigt werde kann. Nichts desto trotz ist hier die
Unterstützung durch öffentliche und private Geldgeber gefordert.

Der Minister unterstrich den hohen Stellenwert der
Interdisziplinarität, die die historischen Aussagemöglichkeiten
verbreitert. In Ephesos sind bspw. neben der Archäologie und der
Prähistorie folgende weitere Disziplinen beteiligt: Anthropologie,
Archäobotanik, Archäozoologie, Architektur und Bauforschung,
Biologie, Byzantinistik, Chemie, Epigraphik, Fotografie, Genetik,
Geodäsie, Geologie, Geophysik, Numismatik, Paläogeographie,
Restaurierung, Stadtplanung, Statik und Turkologie. Ein konkretes
Beispiel ist ein neu entwickeltes Bodenradar der Zentralanstalt für
Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), das - auf den Spuren der Wikinger
- auch bereits in Gokstad (Norwegen) zum Einsatz gekommen ist und
Archäologen wertvolle Informationen liefert (Auffindung und
Kartierung des im Boden verborgenen archäologischen Erbes).

Ephesos hat in der Türkei nach dem Topkapi Serail in Istanbul die
zweithöchste Besucheranzahl. Im Jahr 2012 besuchten erstmals mehr als
2 Millionen Menschen die antike Stadt, das Hanghaus 2 hatte über
150.000 Besucher/innen. Ein neuer Anziehungspunkt entsteht mit dem
Großen Theater in Ephesos, das nach 17 Jahren Restaurierungsarbeiten
wieder seine Pforten öffnet. Im Herbst 2012 fand bereits ein Konzert
statt, für Mai 2013 ist die offizielle Eröffnung geplant.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ÖAI haben durch ihre
Arbeit maßgeblich zur Restaurierung beigetragen - das Große Theater
in Ephesos wird durch österreichisches Know-how wieder bespielbar.

Die Grabungskampagne Ephesos 2012 erstreckte sich über elf Monate
(20. Jänner bis 8. Dezember). Die Restaurierungskampagne dauert 12
Monate, ganzjährig sind zwei Restauratoren vor Ort. Ephesos ist ein
internationales Grabungsunternehmen: 161 Fachleute und Spezialisten
aus 18 Ländern nahmen teil. Durchschnittlich 60 lokale Arbeiter/innen
sind auf der Grabung während der Saison beschäftigt.

Das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) ist eine
nachgeordnete Dienststelle des Wissenschafts- und
Forschungsministeriums. Zweigstellen des ÖAI sind in Griechenland
(Athen) und Ägypten (Kairo) eingerichtet. Das größte
Grabungsunternehmen ist die Ephesos-Grabung in der Türkei. Das Budget
des Wissenschafts- und Forschungsministeriums für das ÖAI beträgt
heuer rund 3,5 Millionen Euro (inklusive Personalkosten). Hinzu
kommen Drittmittel in ca. selber Höhe, die das ÖAI sehr erfolgreich
einwirbt. Dazu trägt auch insbesondere ein ERC-Starting Grant bei,
der 2010 an Dr. Barbara Horejs verliehen wurde (Prehistoric Anatolia:
"Sesshafte bis protourbane Gesellschaften in Westanatolien"). Weiters
die 2010 gegründete "Ephesos Foundation", der Verein "Gesellschaft
der Freunde von Ephesos" sowie die Stiftungen "American Society of
Ephesus" und "Kaplan Foundation".

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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