- 19.03.2013, 11:00:33
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Belvedere: INTERVENTION - Gerold Tusch
Eröffnung am 19. März um 19 Uhr im Oberen Belvedere
Utl.: Eröffnung am 19. März um 19 Uhr im Oberen Belvedere =
Wien (OTS) - Im Rahmen der 2007 initiierten Ausstellungsreihe
Intervention lädt das Belvedere regelmäßig österreichische und
internationale Künstler ein, ortsspezifische Arbeiten in Bezug zur
Architektur, zur Sammlung und zur Geschichte des Hauses zu
entwickeln. Nach Werken von Gudrun Kampl, Brigitte Kowanz, Franz
Kapfer, Tillman Kaiser oder Lisa Oppenheim und Agnieszka Polska
präsentiert das Museum ab 20. März eine Intervention von Gerold
Tusch. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit dem Formenvokabular
barocker Bauplastik hat der österreichische Künstler großdimensionale
Keramikobjekte im Bereich der Prunkstiege sowie der Schlosskapelle
des Oberen Belvedere gestaltet.
Zeitgenössische Positionen aus historischem
Formenrepertoire
In seiner künstlerischen Praxis inszeniert Gerold Tusch historisches
Formenrepertoire aus einem zeitgenössischen Verständnis heraus und
lenkt so die Aufmerksamkeit auf die etwas überholten Genres von Dekor
und Kunsthandwerk, die zumeist eine Nebenrolle in der Kunstgeschichte
eingenommen haben. Häufig bedient er sich barocker Formen, denen -
weil sie hauptsächlich der Repräsentation oder Glorifizierung dienten
- oftmals lediglich die Rolle zierenden Beiwerks zugeschrieben wird.
In einem Prozess des Herauslösens und Neuverhandelns dieser Formen
entwickelt Tusch eigenständige Positionen. Er löst ornamentale oder
dekorative Objekte wie Prunkvasen, Arabesken, Rocaillen oder
vielfältige florale und vegetabile Elemente aus ihrem Kontext,
isoliert sie, prüft ihre formale wie inhaltliche Wirkung und setzt
sie gestalterisch ein. Durch die Emanzipation vom ursprünglichen,
zweckgebundenen Zusammenhang entstehen eigenständige Formen, die der
Künstler in keramischen Skulpturen ausarbeitet.
"Gerold Tuschs Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen,
zumeist im Rahmen von sogenannten white cubes, gezeigt. Wenn der
Künstler historische Formen mit einem zeitgenössischen Verständnis
neu inszeniert, ergibt sich im Fall der Intervention im Schloss
Belvedere aber eine einzigartige Situation: Die aus dem
ursprünglichen Kontext befreiten Elemente werden an diesem Ort zu
ihrem formalen Ausgangspunkt zurückgeführt und mit diesem
konfrontiert - die Resultate einer Reflexion über barocke Formen und
deren Aufgaben treffen hier auf Barock in seiner höchsten Form",
erklärt Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere. "Diese
Verschiebungen von Form, Funktion, Farbe und Material sowie Dimension
und Symmetrie innerhalb des barocken Ensembles prüfen die
Sehgewohnheiten und die Erwartungen an das Dekorative", führt
Véronique Aichner, Kuratorin der Intervention, weiter aus. Darüber
hinaus stellt die Intervention eine Verbindung zu der im Unteren
Belvedere gezeigten Ausstellung Barock since 1630 her, die zum
Ausdruck bringt, dass Barock kein Schwelgen in der Vergangenheit,
sondern Basis für die Moderne ist.
Umwidmung barocker Bauplastik und Skulptur
Im Rahmen der Intervention im Oberen Belvedere hat sich Gerold Tusch
intensiv mit dem Formenrepertoire barocker Bauplastik
auseinandergesetzt und Positionen entwickelt, die das Historische mit
zeitgemäßen Paraphrasen konfrontieren. So werden Stuckwolken, die
oftmals als Dekor die Pracht barocker Kirchenräume betonen sollten,
in eine neue künstlerische Form überführt und barocke Prunkvasen
erleben eine neue Ausrichtung. "Mit dem Zugang zur Empore der
Schlosskapelle sowie der Prunkstiege hat der Künstler natürlich auch
ganz besondere Stellen innerhalb der barocken Anlage als Orte für
sein künstlerisches Eingreifen gewählt", erläutert Véronique Aichner.
Mit dem großflächigen Wolkenobjekt Gloria II beim Zugang zur Empore
der Schlosskapelle greift Tusch gezielt das Sujet des Wolkenbildes
als bedeutendes Element der Barockmalerei und -skulptur auf. Bei
Darstellungen der Apotheose - der Überwindung des irdischen Lebens
und Aufnahme in den transzendenten Raum - spielt es als Motiv eine
zentrale Rolle. Gerold Tusch überführt die Wolke in eine neue Form,
die durch ihre räumliche Nähe zum himmlischen Raum der Schlosskapelle
zu dessen zeitgemäßer Entsprechung und Erweiterung wird. Die zwei
leerstehenden Nischen der Prunkstiege bespielt Tusch mit Objekten,
die sich als neuartige Umwidmung der barocken Prunkvase verstehen.
Ihr Titel Die drei Gorgonen lässt einen Bezug zur thematischen
Ausrichtung der Stiege herstellen, welche Alexander dem Großen
gewidmet ist: Der hellenistischen Überlieferung zufolge war die
Gorgone ursprünglich die Schwester des antiken Feldherren. Das Sujet
auf spielerisch-ironische Weise aufgreifend folgt Tusch einer
weiteren Quelle der nachhomerischen Dichtung, welche von drei
Gorgonen berichtet, und wählt die Dreizahl für seine Vasenobjekte,
die in ihrer skulpturalen Ausarbeitung einen Bruch zur Symmetrie der
barocken Anlage darstellen.
Zeitgenössische Kunst im Belvedere
Das Belvedere präsentiert ganzjährig in der vom Barockarchitekten
Johann Lucas von Hildebrandt für den Bauherrn Prinz Eugen von Savoyen
entworfenen und im Jahr 1723 fertiggestellten Sala terrena
zeitgenössische Kunst. Nach zwei Renovierungsphasen in den Jahren
2009 bis 2011, in denen die Sala terrena nach intensiver
Forschungstätigkeit und in enger Zusammenarbeit mit dem
Bundesdenkmalamt restauriert und in ihren Originalzustand rückgeführt
wurde, wird dort seit Sommer 2010 Franz Wests Arbeit Endlich zwei
gute Skulpturen (2002) präsentiert.
Gerold Tuschs Intervention wird am 19. März um 19 Uhr im Oberen
Belvedere eröffnet und ist dort bis 30. Juni 2013 zu sehen.
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