- 18.03.2013, 18:15:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Platzen der Notenbankblase steht im Raum - von Hans Weitmayr
Liquidität ist irrelevant, wenn die Banken gestürmt werden
Utl.: Liquidität ist irrelevant, wenn die Banken gestürmt werden =
Wien (OTS) - Alle paar Jahre erfinden Marktexperten im noch jungen
21. Jahrhundert eine neue Aktien-Wunderwaffe, eine, die die
bisherigen Marktmechanismen außer Kraft setzt, alles bisher
Dagewesene an Durchschlagskraft in den Schatten stellt und deshalb
nur einen vernünftigen Anlegerkurs zulässt: Kaufen. Um 2001 hieß es,
die Dotcom-Industrie eröffne ein neues, schrankenloses Feld. Was aus
diesem Boom wurde, ist bekannt. 2007 schien sich der Immobilienmarkt
- flankiert von einem atemberaubend innovativen Finanzsektor - zu
einem finanziellen Perpetuum Mobile zu entwickeln. Auch hier kennen
wir das Ende. Und gegenwärtig? Waren es bis zuletzt die Notenbanken,
die Analysten wie Fondsmanager die Veranlagung in Aktien aufgrund der
vorhandenen Liquidität als alternativlos bezeichnen ließen. Wie
schnell auch diese Blase platzen kann, haben wir im Verlauf des
Wochenendes gesehen: Ein tölpelhafter Vorstoß zu einer vom Volumen
her kaum wahrnehmbaren Volkswirtschaft wie der zypriotischen hat
ausgereicht, um die Hoffnung auf endlos steigende Märkte einmal mehr
ins Wanken zu bringen.
Das soll nicht heißen, dass die jüngste Hausse dieser Tage
tatsächlich endet. Es soll auch nicht heißen, dass man in den
vergangenen Monaten nicht fantastisch an der Börse verdienen konnte.
Es soll nur heißen, dass jeder Trend einmal abreißt und die
Intervalle zwischen "Boom" und "Bust" anscheinend nicht wirklich
länger werden.
Auf einer anderen, weiter reichenden Ebene hat das Wochenende aber
auch gezeigt, wie beschränkt das Arsenal der Europäischen Zentralbank
(EZB) bei der Bekämpfung der Eurokrise tatsächlich ist. Wie an dieser
Stelle schon mehrfach argumentiert, droht die Gefahr, dass die
Maßnahmen der EZB als mittelfristige Lösung verstanden werden, wenn
sie in Wirklichkeit nur eines können: den verantwortlichen Politikern
eine Atempause verschaffen, damit diese, frei vom Druck der Märkte,
notwendige Reformen in der Eurozone umsetzen können.
Die Sorge, dass diese Periode ungenützt verstreicht, hat sich zuletzt
verstärkt. Frankreichs Präsident Francois Hollande zeigt sich in
Europa-Fragen alles andere als innovativ. Deutschlands Kanzlerin
Angela Merkel ist mit der Vorbereitung der kommenden Wahlen
beschäftigt. Europa, so scheint es, hat sich von der Rekordjagd der
Märkte und dem Vertrauen in die EZB einlullen lassen - wobei es
vollkommen irrelevant wird, wie viel Liquidität ins System gepumpt
wurde, sobald die Bürger Europas ihre Banken stürmen und auf dem Weg
dorthin die Häuserzeilen anzünden, durch die sie gerade gezogen sind.
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