- 14.03.2013, 10:01:47
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Karlheinz Töchterle: ALMA ermöglicht Forschung in neuen Dimensionen
Wissenschafts- und Forschungsminister nahm an Eröffnung des weltweit größten Radioteleskops in Chile teil - Besichtigung der weiteren ESO-Infrastruktur

Utl.: Wissenschafts- und Forschungsminister nahm an Eröffnung des
weltweit größten Radioteleskops in Chile teil - Besichtigung
der weiteren ESO-Infrastruktur =
Wien (OTS) - "ALMA ermöglicht Forschung in neuen Dimensionen - mit
dem weltweit größten Radioteleskop bekommen Forscherinnen und
Forschern aus aller Welt die bestmögliche Infrastruktur für ihre
exzellente Forschung. Auch Forscherinnen und Forscher aus Österreich
profitieren von diesem interkontinentalen Großprojekt", zeigte sich
Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle bei der
Eröffnung in Chile beeindruckt. Die Europäische Südsternwarte (ESO),
die im Vorjahr ihr 50jähriges Jubiläum feierte und deren Mitglied
Österreich seit 2008 ist, hat gemeinsam mit den USA und Japan auf
einem Hochplateau in der Atacama-Wüste in rund 5.000 Metern Höhe das
Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) errichtet. Nach
den Eröffnungsfeierlichkeiten, an der u.a. der chilenische
Staatspräsident Sebastian Pinera und Minister mehrerer Länder
teilnahmen, besichtigt der Minister heute das neue Teleskop auf rund
5.000 Metern Höhe. Morgen wird Töchterle gemeinsam mit
ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw zudem das Very Large Telescope (VLT)
am Cerro Paranal in rund 2.600 Metern Höhe besuchen. Begleitet wird
Töchterle u.a. von der Astrophysikerin Sabine Schindler von der
Universität Innsbruck.
"Diese Kooperation dreier Kontinente ist beispielgebend und
ermöglicht Forscherinnen und Forschern verschiedener Disziplinen
völlig neue Möglichkeiten", so Töchterle. ALMA ist das derzeit größte
bodengestützte astronomische Projekt. Im Endausbau besteht es aus
insgesamt 66 transportablen Antennen mit zwölf Meter bzw. sieben
Meter Durchmesser, die wie ein einziges Teleskop von ca. 14 km
arbeiten ("Interferometer") und den Himmel im Millimeter- und
Radiowellenlängenbereich beobachten. Erste Beobachtungen sind bereits
erfolgt, so laufen aktuell zum Beispiel zwei Projekte an der
Universität Wien. Die Errichtung von ALMA kostete rund 1,1 Milliarden
Euro.
Der ESO-Beitritt hat der österreichische Astronomie den geregelten
Zugang zu international konkurrenzfähigen Instrumenten ermöglicht und
wurde innerhalb kürzester Zeit bestmöglich genutzt: "Forscherinnen
und Forscher aus Österreich profitieren von unserer
ESO-Mitgliedschaft", so der Minister. Die Beobachtungszeiten werden
in Perioden eingeteilt, die jeweils von 1. April bis 30. September
und 1. Oktober bis 31. März laufen. In der aktuellen und neuen
Periode nützen 35 österreichische Astronominnen und Astronomen der
beteiligten Universitäten im Rahmen von über 40 Projekten (knapp die
Hälfte davon unter österreichischer Leitung) die Teleskope. Die
bewilligten Beobachtungszeiten für Projekte unter österreichische
Leitung entsprechen rund 40 Nächten. Ebenso stellt die
ESO-Mitgliedschaft einen Wert für den Forschungsstandort Österreich
dar, gerade auch bei Berufungen. Hierzu verwies Töchterle etwa auf
die Berufung des anerkannten Astroteilchenphysikers Olaf Reimer, der
von Stanford an die Universität Innsbruck wechselte und wesentlich
zur Stärkung des Profilschwerpunkts Astroteilchenphysik beiträgt.
"Weiters sind wir durch ESO in den internationalen Forschungsraum
eingebettet."
Zahlreiche Wissenschaftler/innen aus verschiedenen Disziplinen
(Astronomie, Astrophysik, Astroteilchenphysik, Theoretische Physik,
Mathematik und Informatik) profitieren von der österreichischen
ESO-Mitgliedschaft. Wissenschaftler/innen folgender Universitäten und
Forschungseinrichtungen nutzen derzeit den Zugang zur
ESO-Infrastruktur: Universität Wien, Technische Universität Wien,
Universität Innsbruck und Universität Graz sowie das RICAM (Johann
Radon Institute for Computational and Applied Mathematics) der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Standort: Universität
Linz). Die ESO-Mitgliedschaft ermöglicht auch österreichischen
Firmen, sich an den Ausschreibungen der ESO zu beteiligen und somit
auch an der Entwicklung neuer Technologien (z.B. in der Optik,
Bildanalysemethoden) mitzuwirken.
Das Budget der ESO beträgt 2013 etwa 150 Millionen Euro. Österreichs
Mitgliedsbeitrag liegt bei jährlich 3,35 Millionen Euro. Weiters wird
seitens Österreichs ein Investitionsbeitrag für die Nutzung der
bestehenden Observatorien geleistet. Zurzeit arbeiten etwa 730
Personen bei ESO, davon sind 438 internationale Mitarbeiter direkt
bei ESO angestellt (darunter fünf Österreicher). 166 ESO-Mitarbeiter
arbeiten in Chile direkt vor Ort. Im Dezember 2012 haben die ESO
Mitgliedstaaten die Finanzierung und den Bau des neuen und weltweit
bisher größten Teleskops - des European Extremely Large Teleskope
(E-ELT) beschlossen, an dem sich Österreich ebenso beteiligen wird.
Wissenschaftliche Sachleistungen, die von den Universitäten Wien,
Linz und Innsbruck bereitgestellt und vom BMWF finanziert werden,
tragen wesentlich zum Bau des neuen Superteleskops bei, welches auch
Teil der Roadmap des Europäischen Strategieforums für
Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) ist.
Die ESO wurde 1962 in Paris gegründet und hat ihre Sitze in
München-Garching (Deutschland) und Santiago (Chile). Sie ist die
führende europäische Großforschungsinfrastruktur für Astronomie und
das derzeit produktivste Observatorium (im Jahr 2012 mit 870
Veröffentlichungen weltführend). Mitgliedsstaaten sind Belgien,
Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Schweden, Dänemark,
Italien, Schweiz, Portugal, das Vereinigte Königreich, Finnland,
Spanien, Tschechien, Österreich und Brasilien (Ratifikationsprozess
nicht abgeschlossen). Chile (selbst kein Mitgliedsland) ist
Gastnation der Observatorien: Die ESO betreibt derzeit Observatorien
an drei verschiedenen Standorten in der chilenischen Atacama-Wüste
unter für die Astronomie optimalen Beobachtungbedingungen.
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