- 13.03.2013, 11:34:59
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Welterfolg mit Hindernissen
Casinos Austria Tourismus Talk in Innsbruck erörtert Strukturprobleme im österreichischen Tourismus

Utl.: Casinos Austria Tourismus Talk in Innsbruck erörtert
Strukturprobleme im österreichischen Tourismus =
Innsbruck (OTS) - Die Tourismus-Statistik vermeldet jedes Jahr
Nächtigungsrekorde. Doch zugleich klagt die Hotellerie über sinkende
Erträge und schlechte Auslastung. Läuft da etwas schief?
Tatsächlich ortete eine hochkarätige Gesprächsrunde beim Casinos
Austria Tourismus Talk am 12. März im Casino Innsbruck gravierende
Strukturprobleme in einer insgesamt höchst aktiven Branche. "Stadt
gegen Land, Umsatz gegen Ertrag" lautete das Thema. Unter der
Moderation der Redakteurin der Tiroler Tageszeitung, Nina Werlberger,
diskutierten Tirols LH Stv. Gerhard Reheis, der Präsident der
Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) Mag. Gregor Hoch,
ÖHV-Vizepräsident Florian Singer, der Geschäftsführer des Verlags
Tourismuswirtschaft Austria International (TAI), Mag. Christopher
Norden, der Tourismusexperte Dr. Helmut Zolles, sowie als Gastgeber
Casinos Austria Vorstandsdirektor Mag. Dietmar Hoscher.
Der Titel spielt auf zwei problematische Entwicklungen der
jüngeren Zeit an: Der Städtetourismus weist die höchsten Zuwächse
auf, während in den eigentlichen Tourismusregionen die Zahlen
stagnieren. Zugleich verlagert sich das Geschäft immer stärker in den
Winter, was es für die Hotels noch schwieriger macht, ganzjährig
gleichmäßigen Betrieb aufrecht zu erhalten. Zudem wird der Anstieg
der Umsätze immer öfter durch einen Verfall der Preise erkauft. Das
hartnäckigste Strukturproblem liegt aber in der mangelnden Ertrags-
und Kapitalsituation der Branche, erinnerte Casinos-Vorstand Hoscher:
"Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist, gemessen am Beitrag zum
Bruttoinlandsprodukt, wohl die wichtigste heimische Branche, die auch
weiter Beschäftigung generiert, aber die Eigenkapitalzahlen der
Tourismusbetriebe sind im Median vielfach negativ. Das ist ein
Widerspruch, unter dem der gesamte Sektor seit vielen Jahren leidet.
Wir müssen daher noch stärker auf eine Entwicklung setzen, die
weggeht vom Fetisch der hohen Nächtigungszahlen und mehr die
Wertschöpfung im Auge hat."
"Nächtigungen sind noch keine Umsätze und Umsätze sind noch keine
Erträge", stimmte ÖHV-Präsident Hoch zu. Die Hoteliers leiden unter
vielen hausgemachten, auch politischen, Problemen, klagte Hoch und
nannte etwa die extrem langen Abschreibungszeiten für Investitionen
in Hotelanlagen: "Da gilt die Abschreibungsdauer von 33 Jahren, aber
ein Badezimmer in einem gehobenen Hotel müssen Sie spätestens nach
zehn Jahren erneuern." Wünschenswert wäre überdies "eine
Ausstiegsförderung für Hotels, die nicht mehr wirtschaftlich geführt
werden können. Viele solcher Betriebe können sich schlicht die Kosten
einer Schließung nicht leisten, machen deshalb weiter und verhindern
so die nötige Strukturbereinigung." Derzeit stünden österreichweit
6000 Betriebe zur Übergabe an, schätzt Hoch.
Vizepräsident Singer ortete vor allem in der Sommersaison
Probleme, die in vielen Regionen schwache Auslastungen bringt und
daher von den Hotels "mit Schnäppchenangeboten überbrückt wird, die
dann auf Dauer das Preisniveau ruinieren." Singer fordert von seiner
eigenen Branche "den Mut zum Preis, denn wir verkaufen unsere hohe
Qualität zu billig." Auch von der Tourismuswerbung erwartet sich der
Tiroler Hotelier, "dass sie nicht nur schöne Bilder liefert, sondern
auch verkauft."
Die Politik müsse eine aktivere Rolle bei der Lösung der
Strukturprobleme spielen, bekannte auch Tirols
Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Reheis (SPÖ), der den
Tourismus "eine der Quellen für den Wohlstand in Tirol" nannte.
Allerdings handle es sich überwiegend um Probleme, die ein Bundesland
allein nicht lösen könne: "Wir brauchen u.a. unbedingt eine
hochwertige Einrichtung für Tourismusforschung, die uns die
Grundlagen für eine koordinierte Politik liefert." Zu den
Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen könne, gehöre auch die
Infrastruktur: "Eine direkte schnelle Bahnverbindung von Innsbruck
zum Münchner Flughafen wäre ein großer Vorteil für den Tiroler
Tourismus."
Eine Konzentration auf die Stärken sowie ein "Erobern der
Sommersaison durch innovative Konzepte" - so lauteten die
Empfehlungen der weiteren Tourismusexperten auf dem Podium.
"Österreichs Tourismus ist ein Welterfolg", betonte Berater Zolles,
"er braucht aber den Schulterschluss zwischen allen Beteiligten, um
die Defizite zu beseitigen und neue Strategien entwickeln zu können.
Er nannte "Wandern" und "Gesundheitstourismus" als zwei Konzepte von
vielen, die Potenzial für Ganzjahrestourismus haben, die aber kreativ
weiterentwickelt werden müssten: "Wellness allein bringt's nicht
mehr, das ist schon allgegenwärtig und banalisiert. Und Wandern darf
ebenfalls nicht altvaterisch daherkommen - aber wenn man's richtig
macht, hat das enorm viele Anhänger."
TAI-Chef Norden ermunterte, sich "zu den positiven
Österreich-Klischees zu bekennen. Berge, Lederhosen, Kaiserin Sissy,
Lipizzaner - wir schämen uns oft für diese Bilder, aber genau dafür
werden wir im Ausland geliebt." Das heißt aber nicht, dass nur
Althergebrachtes gefragt sei: "Wir sehen, dass moderne Architektur
und cooles Design wichtige Besuchermagneten werden können. Gerade im
Alpenraum gibt es großartige Beispiele für gelungene, sensible und
zugleich spannende moderne Architektur." Hier müsse eine Verbindung
gefunden werden.
Einig waren sich jedenfalls alle Teilnehmer, dass der Tourismus
keinen weiteren Belastungen durch Abgaben oder höhere Auflagen
ausgesetzt werden dürfe, ganz im Gegenteil. "Nach wie vor ist die
Tourismus- und Freizeitbranche eine Hochsteuerbranche, was auch die
internationale Wettbewerbssituation verzerre", so Hoscher. Eine
höhere Mehrwertsteuer - wie jüngst gefordert - wäre "tödlich für
uns", wie Hoch drastisch formulierte, "in der Schweiz zahlt die
Hotellerie 3%, in Deutschland 7%, die EU empfiehlt 5% d - und bei uns
werden 22% diskutiert. Das ist geradezu verrückt."
Die Debatte wurde auch durch zahlreiche Wortmeldungen aus dem
Publikum sowie beim anschließenden Empfang im Casino Innsbruck
weitergeführt - dafür sorgten unter anderem Gäste wie der Abg. z. NR
Mathias Venier, die Kitzbüheler Tourismusobfrau Signe Reisch, Josef
Falkner von der Tiroler Tourismusvereinigung, sowie die Top-Hoteliers
Florian Werner (Arlberg Hospiz), Johann Mauracher (Ayurveda Resort
Sonnhof), Gabriela und Marc Florian Koch (Hotel Maximilian) sowie
Martin Eberharter (Capella Natura Vitalis).
Gastgeber Mag. Hoscher zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der
Veranstaltung: "Ich freue mich über das positive Echo und die
intensive Diskussion. Casinos Austria hat sich als Leitbetrieb des
heimischen Tourismus die Aufgabe gestellt, eine Plattform für die
Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen und Themen zu bieten. Der
Abend zeigt, dass es dafür echten Bedarf gibt."
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