• 12.03.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Europa muss ein neues 2010 verhindern - von Hans Weitmayr

Politisches Zaudern wird vom Steuerzahler finanziert

Utl.: Politisches Zaudern wird vom Steuerzahler finanziert =

Wien (OTS) - Es erinnert frappant an das Jahr 2010: Ein kleiner
Mittelmeerstaat von beschränkter wirtschaftlicher Relevanz agiert am
Rande des fiskalen Kollaps. Europa verhandelt, ob man das Land retten
soll oder nicht und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Beruhigt wird
mit den Worten, dass das Land ein isoliertes Problem darstelle, man
wolle nichts überhasten, keine Fehler machen.

Sprechen wir im vergangenen Fall von Griechenland, handelt es sich in
der aktuellen Situation um Zypern. Tatsächlich stimmt es faktisch,
dass die ökonomischen Kontaminierungseffekte für Europa gering sind.
Betroffen von einer zypriotischen Pleite wären vor allem griechische
Banken. Die gelte es aufzufangen. Das Geld dafür steht angeblich
schon bereit. Nicht bedacht wird jedoch, dass die Ansteckungsgefahr
wie bei Griechenland - und übrigens auch Portugal und Irland - vor
allem eine psychologische ist. Tauchen wieder Zweifel an der
Entschlossenheit Europas auf, die Eurozone zu retten, werden die
Märkte den europäischen Staatsanleihenmarkt wieder auf "Sell" setzen.
Die Renditen werden folglich steigen; damit auch die
Refinanzierungskosten. Selbst wenn ein solcher Anstieg ein Land nicht
gleich in den Ruin treiben mag, wird das jeweilige staatliche Budget
stärker belastet - das politische Zaudern würde schlussendlich vom
Steuerzahler finanziert werden.

Dabei liegen die Griechenland-Lektion und die Lehren, die man daraus
ziehen kann, nicht so weit zurück. Was in einer solchen Situation
notwendig ist, ist rasches und entschlossenes Handeln, wobei es für
die Eurozone - nicht für Zypern - egal ist, in welche Richtung es
geht: Szenario eins umfasst eine sofortige und bedingungslose
finanzielle Rettung des Landes. Stehen die Gelder für eine allfällige
griechische Bankenrettung tatsächlich bereit, könnten diese sofort
für ein zypriotisches Paket verwendet werden. In Szenario zwei wird
Zypern fallen gelassen. Gleichzeitig wird auf den Knopf gedrückt, der
zum einen die Gelder an das griechische Finanzsystem überweist. Ein
zweiter Schalter löst ein Kaufprogramm von Peripherieanleihen seitens
der EZB aus. Beide Schritte müssen im Vorfeld beschlossen, sofort
exekutiert und mit möglichst viel medialem Getöse kolportiert werden.
Zu befürchten ist, dass Szenario drei in Kraft tritt: Zypern wird
irgendwie über Wasser gehalten werden, immer neue Hilfsgelder werden
notwendig, Renditen werden steigen, unnötige Milliarden an
Steuergeldern werden verbrannt werden. Ob die Bürger Europas und die
Märkte ausreichend Geduld für diesen Prozess aufbringen, darf
hinterfragt werden.

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