- 12.03.2013, 11:31:15
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OÖGKK schafft und erweitert Angebote für Kinder und Jugendliche
Linz (OTS) - Eine neue Leistungsoffensive der OÖ Gebietskrankenkasse
(OÖGKK) erweitert das Angebot zur psychischen Gesundheit der Kinder
und Jugendlichen. Dabei setzt die größte Gesundheitsversorgerin in OÖ
nicht nur auf einen quantitativen Ausbau der Angebote. "Strukturierte
Leistungspakete und innovative Betreuungsprogramme sind der Kern
einer guten Versorgung", so OÖGKK-Obmann Albert Maringer.
Rund 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre zeigen
Verhaltensauffälligkeiten oder Beeinträchtigungen der psychischen
Befindlichkeit. Das belegen internationale Studien - besonders für
hoch entwickelte Länder wie Österreich. Einen tatsächlichen
Behandlungsbedarf sehen die Experten bei ca. fünf Prozent der jungen
Menschen. Heruntergebrochen auf Oberösterreich wären dies 16.200
Personen. Den betroffenen Kindern (und Familien) möglichst früh zu
helfen, ist seit mehreren Jahren ein Arbeitsschwerpunkt der OÖGKK.
Bessere Orientierung statt "Prinzip Gießkanne"
In Oberösterreich existiert ein bedeutendes Angebot an
Beratungsstellen und Angeboten für Betroffene durch die OÖGKK und
ihre Partner. Allerdings: "Wenn Eltern konkrete Unterstützung
benötigen, ist bisweilen die Orientierung bei der Hilfesuche
schwierig: Psycho- und Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeiter,
Sozialpädagogen, Kinder- und Jugendpsychiater und andere
Fachrichtungen sind vorhanden. Doch wie sollen die Eltern als Laien
erkennen, wer dem Kind am besten helfen kann?", gibt OÖGKK-Obmann
Albert Maringer zu bedenken. Überdies entstehen psychische Probleme
oft viele Jahre, bevor Symptome auftreten. Zu späte Therapien haben
schlechtere Ausgangschancen. Für die OÖGKK ist deshalb ein hohes Maß
an Zielsteuerung notwendig, um den tatsächlichen Bedarf exakt und
rechtzeitig zu decken. Was bedeutet: Die Angebotspalette muss ebenso
vielschichtig wie präzise aufgestellt werden. Maringer: "Viele dieser
neuartigen Betreuungs- und Versorgungsangebote wären ohne Partner
nicht möglich. In Oberösterreich gehen wir den erfolgreichen Weg der
Kooperation und Innovation. An erster Stelle stehen dabei die
Bedürfnisse unserer Versicherten." Denn klar ist auch: "Leistungen
einfach nach dem Gießkannenprinzip irgendwie zu erweitern, ist der
falsche Weg. Wir müssen die Kinder und Eltern dort abholen, wo sie
mit ihren Problemlagen und Fragen auch wirklich stehen. Dann geben
wir den Betroffenen Orientierung."
Die neuen Lösungen und Pakete der OÖGKK
Vor diesen Hintergründen erweitert die OÖGKK jetzt ihr
Angebotsspektrum um neue Leistungen, die vor allem eine
fächerübergreifende, vernetzte Unterstützung bieten. OÖGKK-Direktorin
Andrea Wesenauer erklärt die Ziele: "Psychische Probleme bei Kindern
und Jugendlichen möglichst früh erkennen, den Bedarf an Unterstützung
präzise klären, bedarfsgerecht helfen." Zu den neuen Leistungen
zählen dabei:
- Neue Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie: Ab Juli 2013
schließt die OÖGKK Verträge mit drei niedergelassenen Fachärzten für
Kinder- und Jugendpsychiatrie ab. Standorte werden Linz, Wels und
Steyr sein. Die strategisch günstige Lage erlaubt eine optimale
Vernetzung mit den anderen (in dieser Presseunterlage beschriebenen)
Angeboten. In enger Kooperation mit der Ärztekammer Oberösterreich
soll nicht nur die Versorgung ausgebaut werden. Weitere Ziele sind
die kontinuierliche Zusammenarbeit mit anderen betreuenden Stellen,
die Verbesserung der seelischen und körperlichen Zustände der
behandelten Kinder und Jugendlichen, die Entlastung des engeren
sozialen Umfelds sowie die Reduktion intensiverer Betreuungsmaßnahmen
(Jugendwohlfahrt) und einschlägiger Krankenhausaufenthalte. Die
Versorgungsschwerpunkte der drei neuen Facharztstellen liegen demnach
in den Bereichen Diagnostik, medikamentöse Therapie,
Krisenintervention, medizinisch-psychiatrischen Folgebehandlung,
Therapieplanerstellung und Vernetzung mit anderen Leistungserbringern
im Sinne eines Behandlungsmanagements und der Patientenführung. Bei
besonderen Gefährdungen wird die Einbindung von Jugendwohlfahrt und
anderen Institutionen (zB Schularzt) angestrebt. Die Ergebnisse des
Pilotbetriebs mit den neuen Fachärzten fließen überdies in die
weitere Planung der Versorgungslandschaft ein.
- Zusätzliche Stunden für Kinderpsychotherapeuten: Generell wurde
2011 erstmals ein Stundenkontingent für Kinder und Jugendliche
zweckgewidmet: Damit erbringen der PGA (Verein für Prophylaktische
Gesundheitsarbeit) und die OÖGP (Oberösterreichische Gesellschaft für
Psychotherapie) als Vertragsvereine der OÖGKK mindestens 2.000
Stunden ihres gesamten Leistungskontingentes zielgerichtet für Kinder
und Jugendliche.
- Neues KIJUK (Kinder- und Jugendkompetenzzentrum) in Linz: Nach dem
erfolgreichen Pilotprojekt eines KIJUK im Innviertel (Beginn: Anfang
2012) erweitert die OÖGKK gemeinsam mit dem Sozialressort des Landes
Oberösterreich das Angebot um ein weiteres Zentrum im Großraum Linz.
Aktuell laufen die letzten Entscheidungen über den Standort. Fest
steht aber schon jetzt - aus den gewonnen Erfahrungen im Innviertel
-, welche Leistungen demnächst auch in Linz erbracht werden:
Medizinische Abklärungen und Behandlungen durch eine Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie, Betreuungen durch Sonder- und
Heilpädagogen, Diagnostik durch Psychologen, Behandlungen durch
Psychotherapeuten und Psychologen, logopädische, physiotherapeutische
und ergotherapeutische Leistungen, pädagogische Beratungen und
Unterstützung für Eltern. "Das Besondere an den KIJUKs ist ihr
niederschwelliger, unterstützender Charakter für die gesamte Familie.
Wir verlassen bewusst die überkommene Vorstellung von
'Problemkindern', die in einer 'Anstalt' therapiert werden. Die
KIJUKs sind moderne Zentren, die ganze Familien dabei unterstützen,
aus problematischen Lebenslagen wieder heraus zu finden", so
Wesenauer.
- Wohngruppe KAYA: Diese Einrichtung der Diakonie ist einer der
ersten Wohngruppen in Österreich speziell für Mädchen ab 12 Jahren
und für junge Frauen mit Essstörungen: Seit September 2010 können sie
hier mit medizinischer, therapeutischer und sozialpädagogischer
Unterstützung einen neuen Weg aus ihrer Essstörung beginnen. Während
die Mädchen und jungen Frauen in der Wohngruppe leben, können sie
eine Schule besuchen, eine Ausbildung abschließen oder den Beruf
weiter ausüben. Die OÖGKK übernimmt bei dem Projekt die Kosten für
Ergo-, Physio- und Psychotherapie. Weitere Projektpartner der
Einrichtung sind das Land Oberösterreich (Abteilungen Soziales und
Bildung), die Stadt Linz und die Jugendwohlfahrt. Der Name KAYA ist
indianisch und bedeutet "große Schwester".
- Mobile Psychologen für Kindergärten: Schon in frühen Kindertagen
kann psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter vorgebeugt werden.
Die OÖGKK bietet daher in Kooperation mit dem PGA, dem Fonds Gesundes
Österreich (FGÖ) und dem Land Oberösterreich kostenlose
Präventionsprogramme für Kinder und Eltern an. Ziel: Belastete Kinder
- etwa nach Scheidungen oder familiären Konflikten - möglichst früh
und direkt zu erreichen. Bis Sommer 2013 stehen bei Bedarf den Eltern
und Kindern kostenlose "Präventionsvormittage" und Elternabenden im
Kindergarten auf Abruf zur Verfügung. Dieses Angebot gilt
flächendeckend in Oberösterreich und wird zwischen Caritas und PGA
aufgeteilt. Darüber hinaus leistet die OÖGKK seit mehreren Jahren
Kostenbeteiligungen an die logopädischen Dienste in Oberösterreich.
- Ergo- und Hippotherapie im erweiterten Leistungsspektrum: Die
OÖGKK ist einer der wenigen Krankenversicherungsträger, die
Ergotherapie als Sachleistung für ihre Versicherten anbieten. Kinder
und Jugendliche profitieren durch die Ergotherapie insbesondere bei
Entwicklungsverzögerungen, auditiven Hörverarbeitungsproblemen,
Lernstörungen, Konzentrations- und Verhaltensproblemen sowie
Bewegungs- und Nerven- und Gedächtnisstörungen. Ergotherapie kann
eine Vielzahl psychologischer und psychiatrischer Probleme auflösen,
indem sie die positive Handlungsfähigkeit eines jungen Menschen
wiederherstellt. Die Hippotherapie ist als Form des therapeutischen
Reitens ein tiergestütztes, physiotherapeutisches Verfahren mit
speziell ausgebildeten Pferden. Sie wird in allen Altersgruppen bei
Erkrankungen des zentralen Nervensystems, des Stütz- und
Bewegungsapparats eingesetzt. Die Finanzierung der Hippotherapie
übernehmen die OÖGKK und das Land Oberösterreich zu gleichen Teilen.
- Pilotprojekt "Frühe Hilfen" als neues Drehkreuz: Ab April 2013
startet die OÖGKK das Pilotprojekt "Frühe Hilfen", das bis Ende 2015
läuft und bei positiver Evaluierung verlängert und ausgebaut wird.
Die "Frühen Hilfen" sind ein Gesamtkonzept der psychosozialen
Prävention. Dabei geht es um Maßnahmen in der frühen Kindheit
(Schwangerschaft bis Schuleintritt), die besondere Lebenslagen und
Ressourcen von Familien berücksichtigen und mit vielfältigen
Ansätzen, Angeboten und Akteuren vernetzen. Als konkrete Umsetzung
sind sogenannte "Eltern-Kind-Treffs" in der finalen Planung: Hier
werden pädagogische Beratungsgespräche durchgeführt, Begleitungen
angeboten, ambulante Gesprächstherapien erbracht. Zudem fungieren die
"Eltern-Kind-Treffs" als Koordinationsstelle zu weiterführender
Hilfe. "Mit dem Pilotprojekt 'Frühe Hilfen' entsteht ein neues
Drehkreuz, das hilfesuchende Eltern zu den richtigen Angeboten
leitet", erklärt Wesenauer. Ein Ziel der OÖGKK ist dabei der
niederschwellige, aufsuchende Zugang für die Zielgruppen: Besonders
benachteiligte und bildungsfernere Familien sollen von den Angeboten
Gebrauch machen. Eine finanzielle Förderung des Projekts erfolgt aus
den Mitteln des Verbandes der pharmazeutischen Industrie Österreich
(PHARMIG).
Nutzen für OÖ: Gesamtstrategie der österreichischen
Sozialversicherung
Die OÖGKK leistet in vielen vorgestellten Punkten Pionierarbeit
für Österreich. Aber auch bei anderen Gebietskrankenkassen und
Sozialversicherungsträgern laufen aktuell mehrere innovative Projekte
in ähnlichen Bereichen. Darum arbeitet die österreichische
Sozialversicherung eine Strategie zur Kinder- und Jugendgesundheit
aus, um das gewonnene Wissen umfassend zu verdichten. "Wir stehen in
erster Linie unseren 1,2 Millionen Versicherten in Oberösterreich in
der Pflicht", erklärt Maringer. Allerdings: "Durch gute Vernetzung
mit unserer Kollegen in ganz Österreich holen wir wertvolles
Erfahrungen ins eigene Bundesland. Landesgrenzen sind für die OÖGKK
keine Wissensgrenzen."
Appell: Kinder nicht krank reden
Die neue Leistungsoffensive beweist den hohen Stellenwert der
psychischen Gesundheit für die OÖGKK. Angesichts der vielen
Neuerungen sollte aber etwas Grundsätzliches nicht vergessen werden:
"Unsere Gesellschaft darf Kinder und Jugendliche nicht vorschnell
psychisch krank erklären", appelliert Maringer. "Ab wann ein Kind zu
'unruhig' oder 'auffällig' ist, bestimmen oftmals unsere kulturellen
Wertvorstellungen. Die OÖGKK ist eindeutig gegen eine Medikalisierung
von gesunden, aufgeweckten Kids - nur weil deren Verhalten nicht
immer den Geschmack der Erwachsenen trifft."
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