• 12.03.2013, 09:00:05
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Steigerung der Hochschulausgaben auf 2% des BIP bis zum Jahr 2020: Untergrenze der Anstrengungen?

Wien (OTS/WIFO) - Die Aufgabenerfüllung der Hochschulen ist in
Österreich derzeit (in Relation zur Studierendenzahl und gemessen am
BIP pro Kopf) und relativ zu führenden europäischen Vergleichsländern
finanziell knapp dotiert. Um die Hochschulausgaben bis 2020 auf 2%
des BIP zu steigern, wäre eine Verdoppelung der jährlichen Ausgaben
auf 8,2 Mrd. Euro erforderlich. Dies würde die Möglichkeiten für
Forschung und Lehre real erhöhen, nach Projektionen würden sie aber
wahrscheinlich unter dem Niveau einer Vergleichsländergruppe von
kleinen, offenen, hochentwickelten Volkswirtschaften (Finnland,
Schweden, Schweiz, Niederlande, Dänemark) bleiben. Das 2%-Ziel sollte
demnach eher als Untergrenze der Anstrengungen betrachtet werden.
Kritische Variable sind der zuletzt beträchtliche Anstieg der Zahl
der Studierenden und die Allokation der Mittel auf unterschiedliche
Aufgaben wie Forschung und Lehre. Der private Finanzierungsanteil ist
derzeit sehr niedrig; eine Erhöhung auf den Durchschnitt von 21
untersuchten EU-Ländern würde das für das 2%-Ziel notwendige
öffentliche Ausgabenwachstum kumuliert um 3,5 Mrd. Euro senken.

Nach den letztverfügbaren OECD-Zahlen aus dem Jahr 2009
entsprechen die Ausgaben für Hochschulen in Österreich mit 1,43% des
BIP dem EU-Durchschnitt, liegen aber unter dem OECD-Durchschnitt
(1,58%). Ein Vergleich der Finanzierung von Hochschulsystemen sollte
sich aber nicht nur an den Hochschulausgaben in Relation zum BIP
orientieren, sondern auch die Dimension der Aufgaben berücksichtigen,
die damit finanziert werden (z. B. Anteil der Studierenden an der
Bevölkerung). Im Vergleich mit einer Gruppe von kleinen, offenen,
hochentwickelten Volkswirtschaften (Finnland, Schweden, Schweiz,
Niederlande, Dänemark) ist die Finanzierung der Hochschulen
(Hochschulausgaben in Relation zur Studierendenzahl und gemessen am
BIP pro Kopf) in Österreich knapp bemessen (Rückstand 30% oder rund
4.200 $ pro Kopf und Jahr), gegenüber den USA ist der Rückstand noch
viel höher (-100% oder rund -14.200 $). Die relativ hohe
Ausgabensteigerung in den Jahren 2002 bis 2009 (+0,3% des BIP) wurde
durch die wesentlich stärkere Zunahme der Studierendenzahl (+130.000)
mehr als kompensiert.

Das WIFO hat einen Pfad für die Hochschulausgaben berechnet, auf
dem (bei gegebener Entwicklung des BIP) entsprechend dem Ziel der
österreichischen Bundesregierung bis zum Jahr 2020 eine
Hochschulausgabenquote von 2% des BIP erreicht wird. Aus der
Gegenüberstellung dieses Finanzierungspfades mit der Entwicklung der
Zahl der Studierenden sind die realen Expansionsmöglichkeiten für den
tertiären Bildungssektor und damit das Potential für die Ausweitung
der Aufgabenerfüllung durch die Hochschulen abzuleiten. Im
Wesentlichen müssten sich die jährlichen Ausgaben für den tertiären
Bildungssektor bis 2020 etwas mehr als verdoppeln (von rund 4 Mrd.
Euro auf 8,2 Mrd. Euro). Das entspricht einer Steigerungsrate von
knapp über 7% jährlich, die sogar etwas unter dem Wachstum des
Zeitraumes 2000/2010 liegt. Die jährlichen Mehrausgaben betragen
gemäß dieser Schätzung im Jahr 2011 350 Mio. Euro und erreichen gegen
Ende des Fortschreibungshorizonts 560 Mio. Euro. Bereinigt um die
Entwicklung der Preise bzw. der Löhne würden den Hochschulen dann
immer noch um rund 4% höhere Mittel pro Jahr zur Verfügung stehen,
sodass eine reale Ausweitung von Forschung und Lehre möglich ist.

Abbildung 1: Hochschulausgaben einschließlich F&E gemessen an der
Zahl der Studierenden in Relation zum BIP pro Kopf - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Die Steigerung der Hochschulausgaben zur Erreichung einer Quote
von 2% des BIP im Jahr 2020 nähert den Indikator zwar dem
Durchschnitt der Vergleichsländergruppe an, der Rückstand könnte aber
auch bei nur schwachem Anstieg der Studierendenzahl noch immer mehr
als 10% (statt bisher 30%) betragen. Das 2%-Ziel sollte daher als
untere Grenze für die Bestrebungen zur Ausweitung der finanziellen
Dotierung des Hochschulsektors angesehen werden. Wenn diese
Steigerung nicht nur öffentlich, sondern zunehmend auch privat
finanziert werden soll, wären Studiengebühren von rund 1.300 Euro pro
Semester im Jahr 2020 notwendig, um den Durchschnitt des
Privatanteils von 21 EU-Ländern zu erreichen. Dies würde die
öffentlichen Haushalte kumuliert um etwa 3,5 Mrd. Euro entlasten. Zur
Vereinbarkeit von Studiengebühren mit einer steigenden
Akademikerquote sind aber unbedingt Finanzierungsinstrumente wie
Stipendien und einkommensabhängig rückzahlbare Bildungskredite
notwendig.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
2/2013 (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/46409)

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