- 11.03.2013, 11:23:05
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Diabetes: Cholesterinsenkung wichtiger als Blutzuckersenkung
Aktuelle Erkenntnisse von der Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft
Utl.: Aktuelle Erkenntnisse von der Frühjahrstagung der
Österreichischen Diabetes Gesellschaft =
Wien (OTS) - Vom 7. bis 9. März fand in Bregenz erstmals eine
gemeinsame Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft
(ÖDG) und der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und
Diabetologie (SGED-SSED) statt. Die Tagung diente dem
Erfahrungsaustausch über die Landesgrenzen hinaus, namhafte
österreichische und Schweizer Diabetes-ExpertInnen und
EndokrinologInnen diskutierten neben wichtigen Themen aus der
Diabetologie auch endokrinologische und osteologische
Fragestellungen. "Diese binationale Tagung bot für die
Diabetes-Gesellschaften beider Länder eine optimale Plattform für
einen intensiven Erfahrungsaustausch und half, unsere Forderungen an
die Gesundheitspolitik beider Länder zu bekräftigen", zeigten sich
der Präsident der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft, Prim. o.
Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz Drexel und Chefarzt Prof. Dr. Michael
Brändle, Kantonsspital St. Gallen, der Vertreter der SGED-SSED,
zufrieden.
Aggressive Blutzuckersenkung kritisch betrachtet
Ein Programmpunkt des Kongresses beinhaltete die Auswirkungen
moderner Diabetesmedikamente auf den Herzkreislauf. "Die
Blutzuckersenkung und die Behandlung von Bluthochdruck bei Diabetes
sind zur Verhinderung von Diabetes-Komplikationen sehr wichtig.
Früher glaubte man, dass eine ganz aggressive Blutzuckersenkung zur
Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinnvoll sei, neuere
Studien deuten allerdings darauf hin, dass sich eine allzu radikale
Senkung des Blutzuckers mitunter sogar ungünstig auf den
Herzkreislauf auswirkt", erklärte Priv.-Doz. Dr. Christoph Säly vom
Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung für Innere Medizin und
Kardiologie und erster Sekretär der ÖDG. Nicht angeraten ist auch
eine allzu aggressive Senkung des Bluthochdrucks, einer häufigen
Problematik bei DiabetespatientInnen. Die Blutdruckwerte sollen gut
eingestellt sein, aber nicht unter den normalen Bereich gesenkt
werden. Bei der Cholesterinsenkung hingegen deuten Studienergebnisse
auf ein "the lower the better" hin - je niedriger das
LDL-Cholesterin, desto besser ist es für PatientInnen mit
Typ-2-Diabetes. Deshalb sollten heute fast alle DiabetikerInnen ein
cholesterinsenkendes Medikament erhalten.
Neue Therapieansätze
In einer weiteren Sitzung wurden neue Therapieansätze bei Diabetes
mellitus besprochen. So ist es mit SGLT2-Inhibitoren möglich, eine
vermehrte Zuckerausscheidung über den Harn herbeizuführen. Damit kann
der Blutzucker gesenkt und auch das Körpergewicht ein wenig reduziert
werden. Medikamente mit dieser Wirkungsweise werden für PatientInnen
bald in der täglichen Routine verfügbar sein.
Erstattung neuer Medikamente gefordert
Die ExpertInnen des Kongresses stellten fest, dass PatientInnen
mit Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen heute sehr gut
behandelt werden können. "Moderne Medikamente sind jedoch teurer als
ältere Präparate und werden von den Kostenträgern nicht immer
problemlos zur Verfügung gestellt. Hier besteht eindeutig
Handlungsbedarf bei der Erstattung moderner Medikamente",
unterstreicht Prim. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz Drexel, LKH
Feldkirch, Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie, der
Präsident der ÖDG.
Spezifische Diabetesformen
Ein weiteres Thema des Kongresses waren besondere Diabetesformen,
die etwa bei Stoffwechselerkrankungen oder in der Folge einer
Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten können. Ebenfalls besprochen
wurde das Problem von Diabetes, der durch Medikamente hervorgerufen
wird. Vor allem Kortisonpräparate können für die Dauer ihrer
Anwendung eine diabetische Stoffwechsellage bedingen.
Eine Form von Diabetes, die die ExpertInnen besonders
diskutierten, ist der Schwangerschaftsdiabetes. Hier handelt es sich
um Diabetes, der während einer Schwangerschaft erstmals auftritt.
Diese Diabetesform ist vor allem für das Kind gefährlich, weshalb
Schwangere auf das Vorliegen einer Zuckerstoffwechselstörung
untersucht werden müssen.
Der "Diabetische Fuß"
Der diabetischen Fußerkrankung war ein weiterer Vortrag gewidmet.
Bedingt durch Durchblutungsstörungen und durch eine Schädigung der
Nerven kann es bei PatientInnen mit Diabetes zu offenen Stellen an
den Füßen kommen, welche sich infizieren können und dann oft eine
Amputation notwendig machen. Die ExpertInnen betonten die
Notwendigkeit der regelmäßigen Untersuchung der Füße von PatientInnen
mit Diabetes und hoben hervor, dass bei offenen Stellen an den Füßen
dringend ein Arzt zu Rate gezogen werden sollte und eine
interdisziplinäre Therapie angestrebt werden sollte.
Ernährungsempfehlungen bei Diabetes
Während des Kongresses wurde die Wichtigkeit der Ernährung für die
Stoffwechselkontrolle bei Diabetes betont, wobei sich die ExpertInnen
einig waren, dass eine strenge Diät seitens der PatientInnen nicht
mehr erforderlich sei. Vielmehr sei es maßgeblich, die individuellen
Gegebenheiten bei der Ernährung zu berücksichtigen. Wichtig ist vor
allem, dass die Ernährung bei Übergewicht nicht zu kalorienreich ist,
sodass nach Möglichkeit eine Reduktion des Körpergewichts erreicht
werden kann.
Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)
Die Österreichische Diabetes Gesellschaft ist die
ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen
Diabetes-Fachleute. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und
Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der
Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen. Die ÖDG engagiert
sich für die Sicherstellung einer Betreuung der Menschen mit Diabetes
in Österreich, die den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen
entspricht. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind ÄrztInnen
und wissenschaftlich einschlägig orientierte AkademikerInnen.
Assoziierte Mitglieder sind DiabetesberaterInnen und DiaetologInnen.
Pressetext und Fotos finden Sie unter:
http://www.publichealth.at/p-68098.html
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