Diabetes: Cholesterinsenkung wichtiger als Blutzuckersenkung

Aktuelle Erkenntnisse von der Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft

Wien (OTS) - Vom 7. bis 9. März fand in Bregenz erstmals eine gemeinsame Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) und der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED-SSED) statt. Die Tagung diente dem Erfahrungsaustausch über die Landesgrenzen hinaus, namhafte österreichische und Schweizer Diabetes-ExpertInnen und EndokrinologInnen diskutierten neben wichtigen Themen aus der Diabetologie auch endokrinologische und osteologische Fragestellungen. "Diese binationale Tagung bot für die Diabetes-Gesellschaften beider Länder eine optimale Plattform für einen intensiven Erfahrungsaustausch und half, unsere Forderungen an die Gesundheitspolitik beider Länder zu bekräftigen", zeigten sich der Präsident der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft, Prim. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz Drexel und Chefarzt Prof. Dr. Michael Brändle, Kantonsspital St. Gallen, der Vertreter der SGED-SSED, zufrieden.

Aggressive Blutzuckersenkung kritisch betrachtet

Ein Programmpunkt des Kongresses beinhaltete die Auswirkungen moderner Diabetesmedikamente auf den Herzkreislauf. "Die Blutzuckersenkung und die Behandlung von Bluthochdruck bei Diabetes sind zur Verhinderung von Diabetes-Komplikationen sehr wichtig. Früher glaubte man, dass eine ganz aggressive Blutzuckersenkung zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinnvoll sei, neuere Studien deuten allerdings darauf hin, dass sich eine allzu radikale Senkung des Blutzuckers mitunter sogar ungünstig auf den Herzkreislauf auswirkt", erklärte Priv.-Doz. Dr. Christoph Säly vom Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie und erster Sekretär der ÖDG. Nicht angeraten ist auch eine allzu aggressive Senkung des Bluthochdrucks, einer häufigen Problematik bei DiabetespatientInnen. Die Blutdruckwerte sollen gut eingestellt sein, aber nicht unter den normalen Bereich gesenkt werden. Bei der Cholesterinsenkung hingegen deuten Studienergebnisse auf ein "the lower the better" hin - je niedriger das LDL-Cholesterin, desto besser ist es für PatientInnen mit Typ-2-Diabetes. Deshalb sollten heute fast alle DiabetikerInnen ein cholesterinsenkendes Medikament erhalten.

Neue Therapieansätze

In einer weiteren Sitzung wurden neue Therapieansätze bei Diabetes mellitus besprochen. So ist es mit SGLT2-Inhibitoren möglich, eine vermehrte Zuckerausscheidung über den Harn herbeizuführen. Damit kann der Blutzucker gesenkt und auch das Körpergewicht ein wenig reduziert werden. Medikamente mit dieser Wirkungsweise werden für PatientInnen bald in der täglichen Routine verfügbar sein.

Erstattung neuer Medikamente gefordert

Die ExpertInnen des Kongresses stellten fest, dass PatientInnen mit Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen heute sehr gut behandelt werden können. "Moderne Medikamente sind jedoch teurer als ältere Präparate und werden von den Kostenträgern nicht immer problemlos zur Verfügung gestellt. Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf bei der Erstattung moderner Medikamente", unterstreicht Prim. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz Drexel, LKH Feldkirch, Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie, der Präsident der ÖDG.

Spezifische Diabetesformen

Ein weiteres Thema des Kongresses waren besondere Diabetesformen, die etwa bei Stoffwechselerkrankungen oder in der Folge einer Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten können. Ebenfalls besprochen wurde das Problem von Diabetes, der durch Medikamente hervorgerufen wird. Vor allem Kortisonpräparate können für die Dauer ihrer Anwendung eine diabetische Stoffwechsellage bedingen.

Eine Form von Diabetes, die die ExpertInnen besonders diskutierten, ist der Schwangerschaftsdiabetes. Hier handelt es sich um Diabetes, der während einer Schwangerschaft erstmals auftritt. Diese Diabetesform ist vor allem für das Kind gefährlich, weshalb Schwangere auf das Vorliegen einer Zuckerstoffwechselstörung untersucht werden müssen.

Der "Diabetische Fuß"

Der diabetischen Fußerkrankung war ein weiterer Vortrag gewidmet. Bedingt durch Durchblutungsstörungen und durch eine Schädigung der Nerven kann es bei PatientInnen mit Diabetes zu offenen Stellen an den Füßen kommen, welche sich infizieren können und dann oft eine Amputation notwendig machen. Die ExpertInnen betonten die Notwendigkeit der regelmäßigen Untersuchung der Füße von PatientInnen mit Diabetes und hoben hervor, dass bei offenen Stellen an den Füßen dringend ein Arzt zu Rate gezogen werden sollte und eine interdisziplinäre Therapie angestrebt werden sollte.

Ernährungsempfehlungen bei Diabetes

Während des Kongresses wurde die Wichtigkeit der Ernährung für die Stoffwechselkontrolle bei Diabetes betont, wobei sich die ExpertInnen einig waren, dass eine strenge Diät seitens der PatientInnen nicht mehr erforderlich sei. Vielmehr sei es maßgeblich, die individuellen Gegebenheiten bei der Ernährung zu berücksichtigen. Wichtig ist vor allem, dass die Ernährung bei Übergewicht nicht zu kalorienreich ist, sodass nach Möglichkeit eine Reduktion des Körpergewichts erreicht werden kann.

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Fachleute. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen. Die ÖDG engagiert sich für die Sicherstellung einer Betreuung der Menschen mit Diabetes in Österreich, die den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind ÄrztInnen und wissenschaftlich einschlägig orientierte AkademikerInnen. Assoziierte Mitglieder sind DiabetesberaterInnen und DiaetologInnen.

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