Kunstrückgabebeirat beschließt sechs neue Empfehlungen

Rückgabe in vier Fällen befürwortet, in einem Fall verneint und die Beratung eines Falles vertagt.

Wien (OTS/BMUKK) - Der Kunstrückgabebeirat empfahl in seiner heutigen Sitzung (8. März 2013) die Rückgabe von Teilen des Familienarchivs der Rothschilds aus dem Österreichischen Staatsarchiv an die Nachkommen des Wiener Zweigs der Familie, die Rückgabe von einer Aquarell-Miniatur aus dem Heeresgeschichtlichen Museum an die Erben nach Eduard Epstein, die Rückgabe von acht Blättern aus der Albertina an die Erben nach Dr. Marianne Schmidl und die Rückgabe einer Bleistiftzeichnung ebenfalls aus der Albertina an die Erben nach Adella Feuer. Der Beirat verneinte die Voraussetzungen für eine Rückgabe des Gemäldes von George Grosz Bündnis / Andenken, aus dem im Museum moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien an die Erben nach George Grosz bzw. Alfred Flechtheim. Die Beratungen zu einem Austro Daimler, der sich heute im Technischen Museum befindet, wurden vertagt.

Das Familienarchiv der Rothschilds wurde 1938 von der Gestapo aus Wien nach Berlin überführt und gelangte nach 1945 durch die Rote Armee nach Moskau. Die nun zur Rückgabe empfohlenen Teile des Familienarchivs wurden 1960 von der damaligen Sowjetunion dem Österreichischen Staatsarchiv als "Aktenspende" übergeben worden; die in Moskau verbliebenen Teile des Familienarchivs wurden bereits im Jahr 2001 von Russland an die Familie Rothschild rückerstattet.

Die Aquarell-Miniatur wurde im Jahr 1940 vom Heeresgeschichtlichen Museum von Eduard Epstein vor dessen Flucht in die USA erworben. Da Eduard Epstein als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt war, ist die Veräußerung als Entziehung zu bewerten.

Dr. Marianne Schmidl, die zu den ersten Ethnologinnen Wiens zählte, war Erbin einer bedeutenden Kunstsammlung. Die acht Blätter stammen aus der Sammlung und wurden von Dr. Marianne Schmidl über Vermittlung eines Wiener Kunsthändlers beim Leipziger Auktionshaus C.G. Boerner in Leipzig im Jahr 1939 versteigert, wo sie von der Albertina erworben wurden. Dr. Marianne Schmidl wurde 1942 nach Izbica deportiert und ermordet. Da dieser Verkauf im Zusammenhang mit ihrer Verfolgung zu sehen ist, liegen die Voraussetzungen einer Rückgabe an die Erben vor.

Ähnlich gelagert ist der Fall Adella Feuer, die im März 1939 eine anonyme Bleistiftzeichnung des Wiener Bürgermeisters Leopold Rössler an die Albertina veräußerte. Adella Feuer gelang 1939 die Flucht nach Italien, wurde jedoch dort 1940 interniert und 1944 nach Auschwitz deportiert. Sie erlebte die Befreiung und wanderte in die USA aus.

Schließlich stellte der Beirat fest, dass die Voraussetzungen für eine Rückgabe des im MUMOK befindlichen Gemäldes von George Grosz, Bündnis / Andenken nicht erfüllt sind. Das Gemälde war im Jahr 1986 vom MUMOK aus dem Kunsthandel erworben worden, der Beirat hatte sich mit dem Gemälde bereits in seiner Empfehlung vom 29. März 2006 befasst und überprüfte nun die Angelegenheit nach der durch die Novelle des Kunstrückgabegesetzes im Jahr 2009 geänderten Rechtslage. Der Beirat stellte fest, dass George Grosz das Gemälde im Jahr 1931 dem Kunsthändler Alfred Flechtheim in Kommission gab; in der Folge wurde es in Brüssel und in Amsterdam ausgestellt. Im Jahr 1938 wurde das Gemälde in Amsterdam aus dem Nachlass von Alfred Flechtheim, der 1937 gestorben war, versteigert. Da die relevanten und bekannt gewordenen Rechtsgeschäfte jedenfalls außerhalb des Gebietes des Deutschen Reiches und vor der deutschen Besetzung der Niederlande stattfanden, sieht der Kunstrückgabebeirat die Voraussetzungen auch unter der geänderten Rechtslage nach § 1 Abs. 1 Z 2a Kunstrückgabegesetz nicht gegeben.

Die Empfehlungen sind im Wortlaut auf der Website der Kommission für Provenienzforschung unter www.provenienzforschung.gv.at wiedergegeben.

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